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Von Putzteufeln und Waschlappen

WK-Soldaten tauschen für 3 Wochen ihr ziviles Leben gegen ein militärisches Umfeld. In einer losen Reihe versucht sich Cuminaivel verschiedenen Phänomenen im Alltag eines Miliz-Soldaten anzunähern. Heute: Teil 5 – das Putzen.

24.01.2020 | CUMINAIVEL | sf

Gewehr putzen

 

Ob als Füsilier Häuser stürmen, als Mechaniker Panzer reparieren, als Pontonier Brücken bauen oder als Veterinärsoldat Tierseuchen bekämpfen – die Aufgaben in der Armee sind mannigfaltig. Und so unterschiedlich die Hilfsmittel auch sind, mit denen die jeweiligen Aufträge erfüllt werden müssen, eines haben sie doch gemein: Sauber müssen sie sein!

Dass die Geigerzähler der ABC-Soldaten nicht völlig verstaubt und die Injektionsnadeln der Sanis einigermassen keimfrei sein sollten, leuchtet ein.

Aber warum der Rückspiegel eines Eagles blitzblank funkeln muss, wenn die Aufklärungs-Patrouillen hinter der feindlichen Linie ihr Leben riskieren, entzieht sich des unmittelbaren Verständnisses von Soldaten ohne Sauberkeitsneurose.

In der Tat nimmt die Ausbildung am Putzlappen in der RS einen vergleichsweise hohen Stellenwert ein: Gewehr-PD, Schuh-PD, Schuma-PD, Fahrzeug-PD, Tages-PD, Grosser PD und Wochen-PD sind nur einige der Namen, die in den Ohren so mancher Soldaten wohl auch noch nach Jahrzehnten der Resozialisierung nachklingen werden. Denn der PD-Drill ist so berühmt wie verhasst, zumal «Parkdienst» nicht bedeutet, dass man seine Kampfstiefel einfach achtlos irgendwo hinstellen kann wie einen Range Rover im Migros-Parkhaus.

Im Gegenteil. Wer zum Beispiel sein Gewehr «parken» muss, muss selbst Hand anlegen. Und Nerven bewahren. Ein aussichtsloses Unterfangen, denn spätestens, wenn man das Hüdeli zum vierten Mal aus dem Lauf kratzen muss, weil sich der Putzstock beim Versuch, ihn in den verrussten Gewehrschlund zu stopfen, ständig zur Banane verformt, treibt einem das Cortison einen feinen Speichelschaum auf die Lippen. In einer ganz bestimmten Reihenfolge, die selbst gestandene Memory-Weltmeister vor grössere Probleme stellen dürfte, kommen dann verschiedene Pinseli, Bürsteli und Pästeli zum Einsatz, dass man sich fragen muss, ob man diesen Aufwand nicht besser für sein Gebiss betreiben sollte. Und dann kommt der Endgegner jedes putzfimmligen AdA, der Albtraum aller Glanzpolitur-Connaisseurs: die Gasdüse. Mit welchem Instrument aus dem tausendteiligen Putzset man dieses vermaledeite Stück Höllenmetall schrubben soll, weiss niemand so genau. Aber dass man für eine saubere Version Frau, Hof und die rechte Niere hergeben würde, ist jedem klar. Nachdem man den Bleiföhn dann getreu der Maxime «einmal ist keinmal» so oft abgerieben, gefettet, geputzt und wieder eingeschmiert hat, dass selbst Sisyphos vor Erbarmen aufheulen würde, könnte man seine Hände problemlos dazu verwenden, ein ganzes Traktorengetriebe einzufetten. Aber bestimmt nicht dazu, einen millimetergrossen Arretierstift herunterzudrücken. Schon gar nicht als nervliches Wrack mit zittrigen Händen.

Im Militär wird man zum Mann, so das Klischee, und Putzen ist Frauensache. Im Militärdienst wird man demnach zum Hermaphroditen. Soll noch einer sagen, die Armee zementiere überholte Rollenbilder.