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Das Wandern ist des Schützen Lust

Um kaum eine Funktion ranken sich so viele Mythen wie um den Scharfschützen. Cuminaivel hat einen getroffen. Zum Gespräch natürlich.

22.01.2019 | CUMINAIVEL | sf

Scharfschütze1


Es ist der Traum vieler: auf der Jagd nach dem Gegner einsam durch die Wälder streifen, das Gesicht mit Farbe getarnt, darauf bedacht, unentdeckt zu bleiben. Fast wie «Räuber und Poli». Nur mit einer echten Waffe.

Wachtmeister Sven Ruoss ist Späher, eine Fusion der früheren Funktionen Infanterie-Aufklärer, Minenwerferbeobachter und Scharfschütze. Sein Ziel: Informationen aus einem Interessensraum zu beschaffen – ohne selbst entdeckt zu werden. Den Auftrag dazu bekommt er direkt vom Nachrichtenoffizier; meist geht es darum, einen gewissen Sektor zu beobachten. «Dafür werden wir irgendwie irgendwo abgeladen. Manchmal auch per Helikopter», erzählt Ruoss.

«Man muss es wollen»

Ruoss – blondes Haar, Brille, Dreitagebart – sieht nicht aus, wie man sich einen stereotypen Scharfschützen vorstellen würde. Nicht, dass das alles glattrasierte Schwarzhaarige sein müssen; aber ist Kurzsichtigkeit kein Hindernis, wenn es darum geht, aus über 900 Metern Distanz Objekte zu erkennen? Ruoss winkt ab: «Am Zielfernrohr kann man das alles einstellen.»

Gefordert werden dagegen physische Belastbarkeit und ein ausgeprägter Durchhaltewillen: «Als wir die RS gestartet haben, waren wir etwa achtzig Rekruten – am Schluss noch gut zwanzig.» Durchaus verständlich; nach fünf Stunden Marsch vier Stunden lang ein Objekt zu beobachten, um danach wieder fünf Stunden zurückzumarschieren, ist nicht jedermanns Sache. «Im letzten WK haben wir während einer Übung zu Fuss knapp 120 Kilometer und 4000 Höhenmeter zurückgelegt», erzählt Ruoss und kann den Stolz in der Stimme kaum verhehlen.

Vom Späher keine Spur

Um vom Bobachtungsposten auch nach so langer Zeit spurlos verschwinden zu können, bedarf es einer Reihe besonderer Vorkehrungen. So werden zum Beispiel auch Patronenhülsen wieder mitgenommen. Und wie steht es um die Legende, die von menschlichen Ausscheidungen, Flaschen und Tüten handelt? «Warum wusste ich, dass diese Frage kommen würde?», lacht der 25-Jährige. «Ja, sie stimmt.»

Momentan kommt Ruoss aber in den Genuss sanitärer Anlagen. Während des WEF ist er beim Gebirgsinfanteriebataillon 85 für den Objektschutz eingeteilt. «Mal etwas anderes», meint er mit einer Mischung aus Diplomatie und Zweckoptimismus. Er freut sich aber auch wieder auf seine gewohnten Aufgaben, auf die Glücksgefühle, die ihn nach tagelangem Marschieren und stundenlangem Beobachten durchströmen. Auch wenn – oder gerade weil – sein Job alles andere ist als ein Kinderspiel.

Der Späher – Augen und Ohren der Infanterie

Der Späher ist eine Fusion der früheren Funktionen Infanterie Aufklärer, Minenwerferbeobachter und Scharfschütze und ist in dieser Kombination Auge und Ohr eines Infanteriebataillons. Sie sind spezialisiert, diskret Nachrichten zu beschaffen, das Bogenfeuer der 8,1 cm Minenwerfer zu leiten, Schlüsselziele mittels Präzisionsfeuer zu neutralisieren und eigene Formationen in schwierigen Situationen zu leiten.

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