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«Hier lerne ich zu improvisieren»

Soldat Joel Schimmer bringt als gelernter Metallbauer gefragte Fähigkeiten mit ins 46. Kontingent der SWISSCOY. Für das Schweizer und das österreichische Explosive Ordnance Disposal Team (EOD) baute er einen Ofen, in dem Fundmunition verbrannt werden soll. Schimmers fachmännische Expertise dient in diesem Fall der Sicherheit des EOD-Teams und wird auch von der KFOR geschätzt.

30.06.2022 | Fachof Norbert Jenal, Presse- und Informationsoffizier SWISSCOY 46

Metallbauer Sdt Joel Schimmer beim Schweissen

Der Panzeraufklärer Joel Schimmer ist bescheiden und dienstleistungsbewusst. Im SWISSCOY Kontingent 46 ist er im Pionierzug Hochbau als Pionier Metallbau eingeteilt. Für den Einsatz hat er sich beworben, weil er das Bedürfnis nach einer Veränderung verspürte. «Eigentlich suchte ich eine Stelle auf einer Ölplattform, aber da ist man schon sehr isoliert. Und als ich die Stellenausschreibung bei der SWISSCOY sah, habe ich mich dafür entschieden. Hier kann ich ebenfalls neue Erfahrungen machen und gleichzeitig etwas Gutes tun.» Seit Beginn des Einsatzes durfte Joel Schimmer seine Kameraden aus dem Pionierzug bei diversen Projekten unterstützen. Dabei waren auch Aufträge, die nichts oder nur wenig mit seinem Berufsfeld zu tun hatten. «Im Kontingent mache ich nicht nur Metallbauarbeiten, sondern hier sind Allrounderfähigkeiten gefragt. Wir springen überall ein, wo es Unterstützung braucht.»

Als Metallbau-Experte wurde er auch beigezogen, als es darum ging, für das EOD einen Ofen für die Verbrennung von Fund- und Kleinkalibermunition zu bauen. Die Pläne für diesen Munitionsverbrennungsofen hatten Angehörige des Vorgängerkontingents bereits gezeichnet und auch das Material bestellt. Als Fachmann auf seinem Gebiet erkannte Schimmer noch weiteres Optimierungspotential, indem er die beiden Kammern durch zusätzliche Verstrebungen verbesserte. Dadurch wurde auch die Widerstandsfähigkeit des Gitterrostes erhöht, der extremen Temperaturen bis zu 1'000 Grad Celsius standhalten muss.

 

Genau das habe ich gesucht, und weil es mir gut gefällt, möchte ich meinen Einsatz um weitere sechs Monate verlängern.

 

Damit das Treibladungspulver initiiert wird, genügen bereits Temperaturen um 300 Grad. «Das ist nicht das Hauptproblem. Dieses liegt beim Gitterrost, und zwar weil sich die Streben wegen den hohen Temperaturen verbiegen und die Gewehrpatronen ins Feuer fallen können. Das muss aus Sicherheitsgründen vermieden werden.» Die EOD-Teams sind froh um den fachmännischen Rat vom Metallbauer Joel Schimmer. «Nach einem ersten Test ohne Munition und nach Absprache mit dem Schweizer EOD-Team haben wir den Ofen mit zusätzlichen Stahlrohr-Verstrebungen optimiert. Aus Kostengründen, und auch weil wir kein vorgefertigtes Metall mit Löchern in dieser Grösse gefunden haben.»  Auch die Qualität der Materialien sei im Kosovo anders als in der Schweiz. «Hier lerne ich zu improvisieren», sagt er lachend.

Soldat Schimmer sieht viele Vorteile seines Einsatzes. «In der Schweiz hätte ich nie einen solchen Ofen planen und herstellen können.» Nicht nur das, hier kann er auch sein berufliches Wissen einbringen und durfte im Gegenzug die Arbeit des Schweizer EOD-Teams kennenlernen. «Genau das habe ich gesucht, und weil es mir gut gefällt, möchte ich meinen Einsatz um weitere sechs Monate verlängern.»

Zusammen mit seinem Kollegen hat der Metallbauer drei Munitionsverbrennungsöfen zusammengeschweisst. Jeder Ofen wiegt etwa 200 Kilogramm und der dazugehörende Deckel alleine ist 80 Kilogramm schwer. Die Wände der Öfen sind fünf Millimeter dick. Damit das Gas, welches durch das Feuer entsteht, weichen kann, hat Joel Schimmer den Deckel mit einer Öffnung konzipieren müssen. Er war dem EOD- Team und auch der KFOR ein wichtiger Gesprächspartner. Nicht zuletzt deswegen konnte der Soldat am Tag der Vernichtung der Munition das EOD-Team begleiten und unterstützen. «Die Einblicke in die Arbeit des EOD und die Diskussionen während der Planungs- und Herstellungsphase der Munitionsverbrennungsöfen habe ich als sehr spannend und speziell empfunden», sagt er bescheiden.

Nachdem die erste Ladung der Munition vernichtet worden war, sah der Soldat bereits weitere Möglichkeiten, um die Öfen zu optimieren. «Es sind noch zu viele geplatzte Hülsen aus der kleinen Öffnung geschleudert worden. Bevor das EOD Team weitere Ladungen vernichtet, werde ich noch eine Art Auffangnetz konstruieren, damit alle Hülsen im Ofen bleiben.» Das Feuer wurde mittels Fernauslöser gezündet und nachdem die letzte Patronenhülse mit einem Knall in einem der drei Öfen platzte, warteten das EOD Team und Joel eine weitere halbe Stunde, bevor sie sich den Öfen genähert haben und diese mit kaltem Wasser abgekühlt haben.


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