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MitteilungVeröffentlicht am 19. Dezember 2024

Tactical Combat Casualty Care (TCCC): Lebensrettung unter erschwerten Bedingungen

Zeitdruck, Gefechtsbedingungen und begrenztes Material – die 23 Teilnehmenden am Tactical Combat Casualty Care (TCCC) Kurs trainieren für Situationen, in denen Verletzte unter erschwerten Bedingungen versorgt werden müssen. Die Anwesenden kommen mit den verschiedensten Hintergründen an das Ausbildungszentrum SWISSINT nach Stans-Oberdorf. Neben Militärangehörigen verschiedener Nationen sind Rettungskräfte wie Notärzte und Rettungssanitäterinnen angereist, um sich weiterzubilden.

Der TCCC-Kurs ist modular aufgebaut und dauert fünf Tage. Zu Beginn werden in einem theoretischen Teil die medizinischen Grundlagen vermittelt. Darauf folgen intensive praktische Übungen, in denen die Teilnehmenden in realitätsnahen Szenarien agieren müssen.

Text: Fachof Aisha Seitz, Kommunikationsoffizierin Milizstab SWISSINT

TCCC ist ein Sanitätskonzept, das auf realen Einsatzerfahrungen der US-Army basiert. Es wurde in den 90er-Jahren in den USA eingeführt und seither stetig weiterentwickelt. Das Hauptziel ist es, die Teilnehmenden so auszubilden, dass sie in lebensbedrohlichen Situationen schnell, effektiv und sicher handeln können. TCCC wird in mehreren Stufen angeboten. Der Kurs der Stufe 3, der Ende November 2024 bei SWISSINT durchgeführt wird, richtet sich an medizinisches Personal, da vertiefte medizinische Kenntnisse vorausgesetzt werden. Zielgruppen sind Militärärztinnen und -ärzte sowie Angehörige spezialisierter Formationen. Ausserdem ist der Kurs für internationales medizinisches Personal geöffnet.

Im Zentrum stehen drei Phasen der Versorgung, die sich an den Umständen einer möglichen Einsatzsituation orientieren:

1.     Care Under Fire (Versorgung unter Beschuss):
In dieser Phase lernen die Teilnehmenden, lebensrettende Massnahmen durchzuführen, während sie selbst unter Feindfeuer stehen. Der Fokus liegt auf der Kontrolle massiver Blutungen durch Tourniquets, da Blutverlust eine der häufigsten Todesursachen auf dem Gefechtsfeld ist.

2.     Tactical Field Care (Versorgung im geschützten Bereich):
Sobald die unmittelbare Gefahr gebannt ist, steht die umfassendere Behandlung von Verwundeten im Vordergrund. Hier werden Techniken wie das Anlegen von Verbänden, die Sicherstellung der Atmung und die Behandlung von Schockzuständen trainiert.

3.     Tactical Evacuation Care (Versorgung während des Transports):
Im Anschluss geht es darum Verwundete für die Evakuierung zu priorisieren, vorzubereiten und sie während des Transports – per Fahrzeug oder unter Umständen per Helikopter – weiter zu betreuen. Dies beinhaltet die Stabilisierung der Vitalfunktionen und die Kommunikation mit medizinischem Personal.

Der TCCC-Kurs ist modular aufgebaut und dauert fünf Tage. Zu Beginn werden in einem theoretischen Teil die medizinischen Grundlagen vermittelt. Darauf folgen intensive praktische Übungen, in denen die Teilnehmenden in realitätsnahen Szenarien agieren müssen. Der Stressfaktor wird bewusst hochgehalten, um auf die psychischen Belastungen im Ernstfall vorzubereiten. Ein weiterer relevanter Faktor ist die Verabreichung von Medikamenten in einer taktischen Umgebung und die korrekte Dosierung je nach vorliegender Verletzung.

Highlight des Kurses ist die Abschlussübung am letzten Tag, bei dem die einzelnen Elemente des Kurses zusammengefügt und umgesetzt werden müssen. Der Einsatz von zahlreichen Figuranten und die realitätsnahen Szenarien vermitteln einen Eindruck, welche Fertigkeiten im Ernstfall die Überlebenschancen verletzter Personen vergrössern. Der Fokus der Abschlussübung liegt auf der Anwendung der erlangten medizinischen Kenntnisse.

Zivile Anerkennung des Kurses

Das Ausbildungszentrum SWISSINT ist zertifiziert durch die «National Association of Emergency Medical Technicians» (NAEMT). In Stans-Oberdorf (NW) werden bei SWISSINT medizinisches Fachpersonal und Einsatzkräfte in der Versorgung von Verwundeten unter erschwerten Bedingungen ausgebildet. Dabei orientiert sich der Kurs an internationalen Standards und kombiniert theoretisches Wissen mit intensiven praktischen Übungen. Ab 2025 anerkennen die Schweizerischen Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin (SGNOR) sowie die Swiss Society for Anesthesiology and Perioperative Medicine (SSAPM) die TCCC-Kurse am AZ SWISSINT als Fortbildungskurse, in denen Ausbildungs-Credits erworben werden können.

Internationaler Austausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Der TCCC-Kurs leistet einen wichtigen Beitrag an die Einsatzbereitschaft der Schweizer Armee. Der Kurs stellt durch die realitätsnahen Übungen und den klaren Fokus auf die verschiedenen Phasen der Verwundetenversorgung sicher, dass die Teilnehmenden nicht nur medizinisch, sondern auch taktisch auf diesbezügliche Herausforderungen vorbereitet sind. Das Gelernte ist nicht nur im militärischen Umfeld wichtig, sondern in jeder Situation, in der schnelles und überlegtes Handeln bei der Versorgung von verletzten Personen zählt.

Im Rahmen der TCCC-Kurse arbeitet das Ausbildungszentrum SWISSINT mit nationalen und internationalen Partnern zusammen. Nebst Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen Ländern sind auch internationale Instruktoren an der Ausbildung beteiligt und können ihre Erfahrungen und Best Practices einbringen. Dies ermöglicht einen kontinuierlichen Austausch über bewährte Verfahren und ermöglicht die Zusammenarbeit über Teilstreitkräfte und Landesgrenzen hinaus. Der TCCC-Kurs ist damit nicht nur ein medizinisches Training, das Leben retten kann, sondern stärkt überdies die internationale Kooperation der Schweizer Armee.