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«Am Anfang war nur der Gemeindepolizist im Einsatz»

Klaus Schwab ist Gründer und das bekannte Gesicht des WEF. Für Cuminaivel erinnert er sich an die erste Durchführung des Treffens vor 50 Jahren zurück. Und er erzählt nochmals, wie bleibend der Besuch von Nelson Mandela in Davos war.

20.01.2020 | CUMINAIVEL | ac

«Am Anfang war nur der Gemeindepolizist im Einsatz»

Herr Professor Schwab, Sie sind 81 Jahre alt. Hatten Sie noch nie Lust, im Januar einfach mal mit Ihrer Frau den Winter in den Bergen zu geniessen, anstatt sich dem Stress rund um das Weltwirtschaftsforum in Davos auszusetzen?

Solange ich fit bin, gehe ich weiter. Nach 50 Jahren ist Davos für mich zum Jahresstart längst zur Tradition geworden. Obwohl es natürlich wichtig ist, während dieser Zeit hochkonzentriert zu sein, ist es für mich nicht unbedingt eine stressreiche Zeit. Ich kann auf ein gut funktionierendes Team zählen, welches das Jahrestreffen sehr gut organisiert. Trotz der Hektik nehmen sich meine Frau Hilde und ich zudem jedes Jahr immer das Wochenende vor dem Jahrestreffen Zeit, um das wunderschöne Sertigtal zu geniessen, wo wir vor 49 Jahren im Kirchlein geheiratet haben. 

Sowohl bei der Polizei als auch bei der Schweizer Armee stehen zahlreiche Einsatzkräfte für das WEF rund um die Uhr im Dienst. Können Sie diesen Leuten erklären, warum der Anlass in Davos so wichtig ist?

Das Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums bietet eine einmalige neutrale Plattform, welche Entscheidungsträger der Privatwirtschaft, der Politik, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft aus der ganzen Welt zusammenbringt. Es ist die erste grosse Veranstaltung in dieser Form weltweit geworden, welches zum Ziel hat, durch Dialog und konkrete Massnahmen die Welt zu verbessern. Zentrale Themen sind zum Beispiel der Klimawandel, die Zukunft der Arbeit und die geopolitische Lage usw.  

Da viele völkerrechtsgeschützte Personen, wie zum Beispiel Präsidenten und Minister teilnehmen, braucht es höchste Sicherheitsmassnahmen, welche durch die Schweiz gewährleistet sein müssen. Eine Veranstaltung mit dieser Ausstrahlung und Bedeutung braucht leider heute einen besonderen Schutz und wir sind hierfür den zuständigen Behörden und der Armee sehr dankbar. 

Die meisten Truppen bekommen vom Weltwirtschaftsforum selber kaum etwas mit. Wie sieht ein Tag von Ihnen am Davoser WEF normalerweise aus?

Mein Tag startet um 6 Uhr in der Früh und endet zwischen 10 und 11 Uhr abends. Dazwischen moderiere ich verschiedene Veranstaltungen, heisse Gäste willkommen, tausche mich mit verschiedensten hochrangigen Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschft aus und nehme an wenigen offiziellen Empfängen und Essen teil.

Im Rahmen des WEF treffen Sie von überall auf der Welt die wichtigsten und einflussreichsten Personen aus Politik und Wirtschaft. Was macht das Meeting in Davos speziell?

Die Schweiz bietet traditionell einen optimalen, neutralen Ort, um die Entscheidungsträger dieser Welt zusammenzubringen. Von Anfang an und seit 50 Jahren ist es mein Ziel, die unterschiedlichsten Interessenvertreter aus den verschiedenen Lebens- und Geschäftsbereichen zusammenzubringen. Ziel ist es, durch den Dialog an gemeinsamen Lösungsansätzen zu arbeiten, welche unsere Welt verbessern. 

In diesem Jahr feiert das Weltwirtschaftsforum im Bergort sein 50-Jahr-Jubiläum. Wie sehr hat sich der Anlass – auch im Hinblick auf das Sicherheitsdispositiv – im Laufe der Jahre verändert?

Vor 50 Jahren waren es noch 444 Teilnehmer, welche über 2 Wochen in Davos waren; seit über 5 Jahren sind es konstant knapp 3’000 Teilnehmer, welche über 4 Tage in Davos sind. Der enorme Zuwachs an Teilnehmern hat natürlich das Sicherheitsdispositiv verändert. In der ersten Ausgabe war ein Davoser Gemeindepolizist und sein Schäferhund, im zweiten Jahr dann zwei Polizisten mit zwei Hunden vor Ort. Mittlerweile hat sich das drastisch verändert, nicht nur aufgrund der Anzahl Teilnehmer sondern auch wegen der Gefahren, welche durch die veränderte sicherheitspolitische Lage und den Terrorismus beeinflusst werden. 

Auch der Fokus des Jahrestreffens hat sich verändert. Mehr und mehr stehen konkrete Massnahmen im Zentrum, welche die Lage der Welt verbessern sollen. Wir haben uns von einem Konferenzveranstalter zu einer Ideenfabrik zu einer umsetzungsorientierten Organisation entwickelt. Als internationale Organisation für öffentlich-private Zusammenarbeit ist unser Ziel, durch Dialoge während des Jahrestreffens konkrete Massnahmen in Gang zu setzen.

Was ist das im WEF unterzeichnete Abkommen, das das Schicksal der Menschheit am meisten verändert hat?

Ein Beispiel ist die Impfallianz Gavi, welche vor 20 Jahren in Davos initiiert wurde. Durch dieses Projekt konnten über 760 Millionen Kinder geimpft werden und über 13 Millionen Menschenleben in 15 Länder gerettet werden. Ein anderes Beispiel, das wir in Davos lancieren werden, ist es eine Billion Bäume zu pflanzen, um dem Klimawandel entschieden entgegenzutreten.

Was war der schönste Moment für Sie in all diesen 50 Jahren des WEF?

Mit der Organisation des ersten Meetings vor 50 Jahren habe ich meine Frau Hilde kennengelernt. Das Jahrestreffen in Davos hat für uns darum eine ganz spezielle Bedeutung. In guter Erinnerung ist auch die Teilnahme von Nelson Mandela, welcher in Davos seinen ersten internationalen Auftritt hatte. Der Händedruck zwischen Mandela und de Klerk symbolisierte das Ende der Apartheid. Des weiteren war auch das Treffen 1988 sehr speziell. Die Krise zwischen der Türkei und Griechenland schien kurz vor einer militärischen Eskalation. Durch persönliche Gespräche zwischen den damaligen Premierministern Turgut Özal und Andreas Papandreou in Davos konnte Vertrauen aufgebaut werden und somit der Konflikt verhindert werden. Diese beiden Ereignisse zeigen, dass Dialoge zwischen unterschiedlichsten Interessenvertretern positive Auswirkungen haben können. Genau dies steht im Zentrum des Treffens in Davos.

Welche Botschaft möchten Sie den Truppen, die vor, während und nach dem WEF im Einsatz stehen, mit auf den Weg geben?

Ich möchte mich vorallem ganz herzlich bei den zahlreichen Sicherheitskräften bedanken. Ohne sie wäre die Durchführung nicht denkbar. Wir sind unheimlich froh, dass wir Jahr für Jahr, Tag und Nacht, Tag für Tag auf diese Unterstützung zählen können.