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«Ich war die Nummer sieben»

Major Christian Oehler ist Chef Ausbildung der Nachschub Schule 4 und auch für die neu eingerückten Rekruten zuständig. Cuminaivel hat mit ihm über den RS-Start, die wichtigsten militärischen Fähigkeiten und seinen ersten Tag in der Armee gesprochen.

24.01.2019 | CUMINAIVEL | ac

Auch die Piranhas müssen sorgfältig gewartet werden.
Auch die Piranhas müssen sorgfältig gewartet werden.

Major Oehler, gingen Sie als Kind gerne zur Schule?

Nein. Ich war nie der, der gerne drinnen sass und einfach zugehört hat. Ich war lieber draussen und habe selbst etwas gemacht.

Jetzt sind Sie selbst Ausbildungsverantwortlicher einer Schule – einer Rekrutenschule. Wie können Sie hier Ihre Erfahrungen aus der Volksschule einbringen?

Wir haben viel in die Didaktik und neue Lehrmethoden investiert. Bei der Theorie setzen wir auf mediengestütztes Lernen oder setzen es gleich praktisch um, eins zu eins im Gelände. Es entscheidet aber immer auch der Kunde: Wir haben zum Beispiel gemerkt, dass die Jungen sehr gut auf individuelles Lernen ansprechen. Der dröge Frontalunterricht hat ausgedient.

Den ersten RS-Tag vergisst man nie. Woran erinnern Sie sich noch?

Ich wurde als Deutschschweizer in eine Deutschschweizer Einheit eingeteilt. Dann wurden zehn Freiwillige gesucht, die zu den Romands wechseln würden, weil sie zu wenig Fahrer hatten. Als sich niemand meldete, haben wir durchnummeriert. Ich war die Nummer sieben – und wurde umgeteilt.

Als was wurden denn Sie denn ausgehoben?

Als Artillerist.

Also keine Funktion, die sie heute ausbilden. Inwiefern hilft Ihnen denn Ihre militärische Grundausbildung?

Schwer zu sagen. Man könnte auch fragen: Was ist bei der Artillerie so anders als bei der Logistik? Klar, das Fachliche ändert. Statt Kanonen hat man mit Lastwagen zu tun. Aber der ganze Rest – die Methodik der Ausbildung, die Disziplin, aber auch der Umgang miteinander, der Respekt – ist unverändert. Und das macht das Militär aus.

Dann sind in der Ausbildung die zwischenmenschlichen Fähigkeiten ähnlich wichtig wie die fachlichen?

Mindestens so wichtig! Wenn man zurück in den Alltag geht, interessiert es niemanden, ob man mehr oder weniger geschossen hat. Sondern ob man mit den Leuten umgehen kann – und das heisst nicht einfach schreien. Letzte Woche sind die neuen Rekruten eingerückt – Menschen jeglicher Hautfarbe, jeglicher Religionszugehörigkeit, jeglichen Ausbildungsstands. Das ist eine Schicksalsgemeinschaft, keine homogene Masse. Da braucht es auch Vertrauen zum Vorgesetzten.

Was geben Sie den neuen Rekruten mit auf den Weg?

Vor allem eines: Kameradschaft. Wenn man das erreicht, dann übersteht man alles – egal, was kommt. Und im besten Fall entstehen daraus Freundschaften fürs Leben.