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Über die Grenzen hinaus

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos ist es die zentrale Aufgabe der Schweizer Luftwaffe, den Luftraum in und um Davos lückenlos zu schützen. Doch dieser gehört nicht nur zur Schweiz. Eine Herausforderung.

20.01.2020 | CUMINAIVEL | mm

Radaranlage Österreich

 

Es ist beim WEF seit Jahren so: Am Boden, da hat die Armee einen subsidiären Einsatz, das heisst: Sie unterstützt die Zivilbehörden. In der dritten Dimension aber, da führt die Luftwaffe einen originären Einsatz aus: Sie ist alleinig für die Sicherheit des Luftraums der Schweiz und damit auch für das Einsatzgebiet über Davos verantwortlich. Dennoch geht es nicht ohne den Einbezug aller Nachbarn. Gerade die Zusammenarbeit mit Österreich ist diesbezüglich essenziell.

Oberst im Generalstab Pierre-Yves Eberle ist nicht nur Kommandant des Air Operation Center (AOC), dem Ort, an dem während des WEF alle Fäden bezüglich Luftverkehr zusammenlaufen. Eberle kann auch aus dem Stegreif über die militärische Zusammenarbeit mit allen Schweizer Nachbarländern referieren. Seit wann es mit Italien funktioniert, wie gut es mit den Deutschen klappt und weshalb die Schweizer Luftwaffe bei ihren Einsätzen Landesgrenzen nicht einfach ignorieren kann. 

«Dafür gibt es besondere Abkommen», erklärt Eberle, «und mit Österreich gab es lange Zeit noch kein solches.» 2017 jedoch unterschrieb die Schweiz mit Österreich ein Abkommen, das den Luftpolizeidienst genau regelt. Darin enthalten ist insbesondere die Handhabung bei der sogenannten Nacheile. Verfolgen Schweizer Kampfjets einen «Intruder», einen Eindringling, können sie ihn gemäss Abkommen auch über den Schweizer Luftraum hinaus nach Österreich verfolgen – und umgekehrt.

Zudem ist während des gesamten WEF-Einsatzes ein Schweizer Verbindungsoffizier im Einsatzzentrum der österreichischen Luftwaffe präsent. Die beiden Streitkräfte trainieren in diesem Rahmen auch ausserhalb des WEF regelmässig zusammen. Natürlich beschränkt sich die Zusammenarbeit auf den Luftpolizeidienst gegen nicht militärische Bedrohungen, die Unterstützung im Bekämpfungsfall einer militärischen Bedrohung ist dabei nicht eingeschlossen. Das würde einem Militärbündnis ähneln, was der Schweiz jedoch aufgrund ihrer gewählten Neutralität nicht möglich ist.

Während des WEF also hat die Luftwaffe ein Durchflugverfahren für den Luftraum über Davos definiert. «Dazu braucht es eine Akkreditierung des Piloten und seines jeweiligen Flugzeugs», sagt Oberst im Generalstab Pierre-Yves Eberle. Diese Akkreditierung wird in Zusammenarbeit mit dem Fedpol, der verantwortlichen Kantonspolizei, dem BAZL und der Luftwaffe erlassen.

Zusammengefasst: Der Himmel über dem WEF wird gut und lückenlos geschützt – nicht nur von der Schweizer Luftwaffe, sondern über die Grenzen hinaus.