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Auf die Probe gestellt

Was ist, wenn in der Theorie zig-fach besprochene Bedrohungsszenarien plötzlich Realität werden? Beim WK während eines Ernsteinsatzes wie jenem am WEF ist das jederzeit möglich. Die Wachtsoldaten des Geb Inf Bat 85 proben den Ernstfall.

17.01.2019 | CUMINAIVEL | ac

Interventionsübung - Figuranten
Interventionsübung - Figuranten (CUMINAIVEL | Premraj Paritteepan)

Wenn am 22. Januar das World Economic Forum in Davos eröffnet wird, ist das für die anwesenden Gäste in der Regel ein Grund zum Feiern. Doch in der mittlerweile 49-jährigen Geschichte des Meetings hat sich das WEF nicht nur Freunde gemacht und wiederholt auch teilweise massive Proteste ausgelöst. Die Schweizer Armee bereitet sich deshalb für die Zeit ihres WEF-Einsatzes auf die unterschiedlichsten Szenarien vor. Auch auf jenes, selber Ziel einer Attacke zu werden.

«ALERTA 19» heisst die Interventionsübung, mit der genau ein solcher Angriff simuliert werden soll. Ein von der Armee bewachtes Gelände wird zur Zielscheibe von gewaltbereiten Demonstranten. Ihnen gegenüber steht ein Sicherheitsdispositiv des Geb Inf Bat 85. Die Einheit steht auch während des WEF unter anderem für die Objektsicherung im Einsatz und hat eine entsprechende Schulung bereits hinter sich.

Kaum ist die Übung freigegeben, wird es hektisch auf dem Gelände. Unter lautem Geschrei stürmt eine Gruppe Demonstranten auf die anwesende Wache los, Flaschen kommen geflogen, Böller werden gezündet. Nur der montierte Zaun und ein Gittertor stehen noch zwischen den Chaoten und den Truppen. Keine angenehme Situation für die Soldaten, welche nun das Wissen aus der Theorie plötzlich in der Praxis anwenden müssen.

Rund 15 Minuten dauert der «Angriff», ehe die Übung schliesslich beendet wird. Sowohl für die Soldaten im Einsatz, als auch für die anwesenden Beobachter war es eine prägende Erfahrung. Doch ist ein Szenario wie «ALERTA 19» auch realistisch? Fabrizio Perito von der Kapo Graubünden ist überzeugt: «Die Möglichkeit für eine solche Eskalation besteht immer. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir auf so etwas vorbereitet sein sollten». Im Ernstfall würde die Armee bei einem Angriff durch Demonstranten die Unterstützung der Polizei anfordern. Bis zum Eintreffen der Beamten müssten die Soldaten die Situation aber alleine meistern. Diese sind sich aus dem zivilen Leben derartige Herausforderungen kaum gewöhnt und sind deshalb besonders vielen «Stressoren» ausgesetzt. «Umso wichtiger ist es, dass die Truppe das Gelernte unter möglichst realistischen Bedingungen sofort anwenden muss», erklärt Oberst Fabiano Terraneo. «Das ist ein Ernsteinsatz, das ist die Realität».

Fabiano Terraneo und Fabrizio Perito zeigen sich im Anschluss an die Interventionsübung beide zufrieden mit dem Verhalten der Infanterie-Soldaten. «Es gibt immer Verbesserungspotential. Aber für den Einsatz während des WEF sind wir bereit», sagt Terraneo.