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Stören nach Protokoll

Im Target-Training mit der Luftwaffe - einem packenden Katz-und-Maus-Spiel hoch über Davos.

25.01.2019 | CUMINAIVEL | mrm

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Um 12.12 Uhr gilt es plötzlich ernst. Es ist zwar noch immer eine Übung, aber sie kommt in die heisse Phase. Wir sitzen in einem Flugzeug der armasuisse, eine Pilatus PC-12, es ist Mittag und die Sonne steht hoch über den Bündner Alpen. Plötzlich kommen wir von unserer Süd-Nord-Route ab, schwenken ein in den «restricted air space» rund um Davos. «Identify yourself», bekommen wir über Funk von der Einsatzzentrale Luftverteidigung mitgeteilt. Wir spielen auf Zeit - und gehen fürs Erste nicht darauf ein.

Kurz vor Beginn des WEF-Einsatzes führt die Luftwaffe jeweils ein sogenanntes Target-Training durch. Die Einsatzkräfte in der Luft sollen den korrekten Umgang mit einem ungebetenen Eindringling in den gesperrten Luftraum üben. In der Hauptrolle: Die PC-12.

Hotel Bravo Foxtrott Oscar Golf - wie unsere Kennung lautet - nimmt Kurs auf den Flughafen Samedan, dort wollen wir wegen technischer Probleme landen, wie wir der Einsatzzentrale weismachen. Doch Pilot Roger Mathys, selber jahrelang in der Hornet-Staffel, hat anderes im Sinn. Die Übung sieht vor, dass er einen Funkausfall vortäuscht, und sich auf die Funksprüche der Einsatzzentrale der Luftwaffe nicht mehr meldet.

Der nicht gerade kommunikative Eindringling löst bei der Luftwaffe eine antrainierte Entscheidungskette aus. Auf die vergebliche Kontaktaufnahme folgt ein physisches Erscheinen: Plötzlich taucht neben unserem rechten Flügel ein F/A-18 Hornet Kampfjet auf. Der Jäger trägt die internationale Notfunkfrequenz deutlich am Flugzeug aufgeschrieben – ein weiterer Versuch der Kommunikation.

Darauf gehen wir nun ein, wir täuschen ein technisches Problem vor. Die Hornet fordert uns per «wing rocking», der Flügelbewegung, zum Abdrehen auf. Auch das ignoriert Pilot Mathys nun gemäss Übungsablauf und hält Kurs Richtung Davos. «Dem Piloten in der F/A-18 bleibt nicht viel Zeit, zu entscheiden, deswegen müssen diese Abläufe im Ernstfall sitzen», erklärt Mathys, der als Pilot mit seiner Erfahrung auf diversen Maschinen für die Luftwaffe sehr wertvoll ist.

Mittlerweile sind wir etwa zwei Minuten vor Davos, noch immer halten wir Kurs auf das Herz des abgeriegelten Sektors. Eine einschneidende Warnung erreicht uns vom Hornet-Piloten: «if you do not turn immediately, you will have troubles.» Im Extremfall kann der Offizier im Kampfjet auch von seinen Waffen Gebrauch machen. Im Unterschied zum Einsatz, der mit dem WEF beginnt, sind diese im Target-Training noch nicht «hot», also scharf.

Als es wenige Kilometer vor Davos plötzlich still wird am Funk, ist klar: die letzte Konsequenz wurde simuliert. Wir wären neutralisiert worden.