print preview Zurück zur Übersicht WEF – CUMINAIVEL

In Vollmontur durch die Dunkelheit

Der Schutz von wichtigen Objekten ist für die Armee am WEF ein 24-Stunden-Job. Die Soldaten der Nachtwache müssen dafür im Dienst ihren gesamten Tagesablauf auf den Kopf stellen.

25.01.2020 | CUMINAIVEL | ac

Aspiranten

 

Sobald die Nacht über das Landwassertal hineinbricht, wird es ruhig rund um Davos. Am WEF finden zwar noch bis spät abends Treffen und Feiern statt, doch das grosse Treiben auf den Strassen geht jeweils mit den letzten Sonnenstrahlen über den Berggipfeln zu Ende. Für die Soldaten der Nachtwache fängt jetzt die Arbeit erst an. Wenn andere Feierabend machen oder sich ins Bett legen, patrouillieren sie auch bei Minusgraden durch die Dunkelheit. 

«Es schweisst zusammen»

Es ist schon am Eindunkeln, als der Tag für Aaron Scheucher beginnt – «mit Brot und Konfi», lacht er. «Wir behalten die üblichen Gewohnheiten wie Frühstück und Znacht bei, nur dass unser Tag halt am frühen Abend beginnt.» Scheucher ist Gefreiter und zum ersten Mal am WEF. Er ist an einem Objekt etwas ausserhalb von Davos für die Nachtwache eingeteilt. «Durchaus interessant» sei der Job hier während des Wirtschafts-Meetings.

Mehrere Stunden am Stück stehen Scheucher und seine Kollegen in der Nacht im Freien, stapfen durch den harten Schnee oder sitzen auf einem einsamen Beobachtungsposten. Begegnungen gebe es in der Nacht kaum. «Man schaut meist ins Leere. Aber die viele gemeinsame Zeit mit den Kollegen schweisst zusammen», sagt der 26-Jährige.

Krise am frühen Morgen

Schon zum zweiten Mal am WEF im Dienst ist Gion Reto Dosch. Mit einem Stapel Jass-Karten in der Hand sitzt er in der improvisierten Unterkunft der Wache. Als ein Hundeführer mit seinem Vierbeiner in den Raum kommt, strahlt der Wachtmeister. In der Nacht werden die Wachtsoldaten auf ihren Rundgängen jeweils von einem Hund begleitet. «Die Tiere sorgen hier bei allen für gute Laune», erklärt Dosch.

Auf ihrer Tour am Objekt sind Dosch und Scheucher in Vollmontur unterwegs. Das wärmt zwar, aber es zehrt auch an den Kräften. «Die wirklich schweren Momente kommen meist gegen Ende der Schicht», sagt Dosch. Gemeinsam würde man aber auch diese Krisen immer irgendwie durchstehen. Und der Gedanke ans bevorstehende Schichtende hilft ebenfalls.

Langsam wird es wieder hell am Himmel über Davos, die ersten Vögel beginnen zu zwitschern. In der Unterkunft steht die Ablösung für die Nachtwache schon bereit. Für Wachtmeister Dosch und Gefreiter Scheucher gibt es vor dem Schlafengehen noch Verpflegung – warmer Znacht frühmorgens. Für die beiden stimmt es so.