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Expertise der Schweizer Armee international weiterhin gefragt.

In den vergangenen drei Jahrzehnten erzielte die internationale Gemeinschaft beachtliche Erfolge in der humanitären Minenräumung: Die Räumexpertise in den betroffenen Staaten konnte aufgebaut werden, wichtige Flächen wurden geräumt und Minenopfern konnte eine Perspektive gegeben werden. Allerdings zeigen die aktuellen Konflikte, dass die Minenproblematik weiterhin akut ist und unser Engagement benötigt wird.

15.11.2022 | Dr. phil. Jens Amrhein, Chef Humanitäre Minenräumung, Armeestab, Internationale Beziehungen Verteidigung

Expertise der Schweizer Armee international weiterhin gefragt.
Expertise der Schweizer Armee international weiterhin gefragt.

Weltweit sind noch immer 60 Staaten und Territorien mit Minen, Streumunition und explosiven Kriegsmunitionsrückständen (Blindgänger, Fundmunition) kontaminiert. Diese verursachen jedes Jahr tausende von tödlichen Unfällen, behindern die wirtschaftliche Entwicklung und die Wiederherstellung von Stabilität und Sicherheit – auch noch Jahrzehnte nach dem Ende eines Konfliktes. Bei der Bewältigung dieser humanitären Probleme engagiert sich die Schweizer Armee im Rahmen der militärischen Friedensförderung aktuell mit 14 Spezialisten in Räumprogrammen der UNO.

Die Kriege im Irak, in Syrien, in Afghanistan, im Jemen, in Libyen, im Sahel und jüngst in der Ukraine haben zu neuen und meist sehr komplexen Kontaminierungen und steigenden Opferzahlen geführt. Gerade im Nahen Osten und im Sahel sind diese primär durch improvisierte Sprengsätze (Improvised Explosive Devices = IED) geprägt. Deren Räumung ist weitaus komplexer als die Entschärfung industriell gefertigter Minen, da Baupläne fehlen sowie Zünder und Sprengmittel sehr unberechenbar sein können. Betroffen sind zunehmend auch urbane Gebiete, wie die Kriege in der Ukraine, im Irak und in Syrien zeigen. Dort haben intensive Luft - und Artillerieangriffe grosse Mengen an Blindgängern hinterlassen. Auch hier verlangt die Räumung nach neuen Ansätzen, da zum Beispiel Metalldetektoren in metalldurchsetzten Trümmern nicht eingesetzt werden können.

Vor diesem Hintergrund erarbeiten das EDA und das VBS derzeit das Nachfolgedokument der Bundesstrategie humanitäre Minenräumung. Das Dokument – neu Aktionsplan genannt – reflektiert diese Herausforderungen. Gleichwohl wird auch künftig das Gros der Mittel in Räumung und Kapazitätsaufbau fliessen.

Die bewährte Arbeitsteilung zwischen EDA und VBS bleibt unverändert: Während das EDA primär die politische Abstimmung übernimmt und sich mit finanziellen Beiträgen bei Projekten von NGOs, UNO und IKRK engagiert, koordiniert das VBS die operationellen Bereiche und unterstützt mit Expertise vor Ort. Im Rahmen der militärischen Friedensförderung entsendet die Armee seit 1997 Expertinnen und Experten an Räumprogramme der UNO. Dabei steht der Kapazitätsaufbau im Sinne der «Hilfe zur Selbsthilfe» im Vordergrund. Die Armee erbringt damit spezialisierte Nischenbeiträge, die innerhalb der UNO eine hohe Sichtbarkeit geniessen.

Gegenwärtig unterstützen zehn zivil und unbewaffnet eingesetzte Experten der Armee Programme des United Nations Mine Action Service (UNMAS) in der Demokratischen Republik Kongo, in Mali, im Südsudan und im Sudan. Insbesondere für kleinere Programme in komplexen Kontexten tragen die Schweizer Fachleute entscheidend zum Erfolg bei. Zusätzlich werden je zwei Spezialisten an die Hauptquartiere der UNO in New York und in Genf für Planungs- und Managementaufgaben entsandt. Die Armee profitiert dabei vom Rückfluss an Knowhow und von der Einsatzerfahrung dieser Experten.

Direkt in die Planung und Ausführung von Räumaufgaben involviert werden ausschliesslich Kampfmittelräum-Spezialistinnen und Spezia listen (Berufspersonal) des Kommandos Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung (Kdo KAMIR). Minenräumung ist allerdings ein arbeitsteiliger Prozess, der insbesondere auch in den Bereichen Datenmanagement und Logistik qualifizierte Spezialistinnen und Spezialisten benötigt. Diese rekrutiert das Kompetenzzentrum SWISSINT grösstenteils aus der Miliz. Hier werden laufend Fachleute aus den Bereichen Datenbanken und geografische Informationssysteme (GIS) sowie aus der Logistik mit Erfahrung in Supply Chain Management gesucht.

Die Leistungen der Armee werden weiterhin bei der Bewältigung der explosiven Hinterlassenschaften vergangener Konflikte gefragt sein. Die Armee wird deshalb auch in den kommenden Jahren ihre Beiträge in der humanitären Minenräumung mit ihren Partnern im In- und Ausland weiterentwickeln. Zusammen mit dem Engagement des EDA soll so der Vision einer Welt, in der keine Menschen mehr Opfer von Minen oder explosiven Kriegsmunitionsrückständen werden, nachgelebt werden.


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