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Christoph May berichtet aus der Demokratischen Republik Kongo

Ich bin der einzige Security Officer innerhalb des UNMAS-Programms (UN-Minenaktionsdienst) in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo). Diese grosse Herausforderung bringt einerseits viel Arbeit mit sich, andererseits aber auch viel Handlungsfreiheit und entsprechend viel Motivation. Als Security Officer muss ich rund um die Uhr jederzeit verfügbar sein. Effektiv bin ich für die UNMAS-Mitglieder die Anlaufstelle bei Problemen aller Art – wenn es sich um Sicherheitsprobleme handelt, muss ich aber auch meine Teams alarmieren und sie in Theorie und Praxis unterstützen. Kurz gesagt unterstütze ich die Mitarbeitenden von UNMAS bei Sicherheitsproblemen, ich überwache das Sicherheitsumfeld sowie das politische, wirtschaftliche und soziale Gefüge im Land, ich evaluiere und analysiere die Risiken, ich verfolge und melde die Sicherheitslage und entwickle kontextgerechte Sicherheitsverfahren.

28.06.2021 | Christoph May, Security Officer UNMAS MONUSCO, Demokratische Republik Kongo

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Reaktionsschnelligkeit, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit sind mit Sicherheit wesentlich für einen Security Officer.

Beim Aufstehen prüfe ich als Erstes, ob in der Zwischenzeit ein Sicherheitsalarm gegeben wurde. Falls ja, muss ich die Art und die Intensität des Alarms analysieren, die Risiken für die UNMAS-Mitarbeitenden evaluieren und die Kolleginnen und Kollegen vor Ort informieren, um Zwischenfälle nach Möglichkeit zu vermeiden. Ist diese erste Phase abgeschlossen, müssen verschiedene Dokumente zur Position der einzelnen Stabsmitglieder an eine Reihe von Stellen geschickt werden, um das Tracing der Betroffenen im Rahmen der COVID-19-Pandemiebekämpfung sicherzustellen. Zu den meldepflichtigen Angaben gehören insbesondere die Aufenthaltsorte aller Stabsmitglieder, vor allem, wenn sie sich ausserhalb der Duty Station befinden, sowie eine Liste der UNMAS-Mitarbeitenden in Quarantäne. Dies sowie das Sicherheitskonzept sind die Gründe, weshalb ich jederzeit wissen muss, wo sich die einzelnen Mitglieder von UNMAS RDC gerade befinden.

In der nächsten Phase bereite ich die Sicherheitsmeetings vor, die sich im Laufe des Tages planen lassen. Ich vertrete UNMAS an den einzelnen Sicherheitsmeetings und kann mich daher zu den Agendapunkten sowie den Vorfällen und Ereignissen äussern, die UNMAS betreffen. Besonderes Gewicht haben die Einsätze unserer Teams bei Sonderaufträgen wie der Bergung und Vernichtung von Munition und bei Verhandlungen.


Die Vorfälle im Lande bestimmen den Rest meines Tages. Jede eingegangene Meldung muss ich auf ihre Glaubwürdigkeit überprüfen und die potenziellen Folgen für die UNMAS-Mitglieder abschätzen. Je nach Intensität und den wahrscheinlichen Auswirkungen auf die Sicherheit der Teams ergreife ich Massnahmen, die von der einfachen Weitermeldung bis zu einer völligen Einschränkung der Bewegungsfreiheit im Spannungsgebiet reichen. Im letzteren Fall sind schnelle Reaktionen sehr wichtig, ausserdem müssen die Betroffenen umgehend kontaktiert und angemessen informiert werden, sie benötigen Sicherheitsinstruktionen und regelmässige Kontaktnahmen, bis sie sich auf sicherem Terrain befinden. Solche Situationen können einige Minuten oder auch mehrere Tage dauern – dann ist man rund um die Uhr mit allen Beteiligten verbunden.

Ein Team in Schwierigkeiten muss sehr rasch Hilfe erhalten; nur mit angemessener Vorbereitung sind zeitnahe Reaktionen möglich. Eine wirksame Soforthilfe in Notfällen ist aber nur mit langen Vorbereitungen möglich; sämtliche Verfahren und Unterlagen zu Sicherheitsfragen müssen definiert und regelmässig auf den neusten Stand gebracht werden. Dies ist ein Grossteil meiner Arbeit. Ich vergewissere mich, dass sämtliche UNMAS-Mitglieder alle obligatorischen und erforderlichen Schulungen durchlaufen, um ein angemessenes Sicherheitsverhalten zu entwickeln, und dass sie die obligatorische Sicherheitsausrüstung erhalten (Funkgerät, kugelsichere Weste, Helm, Erste-Hilfe-Koffer). 

Zu meinen Aufgaben zählt auch die Evaluation von Risiken im Rahmen der Planung von Einsätzen, an denen UNMAS-Mitarbeitende beteiligt sind.

 

Wenn z. B. Operations ein Team an einen anderen als seinen eigentlichen Einsatzort entsenden will, verlangt man von mir eine Evaluation der Sicherheitslage. In diesen Fällen bin ich dafür verantwortlich, dass Operations sowie die beteiligten Stabsmitglieder über die Sicherheitslage und die Risiken im Zusammenhang mit bewaffneten Gruppierungen, Naturgefahren, Kriminalitätsraten (Attentate, Entführungen), die laufenden Operationen der FARDC (Streitkräfte der Demokratischen Republik Kongo) und der PNC (Kongolesische Nationalpolizei), die Einstellung der Bevölkerung gegenüber den Vereinten Nationen orientiert sind. Zudem habe ich die Durchführbarkeit des vorgesehenen Einsatzes angesichts der Risiken zu beurteilen.

Wenn mein Arbeitstag zu Ende ist, versuche ich, mich mit Sport in Form zu halten. Mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie und den zugehörigen Restriktionen ist dies etwas schwieriger geworden. Bevor ich schlafen gehe, überprüfe ich noch einmal meine Mailbox und lösche dann das Licht in der Hoffnung, dass die Nacht für alle UNMAS-Stabsmitglieder ruhig bleibt. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, bin ich wie immer erreichbar und sorge dafür, dass alle Massnahmen ergriffen werden, um sie umfassend zu unterstützen.

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