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20 Jahre Kompetenzzentrum SWISSINT

Das Kompetenzzentrum SWISSINT ist seit 20 Jahren als nationales Einsatzführungskommando für die operationelle Umsetzung des Armeeauftrages Friedensförderung verantwortlich und erfüllt diese Aufgabe vom Waffenplatz Wil in Oberdorf bei Stans aus. Die Anfänge einer für die militärische Friedensförderung zuständige Stelle führen aber ins Jahr 1989 nach Bern zurück.

03.04.2024 | Text Sandra Stewart, Kommunikation SWISSINT; Fotos SWISSINT

In den vergangenen 20 Jahren wurde die Infrastruktur des Waffenplatzes Wil in Oberdorf bei Stans Schritt für Schritt auf die Bedürfnisse des Kompetenzzentrums SWISSINT ausgerichtet. 2012 konnte das neue Kommandogebäude bezogen werden.
In den vergangenen 20 Jahren wurde die Infrastruktur des Waffenplatzes Wil in Oberdorf bei Stans Schritt für Schritt auf die Bedürfnisse des Kompetenzzentrums SWISSINT ausgerichtet. 2012 konnte das neue Kommandogebäude bezogen werden.

 

Obwohl die Schweizer Armee vergangenes Jahr auf 70 Jahre Erfahrung in der militärischen Friedensförderung zurückblicken konnte, ist das Kompetenzzentrum SWISSINT erst 20 Jahre jung. Als der Bundesrat 1953 entschied 146 Armeeangehörige auf die koreanische Halbinsel zu schicken, um einerseits den Waffenstillstand zwischen Süd- und Nordkorea sowie andererseits den Austausch der Kriegsgefangenen zu überwachen, leitete er damit die schweizerische militärische Friedensförderung ein. In den folgenden 36 Jahren waren die Peacekeeper dem Chef Personelles der Armee unterstellt, wurden innerhalb der Armee rekrutiert und nach einer eintägigen Ausbildung respektive Einführung in das Einsatzgebiet entsendet.

Erste Peacekeeper in UNO-Missionen

Erst per 1. Januar 1989 wurde im Eidgenössischen Militärdepartement (EMD) in Bern die Leitstelle EMD für Friedenserhaltende Aktionen geschaffen, die Vorläuferin des heutigen Kompetenzzentrums SWISSINT in Stans-Oberdorf. Diese Leitstelle hatte zum Ziel die UNO nicht mehr wie bis anhin nur finanziell, sondern auch personell zu unterstützen, um die Visibilität der aussen- und sicherheitspolitischen Anstrengungen der Schweiz zu erhöhen. Bereits zwei Monate später waren die hierfür angestellten drei Personen für die Umsetzung des ersten Engagements der Schweizer Armee zugunsten einer UNO-Mission mitverantwortlich: Ende Februar 1989 fällte der Bundesrat den Entscheid, sich mit einer Swiss Medical Unit (SMU) von durchschnittlich 150 Personen an der UNO-Mission in Namibia – der UNTAG – zu beteiligen. Anfangs April vor 35 Jahren flog das Gros des ersten Kontingents in den Einsatz.

Ein Jahr nach ihrer Gründung wurde die Leitstelle EMD für Friedenserhaltende Aktionen 1990 in die neu geschaffene Abteilung Friedenspolitische Massnahmen (AFM) integriert, zur Sektion Friedenserhaltende Aktionen umbenannt und personell sukzessive aufgestockt. Das Engagement zugunsten der internationalen militärischen Friedensförderung nahm ebenfalls Schritt für Schritt zu und seit April 1990 unterstützt die Schweizer Armee zusätzlich UNO-Missionen mit Militärbeobachterinnen und -beobachtern. Eine weitere SMU war von 1991–1994 in der Westsahara tätig und ab 1995 stellte die Swiss Headquarters Support Unit während sechs Jahren die logistische Versorgung der OSZE-Mission in Bosnien und Herzegowina sicher.

Eigenes Ausbildungszentrum

1996 änderte die Bezeichnung von AFM zu AFO (Abteilung Friedenserhaltende Operationen) und gleichzeitig wurde das Ausbildungszentrum Friedenserhaltende Operationen (AZFO) auf dem Waffenplatz in Bière geschaffen. Im Zuge der Armeereform XXI erfolgte 2004 die Zusammenlegung der beiden Standorte, der AFO in Bern und des AZFO in Bière, auf dem Waffenplatz Wil in Oberdorf bei Stans. Damit ging auch die bis anhin letzte Umbenennung einher: Aus der AFO wurde das heutige Kompetenzzentrum SWISSINT mit dem ihm unterstellten Ausbildungszentrum SWISSINT, das aus dem AZFO geschaffen wurde.

Aufgaben von SWISSINT

Aus dem anfänglichen Dreierteam in der Leitstelle EMD für Friedenserhaltende Aktionen ist heute ein Mitarbeiterstab mit rund 100 Frauen und Männer geworden. Sie alle sorgen dafür, dass die rund 300 freiwilligen Soldatinnen und Soldaten in 18 Ländern für ihre weltweiten Einsätze termingerecht sowie auf hohem Niveau ausgebildet und ausgerüstet ihre Aufgaben gemäss Funktion und Mandat in den verschiedenen Missionen ausüben können. Das SWISSINT Team ist für die Rekrutierung und einsatzbezogene Ausbildung verantwortlich, aber auch die Bereiche Logistik, Führungsunterstützung, Personalwesen, Finanzen, operationelle Planung und Führung der Einsätze sowie die Öffentlichkeitsarbeit sind Teil der umfassenden Aufgaben zugunsten des dritten Armeeauftrages.

Der Waffenplatz Wil ist seit 2004 schrittweise den Bedürfnissen des Kompetenzzentrums SWISSINT angepasst und erweitert worden. So bestehen heute neben der ursprünglichen Kaserne und Mehrzweckhalle ein Kommando-, ein Lehr- und ein Kursgebäude, eine Fahrzeug- und Materialhalle, eine Tankstelle und mehrere Aufladestationen für E-Fahrzeuge. Zusätzlich stehen dem Kompetenzzentrum SWISSINT weitere Räume im 2022 eingeweihten Logistikgebäude zur Verfügung, die vor allem als Unterrichtsräume für diverse Ausbildungskurse dienen.

Langjährige Präsenz

2024 ist ein spezielles Jahr – es steht nicht nur für 20 Jahre Kompetenzzentrum SWISSINT, sondern auch für 35 Jahre Beteiligung an UNO-Missionen, 25 Jahre SWISSCOY in Kosovo, 20 Jahre EUFOR ALTHEA in Bosnien und Herzegowina sowie 20 Jahre Unterstützung von Ausbildungszentren auf dem afrikanischen Kontinent. Mit dem Entscheid vor 35 Jahren eine Swiss Medical Unit in die UNO-Mission UNTAG in Namibia zu schicken, stellte der Bundesrat eine entscheidende Weiche und ermöglichte der militärischen Friedensförderung neue Wege zu gehen.

Von Mitte März 1989 bis Ende März 1990 leisteten insgesamt 230 Männer und 157 Frauen jeweils während vier Monaten einen Einsatz in der SMU zugunsten der UNTAG in Namibia. Das SMU-Personal setzte sich hauptsächlich aus Angehörigen der Armee, des Rotkreuzdienstes und militärisch ungeschulten Personen zusammen. Ihr Auftrag umfasste die medizinische Betreuung militärischer und ziviler Detachemente der UNTAG sowie das Führen von vier medizinischen Kliniken an verschiedenen Standorten. In Namibia machte der heutige Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, als SMU-Angehöriger seine ersten Erfahrungen mit der militärischen Friedensförderung.

Aktuelle Missionen auf dem Balkan

Der Einsatz der SWISSCOY in Kosovo geht auf den Bundesratsentscheid von Juni 1999 zurück, sich mit einer logistischen Kompanie an der Kosovo Force (KFOR) zu beteiligen. Dieses Engagement der Schweizer Armee auf dem Balkan ist aus sicherheitspolitischer Sicht auch 25 Jahre später weiterhin sinnvoll, wie die Ereignisse im vergangenen Jahr deutlich zeigten. Eine stete Präsenz, aber mit wandelnden Aufgaben – die SWISSCOY wird seit ihrem Bestehen immer wieder auf die aktuellen Bedürfnisse der KFOR ausgerichtet, was auch seitens SWISSINT eine stete Herausforderung bedeutet. Im Zuge der aktuellsten Entwicklung hat die SWISSCOY im April 2024 die Führung der Transportkompanie der KFOR übernommen und somit stehen bis zu 215 Frauen und Männer in Kosovo im Einsatz.

Seit 2004 engagiert sich die Schweizer Armee erneut in Bosnien und Herzegowina und zwar zugunsten der EUFOR ALTHEA Mission. 16 Schweizerinnen und Schweizer arbeiten als Angehörige von einem Liaison and Observation Team (LOT) und gewinnen Informationen zur aktuellen Lage durch Gespräche und Absprachen mit Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft sowie der Behörden. Sie bilden das Frühwarnsystem der Mission. Weiter sind drei Stabsoffiziere im Hauptquartier Butmir in Sarajevo stationiert und ein Unteroffizier stellt die logistische Versorgung der Schweizer Beteiligung sicher.

Weitere aktuelle Einsätze zugunsten der Friedensförderung

Insgesamt leisteten seit 1953 über 14 000 Frauen und Männer einen friedensfördernden Einsatz. Vielfältige Spezialistinnen und Spezialisten brachten und bringen ihr militärisches und ziviles Know-how weltweit in die unterschiedlichsten Missionen ein. Zusätzlich unterstützt die Schweizer Armee mit ihren Peacekeepern die humanitäre Minenräumung, den Kapazitätsaufbau, das UNO-Hauptquartier in New York, das UNO-Büro in Genf sowie das OSZE-Sekretariat in Wien. Mit ihrem Engagement zugunsten der Friedensförderung leistet die Schweizer Armee nicht nur einen wertvollen Beitrag zur internationalen Solidarität, sondern kann von den Erfahrungen der zurückgekehrten Peacekeepern profitieren.


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