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MitteilungVeröffentlicht am 18. März 2025

UNTAG: Erste Schweizer Beteiligung an einer UNO-Mission

Vor 36 Jahren beteiligte sich die Schweiz erstmals personell an einer friedensfördernden UNO-Mission. Um den Unabhängigkeitsprozess in Namibia zu unterstützen, war im Auftrag der Schweizer Armee eine sogenannte Swiss Medical Unit für die medizinische Betreuung des militärischen und zivilen UNO-Personals verantwortlich, während das EDA Wahlbeobachterinnen und Wahlbeobachter in das südliche Afrika schickte.

Die Frauen und Männer der Swiss Medical Unit (SMU) betrieben vier Kliniken, die Anfang März 1990 aufgrund des baldigen Endes der UNTAG geschlossen werden konnten. Anfang April 1990 verliess der Chief Medical Officer als letzter Schweizer SMU-Angehöriger Namibia.

Text: Sandra Stewart, Kommunikation SWISSINT

Im Frühling 1988 fasste der Bundesrat den Entschluss UNO-Missionen nicht mehr nur finanziell, sondern auch personell zu unterstützen, um damit die internationalen Bemühungen um eine friedliche Konfliktlösung zu fördern. Bereits im September 1988 erhielten das Eidgenössische Militärdepartement (EMD, das heutige VBS) und das EDA den Auftrag, einen Vorschlag zur sanitätsdienstlichen Unterstützung der United Nations Transition Assistance Group (UNTAG) in Namibia auszuarbeiten. Im Oktober 1988 rekognoszierte ein Team von EMD und EDA vor Ort und Mitte März 1989 flogen die ersten freiwillige Frauen und Männer in das Einsatzgebiet.

Die UNTAG wurde mit der Resolution 632 vom 16. Februar 1989 gegründet, um unter der Aufsicht und Kontrolle der UNO sicherzustellen, dass der Übergang zur Unabhängigkeit Namibias auf friedliche und faire Weise ablief. Im Rahmen des Namibia-Abkommens von 1988 hatte sich Südafrika verpflichtet seine Kontrolle über Namibia aufzugeben, nachdem das Land lange Zeit als Südwestafrika unter der Verwaltung des südafrikanischen Apartheid-Regimes gestanden hatte. Zu den Aufgaben der UNTAG gehörten unter anderem die Überwachung des Waffenstillstands, die Gewährleistung, dass politische Häftlinge freigelassen werden und Flüchtlinge zurückkehren dürfen, sowie die Unterstützung bei der Durchführung freier und fairer Wahlen. Ab 1. April 1989 war die UNTAG operationell.

SMU stellte medizinische Betreuung sicher

Die Swiss Medical Unit (SMU) umfasste durchschnittlich 150 Frauen und Männer und setzte sich hauptsächlich aus Angehörigen der Armee und des Rotkreuzdienstes zusammen. Die Ärzte, das Pflegepersonal, die Sanitäter sowie das Unterstützungspersonal der SMU sorgten dafür, dass die medizinische Betreuung der rund 7500 militärischen und zivilen Missionsangehörigen sichergestellt war. Ein bis zu 30-köpfiges SMU-Team führte je eine der vier Kliniken in Windhoek, Grootfontein, Oshakati und Rundu mit dem Auftrag chirurgische, tropenmedizinische, zahnmedizinische und psychiatrische Betreuung zu gewährleisten. Deshalb waren alle Kliniken identisch aufgebaut und verfügten über einen Operationstisch, eine Notfallstation, eine medizinische Poliklinik, eine zahnärztliche Klinik und bis zu 30 Betten.

Das Personal kümmerte sich ferner um den Transport von Verletzten und Kranken. Freie Kapazitäten hatte die SMU einerseits den lokalen Spitälern zur Verfügung zu stellen, andererseits für die Versorgung der UNO- Militärbeobachter im Nachbarland Angola sowie für sanitätsdienstliche und hygienische Kontrollen im Rahmen der Flüchtlingsrückführung zu nutzen. Das Pflegepersonal und die Ärzte der SMU führten auch Impfprogramme und Präventivmedizin zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit vor Ort durch.

Erstmals auch Schweizer Wahlbeobachter im Einsatz

Um die Durchführung von freien und fairen Wahlen sicherzustellen, umfasste die UNTAG neben dem militärischen Personal rund 1700 Expertinnen und Experten für die Wahlunterstützung und Wahlbeobachtung. Zum ersten Mal waren auch zwei Schweizerinnen und 29 Schweizer in dieser Funktion beteiligt und läuteten damit ebenfalls in der Schweizer Aussenpolitik eine neue Ära ein. Die Wahlbeobachtung wurde und wird auch heute noch als ein geeignetes und prioritäres Instrument der internationalen Friedensförderung angesehen, da das Wahlrecht zu den Grundfreiheiten gehört, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert sind, und der Förderung der Demokratie dient. Wahlbeobachtung steht nicht im Widerspruch zum Neutralitätsprinzip, da die Missionen multilateral abgestützt sind und nur auf Einladung des Gastlandes durchgeführt werden. Seit 1989 und bis Ende 2024 hat das EDA weltweit rund 2850 Experteneinsätze in Wahlbeobachtungsmissionen organisiert.

Mandat erfolgreich erfüllt

Im November 1989 fanden die Wahlen in Namibia statt, die allgemein als frei und fair bezeichnet wurden, und der SWAPO (Southwest African People’s Organisation) einen überwältigenden Sieg brachten. Die friedlichen und demokratischen Wahlen unter der Aufsicht der UNTAG ermöglichten den Übergang zu einer legitimen Regierung unter der Führung der SWAPO. Am 21. März 1990 erhielt Namibia die Unabhängigkeit, womit die UNTAG ihr Ziel erreicht hatte und am 31. März 1990 formal beendet wurde. Die UNTAG gilt als eine der erfolgreichsten UNO-Friedensmissionen und als ein Meilenstein in der Unterstützung der Dekolonialisierung und Demokratisierung Afrikas. Die Schweiz leistete einen bedeutenden Beitrag zu dieser friedlichen und geordneten Übergangsphase.

Insgesamt leisteten 387 Schweizer Armeeangehörige, darunter 157 Frauen, einen je viermonatigen Einsatz in der SMU. Nebst der medizinischen Versorgung des UNTAG-Personals nutzten sie freie Kapazitäten zugunsten der Zivilbevölkerung.