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«Dann hatte ich den Aussenminister am Ohr»

Viele Wege führen nach Davos – und nicht alle reisen mit dem Heli von Zürich oder mit dem Zug von Schweden an. Ein Taxifahrer plaudert aus dem Nähkästchen.

26.01.2019 | CUMINAIVEL | sf

«Die speziellste Fahrt meines Lebens» – Gadaf Bugaqki vor seinem Taxi.
«Die speziellste Fahrt meines Lebens» – Gadaf Bugaqki vor seinem Taxi.

Gadaf Bugaqki kehrt gerade die gesalzenen Erdnüsse von der Rückbank seines Taxis. Geduldig klaubt er die einzelnen Kerne aus den Ritzen des ledernen Polsters und packt sie in sein Taschentuch. Er hat es nicht eilig, nach der langen Fahrt muss er ohnehin eine Pause einlegen. Zweieinhalb Stunden hat er hinter dem Steuer gesessen und seinen illustren Gast, ein ghanaisches Regierungsmitglied, ans WEF chauffiert.

Der Horgener ist dieses Jahr zum ersten Mal am WEF: «Eigentlich arbeite ich ja in Zürich. Für diesen Auftrag verlasse ich mein gewohntes Terrain aber gerne.» 500 Franken pauschal verrechnet die Agentur, bei der er als Selbstständiger arbeitet, für die Fahrt vom Flughafen Zürich nach Davos. «Der beste Auftrag des Jahres», freut sich Bugaqki.

Spontaner Schwatz mit dem Aussenminister

Aber nicht nur wegen des Geldes wird ihm die Fahrt mit dem Ghanaer wohl für immer in Erinnerung bleiben. «An der Tankstelle haben wir zusammen einen Tee getrunken. Und er hat bezahlt!» Sympathisch und unkompliziert sei er gewesen, habe gefragt, woher Bugaqki komme. «Ich habe ihm erzählt, dass ich aus dem Kosovo stamme. Plötzlich hat er mir sein Handy hingehalten. Ich dachte erst, er will mir eine Adresse geben, aber dann sagte eine Stimme am Telefon ‹Hallo, hier ist Behgjet Pacolli› – der Aussenminister des Kosovo!» Bugaqki konnte es erst nicht recht glauben. Aber dann hätten sie etwas geplaudert. «Wir kommen aus benachbarten Gegenden. Er hat mir gesagt, ich solle den Kosovo in der Schweiz gut repräsentieren.»

Bereits am Montag hat der Taxifahrer eine WEF-Teilnehmerin nach Davos gebracht. «Eine Dame aus Gabun – eine sehr angenehme Erscheinung», sagt Bugaqki, und ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht. Sie war es auch, die ihm den zweiten Auftrag verschafft hat. Im Taxi sind die WEF-Teilnehmer sehr beschäftigt, seien viel am Telefon. «Alles in allem sind es aber sehr angenehme Gäste. Und wer weiss: Vielleicht darf ich sie ja wieder zurückfahren.»