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«Das ist mein absoluter Traumjob»

Mit 58 Jahren wollte Oberst Beat Fischer noch einmal in einem Friedensförderungseinsatz dienen. Zwar strebte er zunächst eine Mission in Bosnien-Herzegowina an, doch dann wurde ihm im SWISSCOY Kontingent 46 die Funktion des Chief Info Ops im Hauptquartier der KFOR angeboten. Jetzt verlängert der Beat Fischer sein Engagement noch einmal um weitere sechs Monate.

10.10.2022 | Fachoffizier Norbert Jenal, Presse- und Informationsoffizier SWISSCOY 46

Nach nur zwei Monaten erhielt der Schweizer Offizier den Coin of Excellence vom Chief of Staff der KFOR.
Nach nur zwei Monaten erhielt der Schweizer Offizier den Coin of Excellence vom Chief of Staff der KFOR.

Schon als Kind hatte Oberst Beat Fischer eine Affinität fürs Militär. Auch, dass er Offizier werden wollte, wusste er schon damals: «Wir haben nie Räuber und Polizist gespielt, sondern immer Militär.» Mit 50 Jahren wäre er mit seinem Militärdienst fertig gewesen, doch entschied er sich, bis 65 freiwillig weiterhin Dienst zu leisten. «Meine Begeisterung für das Militär ist ungebrochen», sagt er mit leuchtenden Augen. Nicht zuletzt deswegen meldete er sich für die Friedensförderungsmission, allerdings für einen Einsatz in Bosnien-Herzegowina. «Den Job, den ich hier mache, kannte ich gar nicht», so Fischer. Damals wurde zum Kommandanten des Kompetenzzentrum SWISSINTgerufen. Mit einem langjährigen Leistungsausweis in der Kommunikation bei der Armee sowie in der Privatwirtschaft gab es in den Augen vom Kdt Komp Zen SWISSINT nur eine Aufgabe für Beat Fischer: Die des Chief Info Ops. Oberst Fischer wusste zwar, dass diese Funktion im Entferntesten mit Kommunikation zu hat. «Ohne zu wissen, wie das Pflichtenheft genau aussieht, habe ich akzeptiert. Rückblickend muss ich sagen, war es ein genialer Entscheid. Es ist genau mein Job.»
 

Die Position des Chief Info Ops ist innerhalb des Joint Effect Centre (JEC) im Hauptquartier der KFOR angegliedert. Das JEC vereint die nicht-kinetischen Operationen, wie der sogenannten Civil Military Cooperation (CIMIC), Psychological Operation (PSYOPS) sowie das LMT Coordination Centre, wo die täglichen Rapporte verarbeitet werden. In diesen Bereichen des JEC ist der Chief Info Ops der Primus inter Pares. Er plant, koordiniert und synchronisiert alle Informationsaktivitäten der KFOR nach aussen. «Mein Job ist äusserst vielfältig. Ich definiere in Koordination mit anderen Stellen die Schlüsselbotschaften aller im Informationsumfeld tätigen KFOR-Akteure, identifiziere und analysiere Narrative, welche gegen die KFOR gerichtet sind und entwickle entsprechende Gegenbotschaften. Ebenso gestalte ich Reputations-, und Aufklärungskampagnen, um die KFOR als friedenstiftende Truppe positiv zu positionieren», erklärt Oberst Fischer. Er profitiert bei diesen Fragestellungen von seiner Erfahrung und seinem Wissen in der Kommunikation. «Die Basisarbeit ist klassische Kommunikation: Ziel, Zielgruppe, Botschaft und Zielwirkung. Um Fortschritte zu erzielen, muss man einfach kommunizieren und ein klares Ziel verfolgen.»

Der Schweizer Offizier war der erste SWISSCOY Angehörige des Kontingents 46, der Mitte März in den Einsatzraum kam. Seither hat der Chief Info Ops einiges bewegt. «Der Kommandant der KFOR, Major General Kajári schätzt unsere Arbeit sehr und er gibt uns viel Handlungsspielraum. Wir sind ein kleines, aber gutes Team und dank unseres Engagements wandelte sich der Bereich stark.» Unter der Führung von Oberst Beat Fischer wurden neue Strukturen geschaffen, aus einem Zwei-Mann-Team wurde eine multinationale Gruppe von fünf Offizieren und die Info Ops Zelle wandelte sich zur "Information Activity & Coordination Section" (IAC). Auch die Funktionsbezeichnung hat geändert, neu ist Fischer der "Chief IAC". 

Seit Juli arbeitet die IAC Section offiziell mit der neuen Struktur. Noch sind nicht alle Stellen besetzt, da die neuen Stellenprofile auch in der Praxis umgesetzt werden müssen. Um bei der KFOR etwas bewegen zu können, muss man am Anfang viel Zeit investieren, um die Prozesse, die Abläufe und die Leute kennenzulernen. Da kam dem Chief IAC seine offene und flexible Persönlichkeit zu nutzen.

«Ich hatte das Glück einen Mentor zu finden, den Chief PSYOPS, ein sehr erfahrener deutscher Offizier mit langjähriger Einsatzerfahrung in Afghanistan. Er hat mir viele wertvolle Tipps gegeben und meine Einführung enorm erleichtert», so Oberst Fischer. Zusammen haben sie diverse neue Kommunikationsprodukte entwickelt, Strukturen aufgebaut und die Abläufe optimiert. Das Herzstück ist ein Integrated Information Activity Plan, wo alle Kommunikationsaktivitäten der KFOR im Informationsumfeld auf einen Blick ersichtlich sind. Als das Team von Schweizer Offizier dem COM KFOR diesen Plan vorstellten, war dieser sehr angetan und bedankte sich mit den Worten, dass dies etwas vom Besten sei, was er im letzten halben Jahr von der JEC bekommen hätte.

Eine zusätzliche Hürde stellen die zeitlich begrenzten Einsätze dar. «KFOR has no memory oder die KFOR vergisst schnell», beschreibt Beat Fischer diese Tatsache. Im Fall von der neuen Struktur der IAC Section könnte der neue COM KFOR, der Mitte Oktober das Kommando vom ungarischen Major General Kajári übernehmen wird, eine Kurskorrektur vornehmen und das Schiff in eine andere Richtung steuern. Diese Realität akzeptiert Oberst Beat Fischer mit der nötigen militärischen Gelassenheit. «Jeder COM bringt seine eigene Vorstellung für die Führung der KFOR ein und das ist auch gut so. Es bleibt abwechslungsreich.»

Ideale Kandidaten für die Position des C IAC bringen langjährige Erfahrung in der militärischen und zivilen Kommunikation mit und ebenso wichtig ist gemäss Oberst Beat Fischer: «Ein Faible mit Leuten in einem internationalen militärischen Umfeld zusammenarbeiten zu wollen. Für mich ist das ein absoluter Traumjob.» Sechs Monate arbeitet der Schweizer Miliz Offizier nun im Kosovo im Hauptquartiert der KFOR und ist stolz darauf. Doch der Gedanke, sich in diesem multinationalen militärischen Umfeld behaupten zu müssen, beunruhigte am Anfang den sonst selbstsicheren Oberst. «Ich dachte, jetzt komme ich als Miliz Oberst zur KFOR ins HQ und arbeite nur mit internationalen Offizieren, die ihr Leben lang nur Militär waren. Heute sage ich, im Gegenteil. Die Vermischung von ziviler Erfahrung und langjähriger Tätigkeit im Kommunikationsmanagement gepaart mit dem militärischen Kommunikationswissen, ist eine fast unschlagbare Kombination. Wir Schweizer können im KFOR HQ Umfeld problemlos mithalten.»

«Serve well and honorable». Dieser Leitsatz hängt im Büro von Oberst Beat Fischer, der für diesen Einsatz seine Mandate in der Schweiz gekündigt hat. «Ich könnte hier einen einfachen Job machen, aber so bin ich nicht. Mir ist es wichtig, in der KFOR eine Leistung zu erbringen und etwas zu bewegen.» Der Chief IAC hat noch viele Ideen, ist sich aber auch im Klaren, dass, wenn er wieder in die Schweiz zurückkehrt, sein Nachfolger die Dinge anders angehen wird. Bis dahin wird er jedoch getreu seinem Leitsatz, sein Bestes geben.


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