print preview Zurück zur Übersicht Militärische Friedensförderung

Eingliederung von weiblichen Armeeangehörigen im Friedensförderungsdienst in die Milizarmee

Ein Engagement in einem friedensfördernden Auslandeinsatz der Schweizer Armee ist für Schweizerinnen ohne absolvierte Rekrutenschule möglich. Dies, wenn die körperlichen Voraussetzungen, die persönliche Einstellung und die fachlichen Kompetenzen gegeben sind sowie ein Bedarf ausgewiesen wird. Die von SWISSINT rekrutierten Frauen erhalten vor der einsatzbezogenen Ausbildung (EBA) eine militärische Grundausbildung. Sie leisten mit Grundausbildung, EBA und dem Einsatz rund 9 Monate Militärdienst zugunsten des dritten Armeeauftrages Friedensförderung. Auf freiwilliger Basis sollen nun diese einsatzerfahrenen Frauen in die Milizarmee eingeteilt werden können. Das dafür gestartete Projekt zeigt bereits erste Erfolge.

15.02.2021 | Kommunikation SWISSINT, Mirco Baumann

Weibliche Angehöre des Liaison and Observation Team (LOT) der EUFOR Mission in Bosnien-Herzegowina.
Weibliche Angehöre des Liaison and Observation Team (LOT) der EUFOR Mission in Bosnien-Herzegowina. (Fotos: © Einsatzkommunikation SWISSINT)

Die Einsatzkontingente der Friedensförderung der Schweizer Armee verfügen regelmässig über einen Frauenanteil von rund 15 Prozent aus allen Sprachregionen der Schweiz. Der überwiegende Teil dieser weiblichen Kontingentsangehörigen ist nicht militärdienstpflichtig, somit in der Armee nicht eingeteilt und verfügt über keine militärischen Vorkenntnisse. Diese Frauen werden für die Kontingentseinsätze rekrutiert und absolvieren in der Folge eine militärische Grund- und Fachausbildung. Nach dieser Einsatzbezogenen Ausbildung (EBA) im Kompetenzzentrum SWISSINT in Stans-Oberdorf und dem anschliessenden Friedens-förderungseinsatz verfügen die Frauen über militärische Grundfähigkeiten, eine Spezialausbildung und sind sich gewohnt im Verband zu agieren.

Know-how in die Armee integrieren

Mit dem Einsatzende geht das Potenzial dieser einsatzerfahrenen Frauen der Armee verloren, da sie nicht in der Milizarmee eingeteilt sind. Eine Umfrage im Rahmen von sechs Einsatzkontingenten hat ergeben, dass rund ein Drittel der weiblichen Kontingentsangehörigen Interesse an einer Milizeinteilung zeigt. Die nachträgliche Absolvierung einer Rekrutenschule kommt aber aus verschiedenen Gründen generell nicht mehr in Frage. Im Rahmen des Projektes wurde daher untersucht, wie eine Eingliederung der weiblichen Kontingentsangehörigen in die Milizarmee dennoch ermöglicht werden kann. Die Zuteilung respektive Zuweisung auf eine Funktion der Schweizer Armee ohne Absolvierung einer Rekrutenschule ist bereits heute möglich. Vorausgesetzt wird unter anderem ein Bedarf der Armee, das Vorliegen von Fachwissen für die Ausübung der vorgesehenen Funktion und die medizinische Tauglichkeit. Allerdings waren diese Möglichkeiten bisher wenig bekannt und eine solche Einteilung sieht auch keine Aus- und Weiterbildungsmöglichkeit vor. Die Prüfung der Eingliederungsmöglichkeiten ist daher im Rahmen des Projektes einen Schritt weitergegangen.

In der SWISSCOY im Kosovo stehen bis maximal 165 Frauen und Männer im Einsatz.
In der SWISSCOY im Kosovo stehen bis maximal 165 Frauen und Männer im Einsatz. (Fotos: © Einsatzkommunikation SWISSINT)

Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten

Eine Gegenüberstellung von Rekrutenschule und EBA mit anschliessendem Friedensförderungseinsatz hat ergeben, dass die verschiedenen Ausbildungsphasen der EBA mit denjenigen der Rekrutenschule in Bezug auf die Ausbildungsinhalte, die Zweckbestimmung und die Intensität vergleichbar sind und somit eine Äquivalenz der beiden Grundausbildungskurse gegeben ist. Die Anerkennung dieser Ausbildungsäquivalenz soll den weiblichen Kontingentsangehörigen, auf freiwilliger Basis, die Einteilung in die Milizarmee sowie die Weiterausbildungsmöglichkeiten nach Eignung ermöglichen. Die Einteilung und Funktionen ergeben sich dabei aufgrund der Bedürfnisse der Armee. Für die Kaderausbildung gelten die Bestimmungen des Qualifikations- und Mutationswesen der Armee (QMA).

Erfolgreicher Projektstart

Die Umsetzung des Projekts soll zunächst im Rahmen einer Versuchsphase erfolgen. Während zwei Kontingentsrotationen der SWISSCOY und der EUFOR sollen in den Winterkontingenten 2020 sowie den Sommerkontingenten 2021 die ersten weiblichen Kontingentsangehörigen in die Milizarmee eingeteilt werden. In den aktuellen Kontingenten befinden sich total 28 Frauen im Einsatz. Davon haben sich bereits jetzt 11 Frauen für eine Einteilung in der Milizarmee gemeldet. Aktuell finden Absprachen mit verschiedenen Verbänden und Kaderschulen statt, um die passenden Einteilungsformationen für die Kandidatinnen festzulegen. Nach der Versuchsphase soll das Projekt nochmals überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Die Ziele sind, dass die Kompetenzen und das Potenzial dieser einsatzerfahrenen Frauen der Armee erhalten bleiben, sich der Frauenanteil in der Armee erhöht und auch die Alimentierung der Armee unterstützt werden kann. Denn Sicherheit ist auch weiblich.

Dank ihrem Engagement im Friedensförderungsdienst sammeln die Armeeangehörigen wertvolle Einsatzerfahrung.
Dank ihrem Engagement im Friedensförderungsdienst sammeln die Armeeangehörigen wertvolle Einsatzerfahrung. (Fotos: © Einsatzkommunikation SWISSINT)