Präventionskampagne in der Armee 2016–2018: Ablenkung

Ablenkung und Unaufmerksamkeit gehören seit Jahren zu den häufigsten Ursachen von schweren Unfällen im Schweizer Strassenverkehr. Im Jahr 2015 (Quelle: ASTRA) wurden bei Unfällen mit Personenschaden 17'498 Personen leicht bis schwer verletzt, 238 Beteiligte wurden getötet. Über 13'000 dieser Unfälle sind auf Ablenkung zurückzuführen. Davon sind zirka 56% der Lenker im militärdienstpflichtigen Alter.

Lefty und Righty halten ein Banner mit dem Text «Schreibst du noch, oder bremst du schon?» in die Höhe
Botschafteraugenpaar der Kampagne Ablenkung: Lefty und Righty.

Ablenkung und Unaufmerksamkeit stellen einen mentalen Zustand dar, der nicht beobachtet werden kann. Viele glauben, sie können während des Fahrens noch etwas anderes machen. Können Sie aber nicht! Du bringst Andere und dich selber in Gefahr, wenn du abgelenkt bist.

Waren vor Jahren noch Gespräche mit Passagieren, Essen und Trinken, Rauchen, Lesen und Schreiben oder Ablenkung durch Kleinkinder die verbreitetsten Ursachen, etabliert sich seit einigen Jahren ein neues Phänomen – die Bedienung von Infotainment-Geräten. Dazu gehören Smartphones, Tablets und Laptops, Navigationsgeräte sowie im Fahrzeug selber installierte Systeme mit ähnlichen Funktionen.

Die unterschätzte Gefahr

Leider bist du nicht alleine, wenn du während dem Fahren abgelenkt bist. Von den verunfallten Fahrer/innen,

  • führen 43% während der Fahrt Handygespräche;
  • lesen 44% eine SMS oder E-Mail;
  • bedienen 75% ein Navigationsgerät (Quelle: Allianz). 

 

Du sagst vielleicht: Ich habe alles im Griff – die Forschung beweist dir was anderes! Um Manipulationen an Infotainment-Geräten vornehmen zu können, brauchst du dein Gehirn. Die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses (kognitive Belastung) ist jedoch beschränkt. Du brauchst somit Ressourcen, die dann im Strassenverkehr fehlen. Dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob du Neulenker/in bist oder bereits ein/e geübte/r Fahrer/in.

Hinzu kommt, dass Infotainment-Geräte subjektiv nicht als gefährlich wahrgenommen werden. Dies erzeugt eine Kontroll-Illusion. Dabei wird die eigene Kompetenz, Nebentätigkeiten vorzunehmen und gleichzeitig unfallfrei zu fahren, massiv zu hoch eingeschätzt.  Fatal dabei ist, dass sich die Reaktionszeit um ein Vielfaches verlängert. Im Falle von Telefonieren oder SMS-Schreiben am Steuer um zwischen 30–50%. Dein Auto hat keinen Autopilot. Du wirst zur Gefahr für dich und die Anderen. 

Multitasking am Steuer ist nicht möglich. Darum wiederstehe der Versuchung und hilf mit, den Strassenverkehr sicherer zu machen!

 

Handlungen und Manipulationen, die dich ablenken, während du dich aufs Fahren konzentrieren solltest:

  • Handygespräche führen (auch mit Freisprechanlage)
  • SMS, WhatsApp-Nachrichten oder E-Mails auf Infotainment-Geräten schreiben oder lesen
  • Navigationsgerät bedienen und nutzen
  • Radio/CD-Gerät bedienen
  • Playlist durchstöbern
  • Karten, Zeitung, Unterlagen lesen
  • Schreiben
  • Essen und Trinken
  • Rauchen
  • Weinende Babys und streitende Kinder
  • Mitfahrende Tiere
  • In Gedanken oder aufgeregt sein
  • Brille wechseln
  • Gegenstände suchen
  • Schminken

 

Mach die Strassen wieder sicher und übernimm Verantwortung

Während des Militärdienstes gibt die Pocket Card Verantwortung klar Auskunft darüber, welche Massnahmen notwendig sind und zur Verhinderung von Verkehrsunfällen beitragen. Dies für Fahrer, Beifahrer und Vorgesetzte. Aber auch im zivilen Bereich können verschiedene Akteure dazu beitragen, die Unfallwahrscheinlichkeit zu senken. 

Fordere dein Glück nicht heraus und reduziere die Bedingung von Infotainment-Geräten auf ein Minimum, damit du gedanklich beim Fahren bist. Das heisst konkret:

  • Rufe deine Liebsten vor der Fahrt an um mitzuteilen, dass du spät dran bist.
  • Schreibe die SMS oder lies die E-Mail vom Chef vom Parkplatz oder Büro aus.
  • Gib den Zielort vor der Fahrt im Navigationsgerät ein.
  • Such dein Lieblingslied, wenn das Fahrzeug steht.

Es ist dein Recht, dass du sicher gefahren wirst. Aber auch deine Pflicht zu intervenieren, wenn der/die Fahrer/in abgelenkt ist. Weise darauf hin, dass du sicher ankommen möchtest. Das heisst konkret:

  • Sag dem Kollegen oder der Kollegin, dass es dich stört, wenn er/sie beim Fahren das Handy oder das Navigationsgerät bedient.
  • Sage deiner Freundin klar, dass du dich nicht sicher fühlst, wenn sie sich während dem Fahren schminkt.

Lasse deine Liebsten sicher fahren. Verzichte wenn möglich darauf, jemanden anzurufen, wenn du schon weisst, dass er/sie unterwegs ist. Konkret heisst das:

  • Rufe deine Liebsten nicht an, wenn du weisst, dass sie auf dem Heimweg sind.
  • Lass die Mitarbeiter zuerst ins Büro kommen, bevor du sie mit News und Aufträgen überflutest

Die Kampagne

Die Statistiken zeigen, dass sehr viele Unfälle passieren, weil die beteiligten Personen nicht genügend aufmerksam bzw. eben abgelenkt sind. Unter der Ursache Ablenkung und Unaufmerksamkeit werden meist eine Vielzahl oder weniger klar abzuleitende Faktoren zusammengezählt. 

Dabei nimmt die Zahl derjenigen, die die Risiken ignorieren, massiv zu. Dies obwohl gewichtige Rechtsfolgen möglich sind:

  • Wer während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung telefoniert, wird mit einer Busse von 100 CHF gebüsst (Anhang 1 Ziffer 311 der Ordnungsbussenverordnung).
  • Telefonieren am Steuer oder das Bedienen von Kommunikations- und Informationssystemen kann je nach Fall zu einem Entzug des Führerausweises, hohen Bussen oder auch zu einer Freiheitsstrafe führen.
  • Ausserdem ist zu beachten, dass das Telefonieren während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung – falls deswegen ein Unfall verursacht wurde – in der Unfallversicherung auch schon zu Leistungskürzungen wegen Grobfahrlässigkeit geführt hat (Art. 37 Abs. 2 Unfallversicherungsgesetz).

 

    Aus diesem Grund hat sich die Koordinationsgruppe Militärische Unfall- und Schadenprävention für eine armeeweite Präventionskampagne zum Thema Ablenkung ausgesprochen. Die nationale Präventionskampagne für weniger Ablenkung und mehr Sicherheit in Strassenverkehr «Augen auf die Strasse» wurde vom Schweizerischen Versicherungsverband SVV und vom Touring Club Schweiz TCS im Auftrag des Fonds für Verkehrssicherheit FVS durchgeführt. Der SVV in Vertretung aller beteiligten Organisationen, ist direkter Partner der Schweizer Armee.

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