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SWISSCOY Update - Unterwegs mit dem LMT Glogovac

Bestandteil der SWISSCOY im Kosovo sind die vier Liaison and Monitoring Teams in Mitrovica, Prizren, Zubin Potok und Malisevo. Seit 2020 übernimmt aber auch ein kleines Schweizer Team die LMT-Aufgaben in der Region Glogovac und Obilic. Die Presse- und Informationsoffiziere des SWISSCOY Kontingents 43 begleiteten die beiden Observer, Sdt Lucas Renaud und Wm Stevie Papa, sowie Teamleader Adj Uof Bruno Zanvit im Dezember 2020 auf einer Patrouille in ihrem Zuständigkeitsgebiet.

11.01.2021 | SWISSINT

Die Presse- und Informationsoffiziere des SWISSCOY Kontingents 43 begleiteten die beiden Observer, Sdt Lucas Renaud und Wm Stevie Papa, sowie Teamleader Adj Uof Bruno Zanvit im Dezember 2020 auf einer Patrouille in ihrem Zuständigkeitsgebiet.
Die Presse- und Informationsoffiziere des SWISSCOY Kontingents 43 begleiteten die beiden Observer, Sdt Lucas Renaud und Wm Stevie Papa, sowie Teamleader Adj Uof Bruno Zanvit im Dezember 2020 auf einer Patrouille in ihrem Zuständigkeitsgebiet.

«Es gibt zwei Kohlekraftwerke in der Gemeinde Obilic», erklärt Adj Uof Bruno Zanvit, während er den Geländewagen am ersten Kraftwerk vorbeisteuert. Es fällt sofort auf, dass Bruno ein Experte für die Area of Responsability (AOR), also das Zuständigkeitsgebiet, von Glogovac und Obilic ist. Als Kontingentsverlängerer bringt er viel Wissen über Land und Leute mit, welches er während der Patrouillenfahrt zum Besten gibt. «Das erste Kohlekraftwerk wurde in den 1960er-Jahren gebaut. Es beinhaltet fünf Öfen, wovon normalerweise drei in Betrieb sind. Das Neuere wurde in den 1980er-Jahren gebaut und ist entsprechend moderner ausgestattet», meint Bruno. Unterscheiden könnte man die beiden Kraftwerke hauptsächlich an den Kühltürmen: das Alte habe mehrere kleine davon und das Neue lediglich einen grossen Kühlturm.

 

Die Gemeinde Obilic hat aber mehr zu bieten als nur die Kohlekraftwerke. Die Gemeinde besticht durch ein multiethnisches Zusammenleben. Hier leben Kosovoserben, Kosovoalbaner und Romas zum Teil Tür an Tür. Und es funktioniert! «Die Gemeinde Obilic liefert den Beweis, dass dieses multiethnische Zusammenleben im Kosovo funktionieren kann. Wir haben immer wieder Gespräche mit Kosovo-Serben, die selbst sagen, dass sie sehr gut mit ihren langjährigen kosovo-albanischen Nachbarn auskommen und umgekehrt. Das freut uns immer extrem zu hören, dass es eben auch diese Beispiele gibt», sagt Bruno. Die Probleme die es dennoch ab und zu gebe hätten auch viel mit den Medienberichterstattungen zu tun, fügt er noch an: «Klar gibt es mal kleinere Zwischenfälle, aber das ist in der Regel kaum der Rede wert. Doch einzelne Exponenten der Medien greifen genau diese Situationen raus und bauschen sie entsprechend auf, so dass der Eindruck entsteht, es gäbe grosse interethnische Auseinandersetzungen in dieser Region. Eigentlich sehr schade, da das Miteinander in der grossen Mehrheit durchaus funktioniert in dieser Gemeinde». Ein besonders schönes Beispiel sind ausgewählte Schulen in Obilic, wo kosovo-serbische und kosovo-albanische Kinder in Harmonie spielen. «Die Kinder machen es ja vor, dass es funktioniert. Sie kennen keine Ethnien und diese von Menschen geschaffenen Grenzen», meint Bruno.

 

Inzwischen sind wir auf unserer Patrouillenfahrt auf einer holprigen Strasse durch ein kleines Dorf unterwegs. Adj Uof Bruno Zanvit grüsst freundlich die Einwohner, die entlang der Strasse stehen und freudig zurückwinken. Raus aus dem Dorf tut sich vor uns ein grossartiger Blick auf Obilic, deren Kraftwerke und Teile der Hauptstadt Pristina, auf. Wir nehmen uns die Zeit und steigen kurz aus.

 

Dank dem national verabschiedeten Obilic-Gesetz fliesst seit 2019 ein Teil des Gewinns des Kraftwerks direkt zurück an die Gemeinde. «Gebaut wurden vor allem Strassen und Infrastrukturen, wie z.B. Erweiterungen von Schulanlagen, ein neuer Dorfplatz oder eine Bibliothek. Die ebenfalls im Gesetz inkludierten Themen Gesundheit und Umweltschutz kamen unserer Meinung nach bisher zu kurz», verrät Bruno, als wir auf dem weiten Feld stehen und auf die rauchenden Kraftwerke blicken. Dennoch meint er abschliessend: «Wir sind aber zuversichtlich, dass auch dieses Bewusstsein früher oder später entstehen wird. Ich würde mich auf jeden Fall für die Gemeinde freuen, denn sie hat Potenzial».