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Wir unterstützen die zivilen Behörden

Als stellvertretender Chef Einsatz koordiniert Oberst im Generalstab Simon Küchler die militärischen Einheiten während des Weltwirtschaftsforums (WEF). Im Interview erzählt er, wie sein Stab auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert und wie der Assistenzdienst vorbereitet wird.

31.05.2022 | CUMINAIVEL | rb


Im sogenannten Lageverfolgungszentrum (LVZ) kontrolliert der Stab der Territorialdivision 3 den Einsatz der am Boden eingesetzten Truppen der Schweizer Armee am WEF. Unter anderem werden im LVZ die einzelnen Standorte der eingesetzten Truppen und deren Stärke festgehalten und bei Bedarf angepasst. Fotografieren dürfen wir im LVZ nicht. Daher treffen wir Oberst i Gst Simon Küchler im Aufenthaltsraum nebendran.

Herr Oberst Küchler, das WEF wurde von Januar auf Mai verschoben. Haben sich dadurch die Aufgaben der Armee geändert?

Ja, auf Stufe Kompanie mussten wir einige Befehle anpassen. Die Sicherung an den geplanten militärischen Standorten musste neu beurteilt werden. Grund ist: Im Sommer ist mit viel mehr Bewegung zu rechnen, auch an peripheren Orten. Dort begegnen wir beispielsweise Wanderern, was im Januar nicht der Fall ist. Daher war es umso wichtiger, die Standorte im Voraus zu erkunden. Dies wurde hauptsächlich vom Kader der eingesetzten Truppen durchgeführt. Bei einer solchen Erkundung werden Räumlichkeiten, Infrastrukturen, Unterkünfte begutachtet und kontrolliert. Zudem finden Treffen mit den zivilen Partnern statt, welche die Armee unterstützen. Gemeint sind etwa Abwarte, Landwirte oder Lehrpersonen. 

Es wird also schon einiges im Voraus organisiert…

Richtig, und doch haben die eingesetzten Truppen immer wieder Fragen und Probleme, die es zu beantworten und lösen gilt. Daher treffen sich jeden Morgen die Vertreter der Kompanien und des Territorialstabs zu einem Rapport im LVZ. Einige sind physisch vor Ort, andere schalten sich digital zu. Besprochen werden unter anderem auch Details aus dem Tagesgeschäft. Ein Beispiel: Die Armeeangehörigen erhalten einen persönlichen Badge für die Zutrittskontrolle. Dieser Badge ist nur gültig zusammen mit einer Identitätskarte. Und was, wenn die ID nicht auf Mann ist? Auch solche Dinge werden bei uns im LVZ besprochen. Querbeet also.

Und woher wissen die Bataillone eigentlich, was sie zu tun haben?

Zusammen mit der Kantonspolizei Graubünden besprechen wir im Vorfeld des WEF, welche Aufgaben und Aufträge zu erfüllen sind. Es handelt sich also um einen Leistungskatalog. Er bildet die Befehlsgrundlage für die am WEF eingesetzten Truppen. Hier kommt dann konkret mein Stab zum Zug.

Sie wissen also schon etwa ein halbes Jahr vor dem WEF, was die Armee zu tun hat?

Ja, im Grundsatz schon. Denn die Aufgaben der Armee am WEF haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Wenn Sie jetzt fragen, von welchen Aufgaben ich spreche, dann sind wir noch lange hier (lacht). Ich sage es zusammenfassend: Die Territorialdivision 3 führt während des Militärdienstes am WEF alle Truppen am Boden. Sie können sich also vorstellen, wie lang unsere Traktandenliste ist. Und noch als Ergänzung: Für den Luftraum ist ausschliesslich die Luftwaffe zuständig. Das wenigstens fällt weg.

Es muss also alles genau durchdacht und geplant sein. Nehmen wir an, die Sicherheitslage am WEF ändert sich drastisch. Was machen Sie dann?

Wir sind in ständigem Kontakt mit unseren zivilen Partnern, allen voran mit der Kantonspolizei Graubünden. Ihr obliegt die Einsatzverantwortung. Das Militär leistet seinen Auftrag somit subsidiär, d.h. die Armee arbeitet im Auftrag der Kapo. Sollte also etwas Unvorhergesehenes passieren wie etwa eine Demonstration, dann ist in erster Instanz die Polizei dafür zuständig. Sollte sie dabei Unterstützung brauchen, stehen wir zur Verfügung.

Die Armee ist also eine Art Allrounderin?

Ich würde eher sagen: Die Armee ist professionelle Unterstützerin. Wir haben alle militärischen Einheiten im Überblick und können bei Bedarf gewisse Truppen kurzfristig auslösen oder an andere Standorte verschieben. Weiter gibt es bestimmte Vereinbarungen, damit wir im Notfall auf unsere bereichsspezifischen Kernkompetenzen zurückgreifen können.

Welche Notfälle?

Zum Beispiel ein ABC-Angriff. Dann können wir sofort auf das ABC-Kompetenzzentrum in Spiez zurückgreifen und Profis engagieren.

Hoffen wir, dass Sie das nicht machen müssen. Zum Schluss noch eine persönliche Anekdote: Was ist Ihnen wichtig in Ihrem Job?

Die Armee rückt während des WEF in das nationale und internationale Schaufensterlicht. Es ist mir daher wichtig, dass wir alle einen guten Job machen, und ich betone hier ALLE. Denn ohne das Militär gäbe es das WEF in der Schweiz wohl nicht. Die zivilen Behörden könnten diesen Anlass aus sicherheitstechnischer Sicht alleine gar nicht stemmen. Dafür gibt es unter anderem zu wenige Polizisten. Wir, die Armee, tragen somit eine grosse Verantwortung.

Wann ist für Sie der WEF-Einsatz erfolgreich?

Er ist dann erfolgreich, wenn alle Truppen ihre Aufträge zu vollster Zufriedenheit erfüllt haben und sämtliche Soldaten und Kader gesund nach Hause gehen können.


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