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«Wir leben hier wie eine grosse Familie»

Ihre Unterkunft ist eine Alphütte. Oberhalb von Davos mit schönster Bergkulisse leisten einige Soldaten ihren WEF-Dienst. Zusammen mit den Besitzern der Hütte gehen sie in diesen Tagen durch dick und dünn. Dies ist die Geschichte einer erfolgreichen militärisch-zivilen Wohngemeinschaft.

28.05.2022 | CUMINAIVEL | rb


Auf rund 1 820 Meter über Meer befindet sich eine Alphütte, weit abgelegen und von Stille umgeben. Einzig das Rauschen eines nahegelegenen Baches ist zu hören. Wir nähern uns der Hütte. Militärische Kennzeichen sind hier oben keine auszumachen. Plötzlich rennt uns ein Hund bellend entgegen, hinter der Hütte tritt ein Wachtmeister hervor. Die Begrüssung durch Gruppenführer Hegglin ist herzlich. Er führt uns in das Innere der Alphütte. Hier erwarten uns die Besitzer und Gastgeber der Hütte: Peter und Irmtraud. Wir fühlen uns sofort willkommen.

Dass hier oben eine militärische Truppe untergebracht ist, ist speziell und einzigartig. In der Hütte ist es eng und die Decke tief. Wer über 1.80 Meter gross ist, muss in den meisten Räumen den Kopf einziehen. Die Hütte sei ungefähr 250 Jahre alt, erzählt uns Gastgeber Peter. Er und Irmtraud beherbergen hier eine Gruppe von Nachrichtensoldaten der Luftwaffe, deren Posten einige hundert Meter entfernt steht. Sie haben dafür die teils renovierte, aber immer noch rustikale Hütte auf die Bedürfnisse der Truppe ausgerichtet.


Leben wie in einer Familie

Gekocht wird in der Wohnküche auf einem alten Holzkochherd auf Steinfundament. Auch spät abends gibt es noch etwas zu Essen für die zurückgekehrten Soldaten. Nebenan befindet sich das Wohnzimmer mit Esstisch. Dort in der Ecke hat Peter vorübergehend ein Bett hingestellt. Sein grosses Schlafzimmer im Obergeschoss stellt er Wm Hegglin zur Verfügung; echte Gastfreundschaft eben. Im gesamten oberen Stock der Hütte ist die Truppe untergebracht. Neben dem Schlafzimmer des Wachtmeisters gibt es zwei weitere Zimmer mit Betten für die Soldaten. «Es ist zwar eng, aber es geht sehr gut, da wir nie alle gleichzeitig schlafen», sagt Soldat Trütsch. Er sitzt an der improvisierten Zutrittskontrolle am oberen Ende der Treppe in Richtung Obergeschoss.

In der Hütte gibt es nur eine Toilette und eine Dusche. Letztere muss, wie auch der Herd, mit einem Holzofen geheizt werden, sodass warmes Wasser fliesst. «Alle müssen flexibel sein, damit wir gut miteinander auskommen. Wir leben hier wie in einer grossen Familie», sagt Peter. Die familiäre Stimmung sei besonders am Abend zu spüren. Dann sitzen die Gastgeber gemeinsam mit den Soldaten im Esszimmer und tauschen Geschichten aus. Mit ihren militärischen Gästen sind Peter und Irmtraud sehr zufrieden: «Es sind alles freundliche und hilfsbereite Menschen», so der 74-jährige Peter. Ohne zu zögern, würden sie ihm helfen, Holz zu schlagen oder Wasser zu holen. «Und falls die Soldaten medizinische Hilfe benötigen, kommen sie zu mir», ergänzt Irmtraud.

Auch für die Truppe ist der Aufenthalt in der Hütte ein Erlebnis. Mit grosser Gastfreundschaft werden sie von Irmtraud und Peter umsorgt. «Das Essen ist immer frisch gekocht und schmeckt ausgezeichnet», sagt Wm Hegglin. Mit viel Liebe schreiben die Gastgeber jeweils das aktuelle Menü auf ein weisses Papier und hängen es vor die Haustüre. Neben dem Eingang haben sie einen kleinen Kiosk eingerichtet. Dort können sich die Soldaten mit Früchten, Snacks und Getränken eindecken – sogar selbstgemachter Holundersirup gibt es.


Eine lange Freundschaft

Probleme in der Hütte aufgrund der zusätzlichen Mitbewohner gibt es so gut wie keine. «Einzig das Stromnetz ist wegen Überlastung schon einmal zusammengebrochen», sagt Peter. Als Lösung habe man das Stromnetz an einen Generator des Militärs angeschlossen, gelebte Kameradschaft eben.

Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass Soldaten in eine Alphütte ziehen? Grund ist die herausfordernde Suche nach Unterkünften für das Militär während des WEF. Bei dieser Suche war rund zwei Wochen vor dem WEF die Lösung mit der Alphütte von Irmtraud und Peter zustande gekommen. Hierzu sagt Oberst i Gst Accola, der ebenfalls zu Besuch ist: «Ich kenne Peter und Irmtraud schon seit vielen Jahren. Sie sind sehr herzliche und hilfsbereite Menschen und stellen ihre Alphütte als Militärunterkunft zur Verfügung. Das ist grossartig», sagt der Chef Einsatz stolz und mit einem zufriedenen Lächeln.

Soldaten sind weiterhin willkommen

Auch wenn es streng sei und sie viel Aufwand betreiben, würden Peter und Irmtraud wieder Soldaten in ihrer Alphütte beherbergen: «Allerdings nur, wenn die Soldaten genauso freundlich und naturverbunden sind wie die Jetzigen», sagt Peter mit einem Augenzwinkern. Für WEF-Soldaten steht die Hütte aber leider nicht mehr zur Verfügung. Nicht weil Peter und Irmtraud das nicht wollen, sondern vielmehr wegen des vielen Schnees, der im Januar liegt. Und die nächste Ausgabe des WEF soll planmässig wieder zu Jahresbeginn 2023 stattfinden. 

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