Umgang mit operationellen Herausforderungen in UNO-Missionen
Die heutigen Einsätze in der militärischen Friedensförderung sind komplexer, gefährlicher und temporeicher im Vergleich zu den Anfängen der UNO geworden. Das stellt die jeweiligen Missionen und die Peacekeeper vor neue Herausforderungen.

Text Thomas Ott, Chef I3/5 Operationen und Planung SWISSINT
Die zunehmende Multidimensionalität der Mandate ist eine der grössten Herausforderungen im 76-jährigen Bestehen der UNO-Friedensförderung. Die militärischen UNO-Friedenstruppen werden in ungastlichen, abgelegenen und gefährlichen Umgebungen eingesetzt, wo sie mit noch nie dagewesenen Herausforderungen konfrontiert sind. Dazu zählt insbesondere der Schutz der Zivilbevölkerung in einem Umfeld der asymmetrischen Bedrohungen.
Das breite Spektrum traditioneller und nicht-traditioneller beziehungsweise asymmetrischer Bedrohungen erhöht die Gefahr für die Sicherheit der Peacekeeper, was sich oft negativ auf die Umsetzung des Mandats auswirkt. Daraus ergibt sich für die UNO-Missionen die dringende Notwendigkeit das jeweilige Einsatzgebiet besser zu verstehen, indem sie gesamtheitliche Bewertungen zur Unterstützung der Entscheidungsfindung im Feld erstellen. Dabei werden die Wahrscheinlichkeit spezifischer Bedrohungen eingeschätzt und Schwachstellen ermittelt, die von Akteuren mit feindlichen Absichten ausgenutzt werden können. All dies ist erforderlich, um das Situationsbewusstsein und die Sicherheit des UNO-Personals zu verbessern und somit Aktivitäten und Operationen im Zusammenhang mit dem Schutz der Zivilbevölkerung zu unterstützen.
Effektivität und Effizienz muss sichergestellt sein
Die internationale Gemeinschaft steht in allen Missionsgebieten vor vielfältigen Herausforderungen im Bereich von Krisen, Sicherheit, Friedensförderung und Konfliktlösung. Dazu zählen das sensible politische Umfeld mit multidimensionalen UNO-Mandaten, das Misstrauen der Bevölkerung, operative Schwierigkeiten sowie Knappheit der Ressourcen wie Betriebs- und Geldmittel, bei deren Fehlen Effektivität und Effizienz der Mission beeinträchtigt werden können. Aber auch Umwelt- und Sicherheitsrisiken, kulturelle Unterschiede und die zunehmende Menge an Des- und Fehlinformationen sind Teil der Herausforderungen. Eine zentrale Rolle, um diesen zu begegnen, spielen die Militärbeobachter, Verbindungsoffiziere, Militärberater und Stabsoffiziere. Erfolgsfaktoren für ihre Auftragserfüllung sind Aspekte wie interdisziplinäre Zusammenarbeit, effektive und realistische Trainings- und Ausbildungsprogramme sowie die Nutzung von Technologie und Innovationen in den Einsatzregionen.
UNO-Missionen an Herausforderungen anpassen
Militärische friedensfördernde Missionen werden üblicherweise in drei Generationen kategorisiert: Missionen der ersten Generation, die mit Interventionskräften zur Überwachung und Beobachtung eines Waffenstillstands dienen, Missionen der zweiten Generation mit multidimensionalen Mandaten sowie Missionen der dritten Generation mit Durchsetzungsmandaten. Der vom UNO-Sicherheitsrat beschlossene Rückzug aus Mali und die erzwungene Transition der Mission im Sudan gibt Anlass UNO-Missionen neu zu denken. Der UNO- Generalsekretär António Guterres forderte in der «New Agenda for Peace» vom Juli 2023 ein besseres Ineinandergreifen der bestehenden Instrumente und einen stärkeren Einbezug regionaler Organisationen.
Vermehrter Einsatz moderner Technologien
Synchron mit der UNO bestätigt die Schweizer Armee, dass die aktuellen und zukünftigen Engagements zugunsten der Friedensförderung umfassend auszuwerten, zu überdenken und vermehrt dem Bedarf der Region und Mission auszurichten sind. Der Trend zur Stärkung der Beobachter- und Beratungsmissionen, die an der zivil-militärischen Schnittstelle angesiedelt sind, ist eine Chance für die Schweizer Armee, da sie mit der Miliz-Expertise Mittel hat, um steigenden qualitativen und quantitativen Bedarf zur Vorbeugung und Konfliktbewältigung abdecken zu können.
Aktuelle Trends in der militärischen Friedensförderung bestätigen einen verstärkten Fokus auf den Schutz der Zivilbevölkerung. Zudem wird die Stärkung lokaler Kapazitäten betont, damit Gemeinschaften ihre eigene Sicherheit und Verwaltung effizienter bewältigen können. Der Einsatz neuer Technologien in Friedensmissionen hat an Bedeutung gewonnen und trägt zur Verbesserung der Lagebewertung und operativen Effizienz bei. Die UNO muss eine noch engere Zusammenarbeit mit regionalen Organisationen anstreben, die wertvolles lokales Wissen einbringen. In Kombination mit den internationalen Kräften können sie einen nachhaltigen Frieden erreichen. Die Anpassung an neue Herausforderungen, die Erhöhung von Transparenz und Rechenschaftspflicht sowie ein verstärkter Fokus auf Nachhaltigkeit sind weitere zentrale Entwicklungen. Schliesslich gewinnen Gendergerechtigkeit und Inklusion an Bedeutung, während Innovation und das Lernen aus Erfahrungen kontinuierlich gefördert werden, um zukünftige Missionen und deren Effizienz vor Ort zu verbessern.
