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Schweizer Militär in Kosovo auch nach 24 Jahren willkommen

Die SWISSCOY hat seit April 2023 ein weiteres Liaison and Monitoring Team und zwar in Suva Reka. Die Kommunikation SWISSINT sprach mit Hauptmann Daniel Barmettler, Team Commander Liaison and Monitoring Team von Suva Reka.

19.02.2024 | Kommunikation SWISSINT

Hauptmann Daniel Barmettler, Team Commander Liaison and Monitoring Team Suva Reka, Kosovo. Bild © Fachoffizier Andreas Müller, Stellvertreter Presse- und Informationsoffizier SWISSCOY Kontingent 49
Hauptmann Daniel Barmettler, Team Commander Liaison and Monitoring Team Suva Reka, Kosovo. Bild © Fachoffizier Andreas Müller, Stellvertreter Presse- und Informationsoffizier SWISSCOY Kontingent 49


Herr Hauptmann, sie leisteten als Kommandant eines Liaison and Monitoring Teams in der SWISSCOY in Kosovo einen friedensfördernden Einsatz. Welche Aufgaben fielen in Ihren Verantwortungsbereich?

In meiner Funktion trug ich in erster Linie die Verantwortung für die operationellen und organisatorischen Aktivitäten des Liaison and Monitoring Teams (LMT) in Suva Reka. Meine Aufgabe war es für das Team möglichst günstige Bedingungen zu schaffen, um den Aufbau und die Aufrechterhaltung von Beziehungen zur lokalen Bevölkerung, zu staatlichen Einrichtungen, Medien, Unternehmen, Bildungsstätten, religiösen Würdenträgern und internationalen Organisationen wie zum Beispiel der OSZE, UNMIK und EULEX sicherzustellen. Das schloss die Beobachtung und Bewertung der politischen, sozialen und ökonomischen Situation in Kosovo und unserer AOR (Area of Responsibility) ein. Diese sogenannte «situational awareness», das Bewusstsein der Situation im Einsatzraum, war folglich ein steter Begleiter. Darüber hinaus repräsentierte ich das LMT bei Besuchen und Anlässen im Einsatzraum, was auch deren Planung und Durchführung umfasste. Diese Aufgabe durfte ich erstmals im April 2023 bei der Zeremonie zur Übernahme des Field House in Suva Reka wahrnehmen, das zuvor unter österreichischem Kommando stand. Weiter war ich mit allen Rechten und Pflichten Standortkommandant, was die Verantwortung für die Sicherheit und Einsatzbereitschaft der mir zugeteilten Personen einschloss.

Worin lagen die Herausforderungen?

Die LMTs sind die Augen und Ohren der KFOR. Nebst der Funktion als Sensor wird ein LMT schwergewichtig dazu eingesetzt Präsenz innerhalb der AOR und somit gegenüber der Bevölkerung zu zeigen. Aus diesem Grund arbeiteten wir nicht nur in der AOR, sondern lebten auch inmitten der lokalen Bevölkerung in einem sogenannten Field House. Die Arbeits- und Wohnsituation führten dazu, dass wir 24/7 gemeinsam verbrachten, was ab und zu auch zu Spannungen innerhalb des Teams führte. Hinzu kam, dass die Möglichkeiten sich in einem Field House zurückzuziehen, sehr beschränkt sind. Deshalb lag die Herausforderung darin Spannungen frühzeitig zu erkennen, transparent zu kommunizieren und gemeinsam Lösungen zu finden. Wird als Team erfolgreich an einem Problem oder Prozess gearbeitet, kann das jedoch den Zusammenhalt des Teams stärken.

Wo bemerkten Sie in Ihrem Tätigkeitsfeld die grössten Unterschiede zur Schweiz?

Oftmals hatte ich das Gefühl, dass die Zeit in Kosovo etwas langsamer läuft, als ich es mir von zu Hause gewohnt bin. Diese Erfahrung machte ich vor allem in meiner AOR im Süden von Kosovo. Viele Personen sind bereit sich während eines Arbeitstages spontan Zeit zu nehmen, um sich mit LMT-Angehörigen bei einem Kaffee auszutauschen. Das Leben wirkt grundsätzlich weniger hektisch und gestresst als in der Schweiz. Das wiederum bedeutet, dass gegenüber dem lokalen Arbeitsrhythmus gelegentlich etwas mehr Geduld aufgebracht werden muss. Am meisten beeindruckte mich die Offenheit bei den Gesprächen mit der Lokalbevölkerung sowie die Freundlichkeit, welche uns LMT-Angehörigen über jegliche Altersstufen hinweg entgegengebracht wurde. Die Dankbarkeit dem Schweizer Militär gegenüber ist auch 24 Jahre nach dem Kosovokrieg ungebrochen.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrem Einsatz mit nach Hause?

Während der Zeit im Einsatzraum durfte ich mehrere schöne Erfahrungen machen, die im Kontakt mit meinen Kameradinnen und Kameraden sowie mit lokalen Personen entstanden oder mit Kosovo als Einsatzort zusammenhängen. Die unterschiedlichen Lebensweisen und -ansichten waren sehr inspirierend und lassen auch über die eigene Weltanschauung reflektieren. Ausserdem konnte ich durch die Zusammenarbeit auf multinationaler Ebene einige Einblicke in die militärischen Prozesse und Normen anderer Nationen erhalten. Dies zeigte mir auf, dass sich das Schweizer Militär in der Friedensförderung auf einem sehr hohen Niveau befindet und auch mit grösseren Nationen und Armeen mithalten kann.


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