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«Vorwärts – Stich!»

Die Armee sorgt dafür, dass Davos während des WEF sicher ist. Dazu gehört nicht nur der Schutz vor Vandalen und möglichen Anschlägen, sondern auch die Hilfeleistung bei Lawinen. Das Metier der Gebirgsspezialisten.

17.01.2019 | CUMINAIVEL | sf, pp

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Grobsondierung unter der Leitung von Soldat Arnosti (rechts). (CUMINAIVEL | Premraj Paritteepan)

Sie waren auf dem Weg zum Gipfel, als sie von der Lawine überrascht wurden. Während einer Schneeschuh-Wanderung wurden drei Personen von einer Lawine erfasst und verschüttet. Die Rega ist schon alarmiert, die zivilen Rettungskräfte aber alle bereits im Einsatz. Die Zeit drängt – nach den ersten 15 Minuten sinkt die Überlebenschance der Verschütteten drastisch. Ein Fall für die Soldaten der Gebirgsspezialisten Abteilung 1.

Was zum Glück nur ein Übungsszenario aus dem Repertoire von Wachtmeister Marco Camiu ist, kann plötzlich Realität werden. Die Gebirgsspezialisten geben denn auch von Beginn weg vollen Einsatz. Dazu haben sie allen Grund: Laut Übungsanlage dauert bereits der Weg zum Einsatzort zehn Minuten. Bleiben noch fünf.

Lebensretter LVS

Soldat Pascal Arnosti übernimmt spontan die Leitung der fünf beübten Soldaten. «Es ist wichtig, dass in solchen Situationen jemand die Verantwortung übernimmt und den Einsatz koordiniert», erklärt Camiu, der in Zivil bereits bei einem Ernstfall mithalf. Die klaren Ansagen zeigen Wirkung: In Sekundenschnelle werden der Heli-Landeplatz ausgewiesen und die Lawinensonden zusammengesteckt, während zwei Soldaten bereits nach den Verschütteten suchen.

Und das in beeindruckendem Tempo. Alle Gebirgsspezialisten tragen ein Lawinenverschüttetensuchgerät, kurz LVS, auf sich, das auch zur Ortung eingesetzt werden kann. Keine vier Minuten später sind die ersten beiden Verschütteten geborgen. Aus Sicht des Übungsleiters ein Erfolg: Aufgrund der raschen Bergung wären die Überlebenschancen erhöht gewesen.

Für den Ernstfall bereit

Von der dritten Person fehlt aber nicht nur jede Spur, sondern auch jedes Signal. Offensichtlich trug sie kein LVS bei sich. «Ohne LVS ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Einsatzkräfte einen rechtzeitig finden, verschwindend gering», sagt Camiu. Den Soldaten bleibt nur die Grobsondierung. Dicht an dicht bewegen sie sich vorwärts, stossen alle halben Meter die langen Sondierungsstangen in den Tiefschnee. Immer wieder sinken sie ein, kommen nur mühsam voran. Wertvolle Sekunden verstreichen.

Die langwierige Suche in der Kälte zehrt an den Kräften. «Sondentreffer!» Fehlalarm. «Ausrichten!», ruft Arnosti. «Vorwärts – Stich!» Und weiter geht die Suche, trotz der ermüdenden Arbeit mit höchster Intensität. Nach geschlagenen 35 Minuten dann der erlösende Ausruf: «Sondentreffer!» Und diesmal ist es kein Fehlalarm.

Die Übungsleitung ist zufrieden. Und obwohl es einzelne Kleinigkeiten zu verbessern gibt – die Gebirgsspezialisten sind auch auf den Ernstfall vorbereitet.