print preview Zurück zur Übersicht Militärische Friedensförderung

Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration: Unverzichtbarer Aspekt eines Friedensprozesses

Die Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration von Angehörigen von Armeen und insbesondere bewaffneten Gruppierungen ist ein wichtiges Element, um in einem von gewaltsamen Konflikten zerrütteten Land den Weg in Richtung eines nachhaltigen Friedens einschlagen zu können. Die Schweizer Armee unterstützt die UNO diesbezüglich mit Experten in verschiedenen Missionen.

21.04.2021 | Kommunikation SWISSINT

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Angehörige einer der bewaffneten Maï-Maï Gruppierungen gaben im Juni 2020 in Kashege (Demokratische Republik Kongo) ihre Waffen ab, die später durch UNO-Personal vernichtet wurden.


Konzentrierten sich die ersten friedensfördernden Missionen der UNO noch auf das Überwachen eines Waffenstillstandes wie in der Region Kaschmir (Indien/ Pakistan) oder im Nahen Osten, erforderten die zunehmend komplexer werdenden Konflikte wie in der Demokratischen Republik Kongo, im Südsudan oder in Mali stets umfassendere Mandate. So baute die UNO in enger Zusammenarbeit mit zivilen Hilfsorganisationen ihr Engagement zugunsten der Wiederherstellung von staatlichen Strukturen und der Demokratisierung schrittweise auf. Ein wichtiger Pfeiler dieses Engagements bildete der Aufbau von Rechtsstaatlichkeit und Sicherheitsinstitutionen sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene – zwei entscheidende Elemente, um ein Land zu stabilisieren und nachhaltigen Frieden zu schaffen.

Das Büro der UNO für Rechtsstaatlichkeit und Sicherheitsinstitutionen umfasst fünf Komponenten: Polizei; Justiz- und Strafvollzug; Reform des Sicherheitssektors (SSR); Mine Action sowie Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration (Disarmament, Demobilization and Reintegration = DDR). Die Schweizer Armee unterstützt aktuell in verschiedenen UNO-Missionen die Bereiche Mine Action und DDR. Während das Engagement in der humanitären Minenräumung und dessen Bedeutung für einen Friedensprozess schon lange allgemein bekannt ist, bildet DDR eine eher unbekannte Komponente der Friedensförderung. Zum ersten Mal 1990 in der Mission ONUCA (UN Observer Group in Central America) angewendet, nahm seither die Wichtigkeit von DDR aufgrund der immer komplexer werdenden Konflikte stetig zu und rückte deshalb in den vergangenen Jahren vermehrt ins öffentliche Bewusstsein.

Bei DDR geht es darum, Angehörige von Armeen und insbesondere bewaffneten Gruppierungen während oder nach Ende eines bewaffneten Konfliktes zu entwaffnen, zu demobilisieren, aus ihren militarisierten Gruppen herauszunehmen und als Zivilisten nachhaltig in die Gesellschaft zu integrieren. Dazu erhalten die ehemaligen Kämpfer etwa materielle und/oder finanzielle Unterstützung, eine Berufsausbildung und nicht selten psychologische Betreuung. Das Ziel der Reintegration ehemaliger Kämpfer ist es, ihnen eine alternative Einnahmequelle zu erschliessen und damit sicherzustellen, dass sie in Zukunft weder Sicherheit noch Stabilität gefährden. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit gefährdeten Jugendlichen, um weitere Rekrutierungen zu verhindern.

Die Schweizer Armee entsendet DDR-Experten in die UNO-Mission in der Demokratischen Republik Kongo sowie nach Mosambik, wo die UNO die Umsetzung des Friedensabkommens zwischen der Regierung und den Rebellen unter[1]stützt (mehr dazu auf den Seiten 10+11). Weiter sitzt ein Schweizer Offizier als DDR Trainings-Offizier im UNO-Hauptquartier in New York (mehr dazu auf den Seiten 8+9). Dort waren auch schon Schweizer Armeeangehörige als Rechtsberater im Bereich DDR tätig. Die grosse Mehrheit heutiger bewaffneter Konflikte findet zwischen einer Vielzahl unterschiedlicher Gruppen statt, wobei der Übergang zu Gangs, organisierter Kriminalität und gewaltsamem Extremismus, aber auch zwischen Krieg und Frieden oft fliessend ist. In einem solchen Umfeld wird auch DDR komplexer und juristisch anspruchsvoller. Rechtsberater kümmern sich des[1]halb zum Beispiel um Amnestie[1]Gesetze und deren rechtlichen Implikationen. Das bedeutet, dass sie prüfen, für welche Verbrechen eine Amnestie nach Völkerrecht überhaupt zulässig wäre und wie Einschränkungen praktisch umgesetzt werden können. Oder sie beurteilen die Situation im Feld im Hinblick auf allfällige juristische Probleme.

Zunehmende Wichtigkeit erfahren aber auch Initiativen zum sicheren Umgang und entsprechender Lagerung von Waffen und Munition. Deshalb unterstützt die DDR-Sektion am UNO-Hauptsitz in New York seit 2017 diesbezügliche Aktivitäten in den friedensfördernden Missionen in der Zentralafrikanischen Republik, in der Demokratischen Republik Kongo, in Darfur, in Mali und im Südsudan. Die DDR-Sektion engagiert sich zusätzlich in politischen Missionen der UNO wie zum Beispiel in Kolumbien, Haiti, Libyen, Irak, Syrien, Jemen und Burundi und berät in DDR-technischen Belangen Staaten ohne UNO-Missions-Präsenz, unter anderem Burkina Faso, Äthiopien, Sierra Leone, Tschad, Kamerun und die Elfenbeinküste. DDR wird ein unverzichtbares Element für den Aufbau eines stabilen und sicheren Umfeldes bleiben.

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