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«Hoffentlich langweilen wir uns»

Müsste er ein Motto wählen, würde er wahrscheinlich auf den Klassiker setzen: «Vorbeugen ist besser als Heilen». Stefano Trojani ist Sicherheitschef des Weltwirtschaftsforum. Der ehemalige Oberst i Gst erzählt über seinen verantwortungsvollen Job.

22.01.2020 | CUMINAIVEL | ms/sf

«Hoffentlich langweilen wir uns»


Das Betreten des Davoser Kongresszentrums ist ein spezielles Moment. Wo mitunter Donald Trump, Ursula Von der Leyen, Angela Merkel und der Bundesrat auftreten, muss alles bis in das Detail organisiert sein. Im Sturm und Drang der WEF-Tätigkeiten gibt es einen Mann, der die Ruhe in Person ausstrahlt. Er kennt das Kongresszentrum wie seine eigene Westentasche. Stefano Trojani ist in Sachen Sicherheit das entscheidende Zahnrad. Er ist seit 2016 für die Sicherheit im Davoser Kongresszentrum verantwortlich. «Bei einer solchen Veranstaltung wie hier in Davos muss alles vorausschauend und präventiv geplant werden», sagt der Sicherheitschef. Es gelte zu verhindern, dass irgendwelche sicherheitsrelevanten Probleme auftreten. Das sei das Ziel aller, die im Kongresszentrum für Ordnung sorgen. «Während des WEF müssen wir uns langweilen», sagt Trojani schmunzelnd. Er meint dabei nicht den Anlass als solchen, sondern bezieht sich auf die Sicherheit. «Wenn sich im Kongresszentrum hunderte Menschen frei und ohne Probleme bewegen, ist das unser Erfolg», so der ehemalige Oberst i Gst. Es würden keine Unterschiede gemacht zwischen beispielsweise der Delegation von US-Präsident Donald Trump oder einer kleinen Delegation eines Schwellenlandes. «Die Gäste betreten hier eine geschützte Box und in dieser Box sind alle gleich.» Die gesamten Sicherheitsvorkehrungen würden auf sogenannte hochintensive Bedrohungen ausgerichtet. Dieses Konzept komme immer zum Tragen, so Trojani. Davos sei in diesen Tagen einer der sichersten Orte der Welt.

Stefano Trojani hat als ehemaliger Oberst i Gst einen fundierten militärischen Lebenslauf. Von 1989 bis 2015 war er Berufsoffizier, diente als Mitglied des Sondereinsatzkommandos, leitete das Ausbildungszentrum für friedensunterstützende Operationen, war als UN-Militärbeobachter in Georgien und leistete Dienst im Kosovo und in Afghanistan. Inwieweit begleiten ihn diese Erfahrungen am WEF? «Grundsätzlich sprechen wir dieselbe Sprache. Ich meine damit, dass beispielsweise die Sicherheitskonzepte sehr ähnlich sind. Ich bin zwar nicht mehr im Militär, dennoch führe ich vergleichbare Arbeiten durch, einfach in einem veränderten Kontext. Heisst: Wie in der Armee analysiere ich als Sicherheitschef des Kongresszentrums die Situationen, führe Aufklärungsarbeiten durch, beschäftige mich mit der Kommunikation, erstelle Konzepte und so weiter.»

Die erwähnten Aufgaben erledigt Stefano Trojani nicht nur am Weltwirtschaftsforum in Davos, sondern auch bei anderen vom WEF geförderten und durchgeführten Treffen. Er reist deshalb in der ganzen Welt von Ort zu Ort und meint: «Der Anlass in Davos ist vielleicht komplex, aber bei weitem nicht so kompliziert wie andere Treffen.» Komme hinzu, dass man in Davos nie bei Null anfangen würde und dass die Hauptverantwortung für die Sicherheit bei der Polizei liege. Zudem dürfe die wichtige unterstützende Aufgabe der Armee nicht vergessen werden, sagt Trojani. «Im Kongresszentrum ist die Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden wesentlich. Auch der Dialog mit den Delegationen der einzelnen Länder ist wichtig. Dieser gegenseitige Austausch zugunsten der Sicherheit hat sich in in den vergangenen Jahren positiv entwickelt und bestätigt.» Der Sicherheitschef des Kongresszentrums am WEF macht den Vergleich: In anderen Ländern bei regelmässigen Treffen sei die Situation ähnlich wie in Davos. Auch dort funktioniere die Zusammenarbeit mit den Behörden gut. Würde aber ein Treffen an einem Ort zum ersten Mal stattfinden, sei die Situation schwieriger. Dann müsste zuerst Beziehungsaufbau geleistet werden und das sei dann tatsächlich ein Neuanfang, sagt Trojani. Er ergänzt: «Nicht überall kann man den Sicherheitskräften voll vertrauen. Das Problem ist die Korruption in einigen Ländern. Das darf nicht unterschätzt werden.»

Stefano Trojani gibt dann auch zu: «Ich hatte am Anfang eine etwas kritische Meinung gegenüber dem WEF in Davos. Inzwischen hat sich meine Meinung geändert. Heute sehe ich vor allem die wichtigen ethischen Werte und Prinzipien, die das Forum vermittelt.»