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Der Pfarrer von Davos - zwischen Kirche und Kongresszentrum

Kurt Benedikt Susak ist katholischer Pfarrer in Davos. Seit zehn Jahren erlebt er das Weltwirtschaftsforum aus nächster Nähe. Susak hat Zugang in das Kongresszentrum und trifft dort die sogenannten «Mächtigen» aus Politik und Wirtschaft.

23.01.2020 | CUMINAIVEL | ft

Der Pfarrer von Davos - zwischen Kirche und Kongresszentrum

 

«Grüss Gott und Willkommen!» So lautet die Begrüssung von Kurt Benedikt Susak. Schwarz gekleidet und mit Kollar steht er da. Von kirchlicher Engstirnigkeit ist nichts zu spüren. Der Pfarrer macht einen freundlichen und sympathischen Eindruck. In der Hand hält er eine Schnupftabakdose. Susak spricht offen und ehrlich über Gott und die Welt und über das WEF. «Ich habe einerseits eine kritische und skeptische Haltung gegenüber dem Forum, andererseits begrüsse ich die Gespräche und Dialoge, welche hier in Davos geführt werden». Der Pfarrer ist überzeugt, dass das WEF «nicht nur für die Katz ist», sondern auch Möglichkeiten biete, für hoffnungsvolle Perspektiven etwa im Klimaschutz oder in der Wirtschaft. Susak meint: «Die Wirtschaft muss den Menschen dienen, nicht die Menschen der Wirtschaft.»

 Kurt Benedikt Susak war vor zehn Jahren als Pfarrer nach Davos gekommen. Schnell habe er sich für das Weltwirtschaftsforum interessiert. Das sei unumgänglich. Die Leute hier in Davos würden oft über das WEF sprechen und hätten auch spannende Geschichten auf Lager. Auch Susak hat Stories: «Während des WEF wohnt ein sogenannter Kurienkardinal mit seinem Privatsekretär bei mir im Pfarrhaus. Er wird vom Papst persönlich als Delegierter von Rom an das Forum nach Davos gesendet. Mit ein Grund ist: Der Papst hat entschieden, dass die Kardinäle nicht unbedingt immer in einem Hotel schlafen müssen. Dadurch wird der Kontakt von Vatikan und Basiskirche besser hergestellt, da es durch die gemeinsame Zeit im Pfarrhaus auch zu persönlichen Gesprächen kommt. Darum sind sie jetzt bei mir», sagt Susak. Der Papst selbst übrigens hat noch nie persönlich am Weltwirtschaftsforum teilgenommen.

 Dann zeigt der Pfarrer von Davos seinen Eintrittsbadge für das Kongresszentrum. Er hat vollen Zutritt und trifft viele Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Mitunter hat Susak schon den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Schweizer Bundesrätinnen und Bundesräte getroffen. Das sind notabene nur einige Namen. Susak ist während des WEF aber nicht nur im Kongresszentrum unterwegs, sondern mag es auch, am Abend in der Bar ein Bier zu trinken. «Dort treffe ich ebenfalls bekannte Leute, mit denen ich in das Gespräch komme. Oft sind es zwar nur kurze Smalltalks, manchmals aber ergeben sich längere intensive Gespräche.» Gerne angesprochene Themen seien Kirche und Glaube, sagt Pfarrer Susak. Man spüre, dass diese Themen nicht “out” sind, sondern sich die Leute sehr darüber interessieren würden. 

 Auf das Militär angesprochen findet Susak: «Ich habe Respekt vor den Armeeangehörigen. Es ist erstaunlich, wie sie schon Tage vor Beginn des WEF voll im Einsatz sind und das Sicherheitsdispositiv aufbauen». Er ziehe gerade vor jenen Soldaten den Hut, die in der Nacht und bei eisigen Temperaturen Wachtdienst leisten. Zudem spüre man die Kameradschaft unter den Armeeangehörigen. Das sei für den Zusammenhalt und die Motivation entscheidend, so der Pfarrer. In der Kirche sei das nicht anders. Zum Schluss versichert Susak: «Dank dem Militär fühlen wir uns in Davos sicher.»