print preview Zurück zur Übersicht Militärische Friedensförderung

SWISSCOY Update - Auf Relaistour mit der MOVCON

«Charlie Hotel this is Charlie Hotel three-one-two, over». All jene, die bereits einmal einen Einsatz in der SWISSCOY geleistet haben kennen diesen Funkspruch und haben ihn wahrscheinlich unzählige Male abgesetzt. Doch was steckt eigentlich genau dahinter? Was braucht es, damit die Funkverbindungen über den Kosovo sichergestellt sind? Zuständig dafür ist das Team der Movement Control (MOVCON). Wm Laura Marty, 2nd PIO der SWISSCOY 43, hat dem Team bei der Arbeit über die Schultern geschaut.

09.03.2021 | 2nd PIO SWISSCOY Kontingent 43, Wm Laura Marty

«Diese Kontrolle machen wir eigentlich immer einmal pro Woche.»
«Diese Kontrolle machen wir eigentlich immer einmal pro Woche.»

«Ausserhalb der Camps im Kosovo gibt es zwei Relaisstandorte, die in unsere Zuständigkeit fallen. Relais sind eigentlich Funkantennen, welche die Verbindung zwischen Sender und Empfänger sicherstellen», erklärt Hauptmann Nathalie Rölli, S6 des SWISSCOY-Kontingents 43, während sie den weissen Geländewagen langsam aus dem Camp Film City in Pristina lenkt. Auf der Autobahn Richtung Prizren präzisiert sie, dass die Antennen etwa 30 Minuten von Malisevo entfernt sowie in der Nähe des Flughafens Slatina stehen. «Dort werden wir die Kabel, den Funk und die Antennen kontrollieren, damit sicher keine Beschädigungen vorliegen und die Verbindung sichergestellt ist». Hptm Rölli weiss von was sie redet, ausserhalb des SWISSCOY-Einsatzes ist sie als Berufsunteroffizierin im Fachbereich Übermittlung des Führungsinformationssystems Heer (FIS-HE) tätig. Ihr Beruf ist es also unter anderem Rekruten auf genau diesen Funkgeräten auszubilden.

 

Während wir sprechen führt uns der Weg, weg von der Autobahn, immer mehr ins kosovarische Hinterland. Wir fahren immer höher und höher und die Sonne lässt den Schnee um uns herum glitzern und funkeln – es kommen schon fast ein bisschen Heimatgefühle auf. Irgendwann verabschiedet sich auch die geteerte Strasse und es geht auf einer holprigen Schotterpiste dem Gipfel des ersten Antennenstandorts entgegen.

 

Oben angekommen, öffne ich die Tür des Fahrzeuges und sogleich bläst mir ein eisiger Wind um die Ohren. Um uns herum ächzt und pfeift es von den etlichen Antennen, die von den verschiedensten Nationen dort oben angebracht sind. Doch den ersten Kälteschock verdaut, eröffnet sich uns ein grossartiges Panorama. Einen Blick über weisse, schneebedeckte Hügel und Landschaften. Dazwischen ab und zu wieder einmal ein kleines Dorf mit ein paar Häusern. Während ich mich noch, vergraben in Jacke und Rollmutz, an der Aussicht satt sehe, stapft Hptm Rölli bereits auf einen der obenstehenden Container zu. Sie öffnet die schwere und vereiste Metalltüre.

 

Im Innern, gut gesichert, ist die Funkstation verbaut. Sorgfältig prüft Hptm Rölli die Kabel und Verbindungen. Danach führt sie eine Verbindungskontrolle mit ihren Leuten aus der MOVCON durch. «You are loud and clear», knistert es aus dem Funklautsprecher zurück. Alles funktioniert! Nachdem die Gerätschaften wieder gut und sicher verstaut sind, schnappt sich Hptm Rölli eine kleine Spraydose und geht nach draussen. Sie packt das an der Aussenwand des Containers angeschlossene Kabel und zieht daran. Das eben noch am Boden festgefrorene und von Schnee und Eis bedeckte Kabel löst sich ruckartig und kommt an die Oberfläche. Als es von beiden Antennen komplett freiliegt, geht Hptm Rölli zu den Verbindungsstücken und trägt etwas von dem Kontaktspray auf, um auch hier sicher zu sein, dass alles funktionstüchtig bleibt. «Gerade jetzt in den kalten Monaten, müssen wir auch unsere Antennen vom Eis befreien, denn auch das kann die Verbindung hemmen.» Hptm Rölli blickt zur Spitze, der vor uns in die Höhe ragenden Antenne und ergänzt: «Aber heute scheint es nicht nötig zu sein». Darüber bin ich nicht verärgert, fühlen sich meine Hände schon an wie tiefgefroren. Aber zu diesem Zeitpunkt war unsere Arbeit auf der Relaisstation dann auch bereits erledigt und wir konnten uns wieder ins warme Auto zurückziehen.

 

Auf dem Holperweg runter vom Berg fasst Hptm Rölli zusammen: «Diese Kontrolle machen wir eigentlich immer einmal pro Woche. Die Antennen sind Wind und Wetter ausgesetzt und dann kann schnell mal etwas kaputtgehen. Darum halte ich diese Kontrollen für sehr wichtig».

 

Der Weg führt uns nun wieder zurück Richtung Pristina, bevor wir dann kurz vor Slatina die Hauptstrasse verlassen und zum zweiten Relaisstandort fahren. Hoch über der Hauptstadt Pristina stehen die anderen Funkantennen des Schweizer Kontingents. Mittlerweile ist die Sonne schon fast untergegangen und lässt den Horizont dunkelrot aufglühen. Der Wind und die Kälte sind noch stärker geworden, als wir durch den Schnee waten und fast bis zu den Knien einsinken. Wie schon gehabt kontrolliert Hptm Rölli auch hier alle Verbindungen auf ihre Funktionsfähigkeit. Die Funkverbindung steht, alles scheint in Ordnung zu sein. Mittlerweile ist die Sonne untergegangen und vor uns erstrahlt Pristina mit ihren hunderten und tausenden von Lichtern. Hätte sich die Kälte nicht schon wieder bemerkbar gemacht, würde diese Stimmung und diese Aussicht schon fast zum Verweilen eingeladen. Aber so haben wir uns schnell wieder auf den Weg zurück ins Camp gemacht. Nur wenige Minuten später nahm Hptm Rölli ein letztes Mal für heute das Funkgerät in die Hand und meldete: «Charlie Hotel three-one-two, arrived and closing down