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Steter Kampf um freie Pisten

Der Winter macht der F/A-18 Hornet wenig aus. Eis und Schnee bringen der Luftwaffe dennoch zusätzliche Umtriebe. Deshalb beschränkt sich der Flugbetrieb bei schlechter Witterung hauptsächlich auf luftpolizeiliche Einsätze.

21.01.2019 | CUMINAIVEL | lv

pflug
Schweres Gerät gegen Schnee und Eis.

«Pressspuren sind das Schlimmste», Hans Tellenbach findet klare Worte, wenn es um den Winterdienst auf den Schweizer Militärflugplätzen geht. Er muss es wissen: Seit über 20 Jahren kämpft er gegen Eis und Schnee auf Flugpisten, seit zwei Jahren leitet er die Flugverkehrsflächenreinigung der Schweizer Armee. «Es reicht schon aus, wenn eine Wache bei Schnee über die Piste läuft, und wir haben wegen solcher Fussabdrücke zwei Wochen lang Scherereien mit Eisresten – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Flugbetrieb.»

Die Pistenräumung ist eine der Problematiken im Winterbetrieb. Vor allem der Flugplatz in Meiringen ist für Vereisung anfällig. Im Winter liegt die Piste drei Monate im Schatten. Zudem liegt manchmal Nebel im Tal. Sinken die Temperaturen, gefriert die Luftfeuchtigkeit an. Landungen sind dann nur nach vorgängiger Enteisung der Piste möglich.

Die Hornets hingegen kennen keine Probleme mit dem Winter. Dies berichtet Berufsmilitärpilot Major Andrin Witschi aus 14-jähriger Flugerfahrung in Meiringen. «In Einzelfällen kann es beim Landeanflug zu Eisbildung auf den Flügel kommen oder der Anflugradar wird durch den Schneefall leicht beeinträchtigt.» An brenzlige Situationen wegen Eis und Schnee kann er sich nicht erinnern. Was nicht verwundert, denn bevor es wirklich kritisch würde, weichen die Flugzeuge auf eine alternative Landemöglichkeit aus. Auch die Maintenance – der technische Unterhalt der Kampfjets – bedeutet im Winter kaum Mehraufwand. In der Regel werden lediglich die Schaufelblätter in den Turbinen auf Schäden durch Eisschlag kontrolliert, falls der Computer der F/A-18 eine entsprechende Warnung ausgibt.

Das Wichtigste: Der luftpolizeiliche Dienst der Schweizer Armee ist auch während der Wintermonate stets gewährleistet. Berufsmilitärpilot Andrin Witschi: «In die Luft kommen wir mit der F/A-18 immer. Und über den Wolken kümmern uns Schnee und Regen wenig.» Einfluss habe das Wetter lediglich darauf, wo man nach dem Einsatz landen kann. Auch ein Ausweichen ins Ausland sei möglich, wenn es aufgrund der Witterung wirklich nicht anders ginge.

Landungen auf dem Ausweichflugplatz bedeutet nicht selten einen ganzen Rattenschwanz an logistischem Aufwand. Piloten müssen manchmal auswärts übernachten oder terrestrisch auf den Flugplatz zurückkommen, Flugzeuge zur Homebase rückgeführt werden und selten muss auch die Maintenance verschoben werden. Bei Hot Missions – Einsätzen im Rahmen des Luftpolizeidienst mit der Aufgabe von Identifikation sowie Intervention – zünden die Hornets auch bei Schnee und Eis ihre Triebwerke.
Täglich, am frühen Morgen, findet in der Einsatzzentrale Luftverteidigung (EZ LUV) in Dübendorf der Flugrapport statt. Die allgemeine Wetterlage wird analysiert, die Flugdienstleiter aller Flugbasen melden ihre Wetterdaten. Dann wird definiert, wo geflogen wird und welcher Militärflugplatz als Ausweichflugplatz dienen soll. Der endgültige Entscheid über Start oder Nicht-Start erfolgt jedoch meistens vor Ort und wird vom so genannten MOA (Mission Order Authority) mit Absprache des CAD (Chief Air Defense) gefällt. Der MOA kann beispielsweise ein Geschwader-Kommandant sein.

Der Entscheid vor Ort ist wichtig. Jeder Flugplatz hat seine Besonderheiten – so auch der Militärflugplatz Meiringen. Während der Wintermonate sitzen die Mitarbeitenden von Hans Tellenbach, Leiter Flugverkehrsflächenreinigung, wie auf Nadeln. Jederzeit kann die Flugzeugwache Alarm schlagen. Dann gilt es abzuschätzen, wann die Räumungsmannschaft aufgeboten wird. Startet sie zu früh, muss sie die Piste vielleicht gleich nochmals räumen. Kommt sie zu spät, sind die Landeflächen unter Umständen bereits vereist.

Und eine weitere Schwierigkeit: Der Winterdienst ist materialintensiv. Notwendig sind teure Maschinen und Unmengen von Streumitteln – übrigens handelt es sich hierbei um Zucker- Salz würde den Flugzeugen zu sehr zusetzen. Nur eine sichere Entscheidung kennt der altgediente Winterdienstler, Hans Tellenbach: «Liegen 20 Zentimeter Schnee, müssen wir raus. Sonst kommen unsere Räumungsfahrzeuge an ihre Grenzen.»

 

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DIe F/A-18 während einem Manöver im Winter.