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Neue spannende Funktion in der SWISSCOY

Zum ersten Mal konnte die Schweizer Armee die Funktion des Staff Officer Engineer in der Joint Logistic Support Group der KFOR besetzen, welche für sämtliche Transport- und Ingenieuraufträge verantwortlich ist. Major Michael Stucki gewährt einen Einblick in diese spannende Funktion.

15.03.2023 | Major Michael Stucki, Staff Officer Engineer KFOR JLSG, SWISSCOY 47

Einige Fahrzeuge des SWISSCOY Freedom of Movement Detachement stehen für einen Einsatz bereit.
Einige Fahrzeuge des SWISSCOY Freedom of Movement Detachement stehen für einen Einsatz bereit.


Ich leiste meinen Beitrag zugunsten der SWISSCOY in der Funktion als Staff Officer Engineer (SO ENG) bei der KFOR Joint Logistic Support Group (JLSG). Da ich der erste Schweizer in dieser Funktion bin, hatte ich keinen Schwei­zer Vorgänger, der mich in die Materie einführen konnte. Mein Vorgänger war ein ukrainischer Major, welcher leider aufgrund der Lage in seinem Hei­matland drei Tage nach meiner Ankunft zurück in die Ukraine befohlen wor­den ist. Aufgrund dieser Gegebenheit war mein Einstieg anspruchsvoller als erwartet. Ich konnte mich aber jederzeit auf meine Kameradinnen und Kameraden aus dem Schweizer Kontingent sowie auch auf meine interna­tionalen Kolleginnen und Kollegen aus der JLSG verlassen.

Die JLSG ist innerhalb der KFOR eine von sechs Organisationseinheiten, die direkt dem Kommandanten der KFOR unterstellt sind. Innerhalb der JLSG ist der Staff Officer Engineer im Joint Logistic Operations Center (JLOC) ein­geteilt. Das JLOC kann man auch als das Herz der JLSG betrachten, weil fast alle Ingenieurs- und Transportaufträge der JLSG im JLOC behandelt und koordiniert werden. Der SO ENG ist dabei das Bindeglied zwischen dem Hauptquartier, der Bauherrschaft in allen internationalen Bauprojekten und der ausführenden Truppe.

Das zweite grosse Aufgabengebiet des SO ENG stellt die Sicherstellung der Bewegungsfreiheit im Einsatzraum dar, Englisch «Freedom of Movement» (FOM) genannt. FOM ist einer der zwei Kernaufträge der KFOR, weshalb diesem Aufgabengebiet ein höherer Stellenwert als den Bauprojekten zukommt. FOM bedeutet nämlich konkret, die Bewegungsfreiheit für die KFOR selbst sowie alle Menschen und Gemeinschaften in Kosovo zu gewährleisten. FOM kann sowohl durch Naturgefahren, wie Erdrut­sche oder Überschwemmungen, als auch gewollt, zum Beispiel durch Strassenblockaden beeinträchtigt werden. Die KFOR trainiert regelmäs­sig FOM-Einsätze, damit wir im Ereignisfall bereit sind, die Bewegungs­freiheit effizient wiederherzustellen.

Die Tätigkeit des Staff Officer Engineer im Bereich FOM ist zentral: Seine Aufgabe besteht darin, gemeinsame Trainings von Infanterie- und Crowd and Riot Control Kräften zusammen mit den anderen Teilen des FOM-De­tachements (FOMD) durchzuführen. Das FOMD besteht aus diversen klei­nen Verbänden der Logistik, von den Pionieren, EOD-Teams, Medics und der Infanterie. Es ist viel Koordination nötig, um trotz dieser Heteroge­nität und in einem internationalen Umfeld effektive und effiziente Trai­nings durchführen zu können. Jede Infanterie-Einheit, die neu in die KFOR kommt, muss die Zusammenarbeit im FOMD lernen, um im Ereignisfall bereit zu sein. Da die meisten Einheiten einen Rotationszyklus von eini­gen Monaten haben, sind relativ viele und häufige Trainings die Folge.

Das Training selber teilt sich in zwei Phasen auf. Die erste Phase umfasst den Kaderunterricht mit den Schlüsselkadern. In dieser Phase unterrichtet der SO ENG die Verbandsführer der Infanterie und die Kader des FOMD. Dabei lernt man einander und die Materie kennen. Auch allfällige Fragen oder Unklarheiten können geklärt werden. Die zweite Phase besteht aus dem Training im Gelände. Bei diesem Training fungiert der SO ENG als Übungs­leiter und überprüft, ob sämtliche Abläufe funktionieren. Falls nicht, unter­bricht er die Übung und nimmt entsprechend Einfluss. Der SO ENG ist somit im Bereich FOM ein Ausbildungsoffizier. In einem Ernstfall wird er nicht dabei sein, da sämtliche Abläufe nach dem Training bekannt sein müssen.

International bin ich als Staff Officer Engineer in der JLSG gut verankert und habe dort traditionellerweise viel mit Kameradinnen und Kameraden aus Kanada und Österreich zu tun. Für mich ist es ein riesiger Vorteil täglich auch auf Englisch zu kommunizieren. Bei lokalen Bauprojekten kommt der SO ENG meistens auch mit ortsansässigen Gemeindevertretungen in Kon­takt. Ebenso kann der SO ENG im Rahmen der Evaluierung von zukünftigen Projekten eng mit dem KFOR-Hauptquartier zusammenarbeiten.

Für den SO ENG ist aber die nationale Zusammenarbeit genauso wichtig wie die internationale. Der Kommandant des nationalen Supportelements (NSE) der SWISSCOY ist ein sehr wichtiger Ansprechpartner für mich. Er ist nicht nur der Vorgesetzte des Pionier-Zugführers, sondern auch der Kommandant des multinationalen FOMD. Das bedeutet, dass er in beide Hauptaufträge des SO ENG stark involviert ist. Diese enge Zusammenar­beit ist sowohl für den SO ENG wie auch für die SWISSCOY ein grosser Vorteil, da dadurch Synergien genutzt und Prozesse schnell optimiert werden können.

Ich wurde für die Funktion des Staff Officer Engineer ausgewählt, weil ich in der Privatwirtschaft als Projektleiter im Holzbau gearbeitet hatte. Damit hatte ich schon vor dem Einsatz einige Erfahrungen im Bereich «nationale Bauprojekte» gesammelt. Durch meine Arbeit als SO ENG konnte ich mei­nen Horizont stark erweitern und viel zusätzliches Wissen erwerben, wofür ich sehr dankbar bin.

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