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Überwachung ist gut, mit Kontrolle noch besser

Das Gebirgsinfanteriebataillon 85 ist für das Sicherheitsdispositiv am WEF zentral: Es stellt die Überwachung kritischer Infrastruktur sicher. Aber wer überwacht die Überwachung? Unterwegs mit dem Controlling-Team.

28.01.2019 | CUMINAIVEL | sf

Controlling-Tour1


Kurz vor dem Eindunkeln fahren wir los. Die klirrende Kälte kriecht durch die Spalten des Geländewagens und frisst sich durch die dicken Gummisohlen der Kampfstiefel. «Wir haben jetzt 4 Grad unter null. Nachts wird es erst richtig kalt», sagt Hauptmann Patrick Hasler. Bei jedem seiner Worte bildet sich eine kleine Atemwolke. Mir fröstelt.

Neben Hasler sitzt Major Flurin Sievi, stellvertretender Bataillonskommandant und verantwortlich für Führung und Controlling. Zusammen bilden sie eines von zwei Kontroll-Teams, die täglich die Wachtposten abfahren. «Ein Traumjob», schwärmt Sievi. «Man lernt nicht nur die Gegend besser kennen, sondern bekommt auch einen grossartigen Überblick über das ganze Dispositiv.» Doch das hat seinen Preis: Sechs bis sieben Stunden dauert eine Tour, wenn alles glatt läuft. Bis zu zwölf, wenn nicht. Und das fast immer in der Nacht.

Auftrag: streng geheim

Der Wagen hält. Unweit von der Strasse patrouillieren zwei Soldaten auf und ab, in dicke Lammfellmäntel gepackt, die Waffe sichtbar einsatzbereit. Mit ihrer Erscheinung könnten sie auch den Eingang der Geheimfestung eines James-Bond-Bösewichts irgendwo im sibirischen Hochgebirge bewachen. Die mit Schiessscharten versehene Schneefestung neben ihnen trägt ihr Übriges dazu bei.

Was die beiden Späher bewachen, dürfen wir nicht schreiben. Auch nicht, wo sich das Objekt befindet, oder wie es genau gesichert ist. «Diese Informationen sind klassifiziert», erklärt Sievi. Und Hauptmann Hasler ergänzt: «Bei den meisten handelt es sich um kritische Infrastruktur. Hier entscheidet die Kantonspolizei, welche von uns bewacht werden müssen.» So führt auch der Kantonale Territorial Verbindungsstab (KTVS) Kontrollen durch, um zu prüfen, ob die Vorgaben wie Wachtplan und -schema korrekt umgesetzt werden.

Coachen statt massregeln

Stundenlang trotzen die beiden Späher der Kälte. Meine Hand mit dem Mobiltelefon ist nach wenigen Minuten klamm. Ich bin froh, dass es nichts zu beanstanden gibt und die Kontrolle nach kurzer Zeit vorüber ist. Auf schneebedeckten, unbeleuchteten Nebenstrassen fahren wir an verschneiten Tannen und mannshohen Schneewänden vorbei zum nächsten Posten.

Die Stimmung während der Kontrolle ist locker. «Es geht nicht darum, jemanden zusammenzustauchen. Es ist eher ein Coaching», sagt Major Sievi. Das Team schaut auf Grundsätzliches: Läuft der Betrieb, haben die Soldaten alles dabei, ist das Sanitätsmaterial einsatzbereit? Sievi ist zufrieden: «Die Soldaten leisten ausgezeichnete Arbeit.» Trotz 16 Grad minus.