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Durch Davos mit dem neuen Landammann

Das WEF ist zurück. Das freut nicht zuletzt den höchsten Davoser, Landammann Philipp Wilhelm. Mit ihm spricht Cuminaivel über die Bedeutung des WEF für Davos und besucht seine Lieblingsplätze.

25.05.2022 | CUMINAIVEL | sf


Wenn Philipp Wilhelm durch Davos geht, kommt er meist nur langsam vorwärts. Alle paar Schritte schüttelt ihm jemand die Hand, schallt ein «Hoi» über die Strasse oder hält jemand einen kurzen Schwatz mit ihm. Wilhelm nimmt sich gerne Zeit, ist mit allen, die er auf seinem Rundgang durch Davos trifft, per Du. Eigentlich hat der Landammann einen vollen Terminkalender. Denn als Gemeindepräsident besorgt er die operativen Geschäfte und trägt die Hauptverantwortung für die Führung der Verwaltung.

Wir treffen Wilhelm vor dem Rathaus, wo er erst seit anderthalb Jahren sein Büro hat. Mitten in der Corona-Krise hat der heute 33-Jährige in einer aufsehenerregenden Kampfwahl die Vorherrschaft der FDP beendet und ist nun der erste SP-Politiker, der das Amt des Davoser Landammanns ausübt. Kein Wunder, ist er gerne hier: «Das ist in erster Linie natürlich mein Arbeitsort – aber da ich meinen Job sehr gerne mache, ist es auch einer meiner Lieblingsorte». 

Vom Demonstranten zum Gastgeber

Der Platz, auf dem der sogenannte Bubenbrunnen plätschert, hat für Wilhelm eine zusätzliche wichtige Bedeutung: «Das ist ein politisches Zentrum, ein Ort des Dialogs. Das Parlament tagt in der Nähe und hier werden während des WEF auch Kundgebungen durchgeführt.» Bei Letzterem kennt er sich aus, was nicht von ungefähr kommt. Wilhelm lief früher selbst an Demonstrationen mit. Es sei ihm dabei nie um das WEF als solches gegangen: «Uns ging es um die globale Ungerechtigkeit, um die Erderwärmung. Nichtsdestoweniger wäre ich ohne das WEF heute wohl nicht Politiker.»

Die Zeiten seines Widerstands seien nun aber vorbei. Zu wichtig sei das WEF für die Zukunft von Davos, sagt Wilhelm klar: «Viele Leute kennen Davos wegen des Jahrestreffens. Bilder unserer wunderschönen Gegend gehen um die Welt – das ist top Werbung für Davos.» So ist es wenig erstaunlich, dass der Landammann während der Corona-Zeit auf Nadeln lief. Das WEF konnte wegen der Pandemie im Jahr 2021 nicht in Davos stattfinden und auch für den Tourismus war das Virus aus finanzieller Sicht ungesund. Kommt hinzu, dass es keine Garantie dafür gibt, dass das Jahrestreffen auch künftig in der Alpenstadt stattfinden wird. «Gerade deshalb war es uns wichtig, auch während der Krise mit allen Verantwortlichen und Partnern in engem Austausch zu stehen», erklärt Wilhelm.

Mehr als nur WEF

Gleichwohl ist zu spüren: Für den Landammann ist Davos weit mehr als nur Austragungsort des Weltwirtschaftsforums. Die nächste Station ist der Kulturplatz, der erst im letzten Jahr eröffnet wurde und wo jetzt Kino- und Theatervorstellungen, Konzerte, Lesungen oder auch die aktuelle Ausstellung des Davoser Künstlers Jules Spinatsch stattfinden. Seine Werke beziehen sich passend auf das Weltwirtschaftsforum. «Der Platz zeigt, wie sich Davos in den letzten Jahren entwickelt hat und in welche Richtung es gehen soll», meint Wilhelm, der selber Architekt und für die Raumplanung der Stadt zuständig ist. «Davos hat eine enorm spannende Baugeschichte und ein riesiges Potential, eine moderne, attraktive Alpenstadt zu werden.»

Weiter geht es der Davoser Promenade entlang. Wilhelm scherzt mit einem Bekannten quer über die Strasse hinweg, unterhält sich launig mit seinem ehemaligen Wirtschaftslehrer und grüsst ein älteres Ehepaar. Er scheint Wert zu legen auf den Kontakt mit der Bevölkerung. Vielleicht mit ein Grund, weshalb es ihn nach dem Studium aus dem eher anonymen Zürich zurück in die Bündner Heimat gezogen hat.

Dank an die Truppe

Kurze Zeit später gelangen wir zu Wilhelms drittem Lieblingsort, dem neuen Eisstadion. Es kann nach einer langen Bauzeit nun wieder regelmässig bespielt werden. Das Stadion, dessen charakteristische Holz-Kathedrale bewahrt wurde, bringt Wilhelms Augen zum Leuchten, nicht nur aus architektonischen Gründen: «Ich habe früher selbst bei den Junioren des HCD gespielt. Für eine Profi-Karriere reichte es zwar nicht, dafür bin ich jetzt Politiker und Landammann», sagt Wilhelm lachend.

Wer auf den grossen Parkplatz vor dem Eisstadion schaut, wird unschwer erkennen: Er ist voller Militärfahrzeuge. Ein weiteres Zeichen dafür, welchen Aufwand die Armee betreibt, um sich am Sicherheitsdispositiv zu beteiligen. Dem ist sich Wilhelm voll und ganz bewusst: «Ein Anlass in dieser Grössenordnung und mit dieser Ausstrahlung kann ohne die Unterstützung durch die Armee nicht durchgeführt werden. Ich bin froh und freue mich, wenn Soldaten und Kader hier in Davos sind. Sie machen einen hervorragenden Job. Dafür möchte ich meinen grossen Dank aussprechen.»


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