stratos | Rezension des Buches «Conflict. The Evolution of Warfare from 1945 to Gaza» von General Petraeus und Andrew Roberts
Die Rezension von Bruno Rösli zum Buch «Conflict. The Evolution of Warfare from 1945 to Gaza» würdigt das Werk von David Petraeus und Andrew Roberts als gut lesbare und sachkundige Übersicht über wichtige Kriege seit 1945, kritisiert jedoch dessen fast ausschliesslich anglo-amerikanische Perspektive und den allzu engen Fokus auf die Rolle militärischer Führungspersönlichkeiten. Rösli hebt hervor, dass Kriege beinahe immer länger dauern als geplant und taktische Erfolge immer seltener Garanten für strategischen Erfolg sind. Er kritisiert, dass die Autoren die Frage nach dem jeweiligen politischen Zweck der dargestellten Kriege weitestgehend ausblenden und auch der grundsätzlichen Frage aus dem Weg gehen, wie weit die Anwendung militärischer Gewalt allein einen politischen Zweck überhaupt erreichen kann. Namentlich in der Darstellung der weitgehend durch die USA dominierten Kriege in Vietnam, Afghanistan und Irak würden komplexe Konflikte allzu zu stark auf Führungsleistungen einzelner Kommandanten reduziert. Trotz interessanter Analysen zur Entwicklung moderner Kriegführung und zutreffender Einschätzungen zu Drohnen, Robotik und künstlicher Intelligenz bleibe der Anspruch, die Entwicklung der Kriegführung seit 1945 umfassend zu erklären, letztlich unerfüllt.
Redaktionsnotiz
stratos ist die militärwissenschaftliche Zeitschrift der Armee. Sie richtet sich an ein Fachpublikum und an eine interessierte Öffentlichkeit und will relevante Themen zu Armee, Verteidigung, Sicherheit und Sicherheitspolitik zur Diskussion bringen. Sie erscheint zweimal jährlich in gedruckter Form und besteht daneben als digitale Plattform, auf welcher laufend neue Beiträge publiziert werden
