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Als Morsen die einzig sichere Übermittlungsform war

Wenn der Kontakt zwischen der Schweiz und den Peacekeepern in den verschiedenen Einsatzgebieten hergestellt werden soll, sendet man heute – abhängig von der Situation – eine E-Mail, tippt kurzerhand die gespeicherte Nummer auf dem Smartphone an oder greift zum Satellitentelefon. In den beiden ersten friedensfördernden Missionen der Schweizer Armee 1953 in Korea sorgten jeweils Funker dafür, dass die Kommunikation in die Heimat stets gewährleistet war.

20.12.2023 | Text Sandra Stewart, Kommunikation SWISSINT; Fotos Fritz Burkhalter

Ruedi Rieder und Fritz Burkhalter (v.l.n.r.) waren 1968/69 als Funker in der NNSC tätig. Während zu den Schweden ein enger Kontakt bestand, begegneten sie den Polen und Tschechoslowaken, die auf der nördlichen Seite der militärischen Demarkationslinie einquartiert waren, nur selten und Begegnungen mit nordkoreanischen Armeeangehörigen waren noch seltener.
Ruedi Rieder und Fritz Burkhalter (v.l.n.r.) waren 1968/69 als Funker in der NNSC tätig. Während zu den Schweden ein enger Kontakt bestand, begegneten sie den Polen und Tschechoslowaken, die auf der nördlichen Seite der militärischen Demarkationslinie einquartiert waren, nur selten und Begegnungen mit nordkoreanischen Armeeangehörigen waren noch seltener.

Ab August 1968 übernahmen Fritz Burkhalter und Ruedi Rieder diese Aufgabe. Sie arbeiteten bei Radio Schweiz AG als Telegrafisten und setzten ihr berufliches Know-how während einem Jahr zugunsten der NNSC ein. Radio Schweiz beschäftigte bis zu 200 Telegrafisten und bildete diese auch bis Anfang der 1970er Jahre aus. Das Erlernen von Englisch war Teil der Ausbildung, um im internationalen Funkverkehr kommunizieren zu können. Die Schweizer Armee nutzte diesen Umstand und unterzeichnete ein Abkommen mit Radio Schweiz, das festhielt, jedes Jahr zwei Telegrafisten für ein Jahr zugunsten der Friedensförderung freizustellen. Als Funker in Korea eingesetzt zu werden, war sehr gefragt und zeitweise bestanden sogar Wartelisten. Die Anforderungen waren einfach: absolvierte Rekrutenschule, ledig und gute Englischkenntnisse.

Damalige Aufgaben als Funker in der NNSC

Fritz Burkhalter und Ruedi Rieder erinnern sich: «Wir waren unabhängig, trugen uns auf der Liste ein und wurden ausgewählt. Über die militärische Friedensförderung war uns nicht viel bekannt. Uns reizte die Aussicht in eine uns unbekannte Region zu reisen – in einer Zeit, als weite Reisen noch etwas sehr Aussergewöhnliches waren.» Vor dem Einsatz wurden sie an drei Nachmittagen über die Anreise sowie die Bedingungen vor Ort informiert. Weiter erhielten sie einen Ordner mit Pflichten und eine Schnellbleiche für das Enigma-Chiffriergerät.

In Panmunjom hatten die Funker die Aufgabe einmal täglich mit der militärischen Funkstation in Bülach sowie mit der Schweizer Botschaft in Tokio Kontakt aufzunehmen, um sicherzustellen, dass die Funkverbindung stets einwandfrei funktionierte. Die Verbindung klappte eigentlich immer, allerdings konnte es bis zu zwei Stunden dauern, bis ein klares Morsesignal gesendet respektive empfangen werden konnte. Die Funker tippten auch die Lagebeurteilungen vom Schweizer NNSC-Delegationschef ab, welche einmal wöchentlich per diplomatischen Kurier dem Schweizer Botschafter in Tokio abgegeben wurden.

Wenig Kontakt zur Aussenwelt

Die NNSC-Angehörigen führten in ihrem Camp an der militärischen Demarkationslinie zwischen Süd- und Nordkorea ein recht abgeschottetes Leben. Dies wurde Fritz Burkhalter und Ruedi Rieder kurz vor Weihnachten 1968 deutlich bewusst. Am Abend vom 22. Dezember erhielt der Delegationschef die Meldung, dass die festgehaltene Crew des amerikanischen Schiffes USS-Pueblo von den Nordkoreanern am nächsten Tag in Panmunjom freigelassen werden würde. Diese Information musste umgehend über Funk an das EDA weitergeleitet werden. «Wir verschlüsselten mit dem Enigma-Chiffriergerät die kurze Meldung und die gegenseitige Aufnahme der direkten Funkverbindung zum Morsen mit der Schweizer Botschaft in Tokio klappte problemlos. Aber kaum hatten wir mit der Übertragung der Meldung begonnen, wurde aus dem Norden ein starker Störsender aufgeschaltet, der jeglichen Funkverkehr verunmöglichte. Dies bestätigte uns, dass wir vom Norden jederzeit überwacht wurden», erinnern sich die beiden ehemaligen NNSC-Angehörigen. Solange es nur um die tägliche Kontrolle der Funkverbindung ging, aktivierte Nordkorea den Störsender nicht, aber einer Übermittlung zu einer aussergewöhnlichen Zeit misstrauten sie offenbar. Schlussendlich buchstabierten die Funker die Meldung via Telefon, die von Tokio aus mittels Telex direkt nach Bern ans EDA weitergeleitet wurde. Am nächsten Tag fuhren zwei Busse mit der Pueblo-Besatzung über die «Bridge of no return» und überquerten die militärische Demarkationslinie bei Panmunjom. Wie sich später herausstellte, war die Befreiung der Pueblo-Besatzung bereits zwei Wochen vorher in allen internationalen Medien angekündigt worden! Aber die NNSC-Angehörigen hatten keinen Zugang zu internationalen Medien und niemand hatte sie informiert.

Im Winter 1968/69 verhängten die US-Streitkräfte eine Ausgangssperre, da es entlang der militärischen Demarkationslinie zu verschiedenen Zwischenfällen gekommen war. «Wir waren während fast drei Monaten im Camp eingesperrt – Sportmöglichkeiten gab es im Winter nicht. So sorgten gelegentliche Jass-Abende für etwas Abwechslung und einmal im Monat wurde uns von den Amerikanern ein Film zur Verfügung gestellt», erzählen Fritz Burkhalter und Ruedi Rieder.

Die Schweizer Delegation als Friedenspuffer

Den Sinn ihres Einsatzes beschreiben die beiden ehemaligen Funker wie folgt: «Je länger wir in Korea im Einsatz standen, umso mehr machten wir uns Gedanken über diese friedensfördernde Mission. Was konnten wir Schweizer als Teil der vier «Neutralen» mit unserer visuellen Präsenz bewirken? Betrachteten wir die tägliche Situation an der Demarkationslinie, wo sich süd- und nordkoreanische Soldaten direkt gegenüberstanden und sich hasserfüllte Blicke zuwarfen, sahen wir unsere Rolle als einen Friedenspuffer zwischen den beiden Mächten.»


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