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Zuerst wird analysiert, dann geflogen

Oberst Jan Frasa ist verantwortlich für die Erarbeitung des Luftverteidigungs-Konzepts während des Weltwirtschaftsforums in Davos. Dabei muss er viele Involvierte an einen Tisch bringen und unterschiedliche Varianten prüfen.

22.01.2020 | CUMINAIVEL | mo

Zuerst wird analysiert, dann geflogen
WEF 2016, Combat Air Patrol SIMBA, neue Beschriftung STBY 121.50

Wenn alles vorbei ist, steigt Jan Frasa selbst ins Cockpit. Mit einer PC-7 kontrolliert er dann jeweils während des Weltwirtschaftsforums den Himmel über Davos. Denn wenn die Einsatzbefehle einmal genehmigt und verteilt sind - ist seine Hauptaufgabe an sich erledigt. Oberst Frasa ist verantwortlich für das Luftverteidigungs-Konzept während des Grossanlasses mit Staatsgästen aus aller Welt. Dabei kann er aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen: Seit 2017 ist er Chef der Sparte Luftverteidigung, zuvor war der Berufsmilitärpilot unter anderem Kommandant der Fliegerstaffel 18 und Cheffluglehrer F/A-18. 

Als Verantwortlicher für das LUV-Konzept muss Oberst Frasa mit verschiedenen Zellen zusammenarbeiten. Und an erster Stelle steht der Nachrichtendienst, der eine Bedrohungsanalyse erstellt. Denn das Konzept richtet sich auf die bestimmenden Möglichkeiten der Gegenseite aus - was stark vereinfacht heisst: Wie gelangt diese in der Luft so schnell wie möglich und unbemerkt nach Davos. Um diese Gefahr bereits sehr früh zu erkennen, beinhaltet das LUV-Konzept Sensoren und Effektoren. Bei Ersteren handelt es sich um das Frühwarnsystem der Luftwaffe, FLORAKO, TAFLIR- und HUMINT-Stationen sowie die PC-7-Flieger, welche den Himmel über Davos überwachen. Letztere sind Flab-Kanonen, F/A-18-Kampfjets und mit Spezialkommando besetzte Helikopter, die im Ernstfall intervenieren würden. 

Während des WEF ist der Luftverkehr im Umkreis von 25 Meilen rund um Davos eingeschränkt. Diese Zone ist eine der grössten Herausforderungen für die Luftwaffe. «Aus unserer Sicht sollte sie natürlich möglichst gross sein», sagt Jan Frasa, «aber es gilt auch abzuwägen, was verhältnismässig ist». Weil eine europäische Luftverkehrsstrasse hoch über dem Kanton Graubünden durchführt, kann die Zone nicht ausgeweitet werden, die Einschränkungen für den zivilen Luftverkehr wären schlicht zu gross. 

Das LUV-Konzept hat sich in den letzten Jahren bewährt - und es wird regelmässig überprüft, denn das WEF ist für die Schweizer Luftwaffe ein wichtiger Anlass. Während dieses Einsatzes kann sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Und wer will schon auf der grossen Bühne patzen?