stratos | Und was, wenn Putin früher angreift? Europas Verteidigungsfähigkeit im gefährlichen Zeitfenster
Der Beitrag analysiert das gefährliche Übergangszeitfenster – auch Abschreckungslücke (Readiness Gap) genannt, in dem europäische Staaten ihre Verteidigungsfähigkeit nach Jahrzehnten der Unterinvestition wiederherstellen müssen, während Russland seine militärische Schlagkraft bis etwa 2030 schrittweise rekonstituieren könnte und zusätzlich eine erratische US-Aussenpolitik die Bündnisverpflichtungen der NATO in Frage stellt. Ausgehend von der Erosion der industriellen Basis und der unvollständigen europäischen Fähigkeitsprofile entwickelt der Artikel fünf Handlungsfelder, mit denen Generalstäbe und politische Entscheidungsträger die eigene Handlungsfähigkeit bereits vor Abschluss grosser Beschaffungs- und Strukturvorhaben erhöhen können. Im Zentrum stehen die Stärkung der Personalbasis, eine modernisierte Mobilmachung, verdichtete Verbands- und gesamtstaatliche bzw. internationale Übungen, abgestufte Einsatzplanungen für Szenarien unterhalb und oberhalb von Beistandsklauseln des EU-Vertrags sowie eine beschleunigte Beschaffungspolitik. Ein historischer Rückgriff auf die britische Lage von 1938 verdeutlicht die Risiken einer strategischen Entscheidungsfindung unter Bedingungen unvollständiger Rüstung und unterstreicht die Notwendigkeit, politische Führung und militärische Planung eng zu verzahnen.
Redaktionsnotiz
stratos ist die militärwissenschaftliche Zeitschrift der Armee. Sie richtet sich an ein Fachpublikum und an eine interessierte Öffentlichkeit und will relevante Themen zu Armee, Verteidigung, Sicherheit und Sicherheitspolitik zur Diskussion bringen. Sie erscheint zweimal jährlich in gedruckter Form und be steht daneben als digitale Plattform, auf welcher laufend neue Beiträge publiziert werden
