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MitteilungVeröffentlicht am 8. Januar 2026

Schweizer Engagement wird in Kenia weiter ausgebaut

Im Rahmen des Kapazitätsaufbaus engagiert sich die Schweizer Armee auch am International Peace Support Training Centre in Kenia mit qualifiziertem Personal und unterstützt damit die Vermittlung von Fachwissen. Seit Februar 2025 übt erstmals ein Schweizer Offizier die Funktion des stellvertretenden Direktors des Ausbildungszentrums aus. Oberst Markus Schefer berichtet aus Nairobi, Kenia.

Oberst Markus Schefer vertritt als stellvertretender Direktor das IPSTC und dessen internationales Team nach aussen. So begrüsste er auch den britischen Verteidigungsminister, John Healey, der das IPSTC besuchte.

Text und Fotos Oberst Markus Schefer, Colonel Plans and Programmes International / stellvertretender Direktor, International Peace Support Training Centre (IPSTC) in Nairobi, Kenia

Meine Entsendung an das International Peace Support Training Centre (IPSTC) per 1. Februar 2025 stellt für mich den Höhepunkt und gleich­zeitig den Abschluss einer langen Karriere in der militärischen Friedens­förderung dar. Ich leistete während mehreren Jahren Auslandeinsätze in Jemen, Eritrea, Südsudan sowie Mosambik. Bereits 2012 durfte ich als damaliger Chef Regionale Militärische Kooperation der Internationalen Beziehungen Verteidigung im Armeestab die Evaluation des IPSTC durch­führen und seither den Aufbau der Schweizer Unterstützung für dieses Zentrum massgeblich mitgestalten. 2014 wurde mit der Entsendung des ersten Schweizer Offiziers ein wichtiger Grundstein für das Engagement unseres Landes gelegt und 2021 ermöglichte ein bilaterales Ausbildungs­abkommen zwischen der Schweiz und Kenia den Ausbau auf aktuell vier Schweizer Offiziere.

Wichtige Ausbildungsstätte in der Friedensförderung

Am IPSTC zeigt sich eindrücklich, was internationale Zusammenarbeit in der Friedensförderung bewirken kann und dank wertvollem Know-how-Transfer zum Kapazitätsaufbau auf dem afrikanischen Kontinent bei­trägt. Das Zentrum gehört weltweit zu den führenden Ausbildungsstätten im Bereich Friedensförderung: In seiner 24-jährigen Geschichte haben 50 000 Militärangehörige, Polizistinnen und Polizisten sowie zivile Fach­personen ihre Ausbildung in unterschiedlichen Bereichen absolviert. Jähr­lich werden über 150 Kurse mit rund 4000 Teilnehmenden angeboten. Der Personalbestand umfasst derzeit etwa 440 Mitarbeitende.

Vielseitige Aufgaben und Verantwortlichkeiten

Als Colonel Plans and Programmes International bin ich der einzige inter­nationale Militärangehörige im Rang eines Obersts und dem Direktor des IPSTC direkt unterstellt. Somit trägt die Schweiz auf der strategischen Führungsebene Verantwortung und unterstützt den Direktor in zentra­len Fragen. Dazu gehören die internationalen Schnittstellen, die Pflege bestehender Partnerschaften, das Gewinnen neuer Kursangebote sowie die Zusammenarbeit mit weiteren Partnerstaaten. Durch die Präsenz an Kurseröffnungen, VIP-Besuchen oder diplomatischen Veranstaltungen wird das Zentrum regelmässig nach aussen vertreten und seine Bedeu­tung im internationalen Kontext gestärkt.

Ein aktueller Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Monitoring der Umsetzung der Strategie 2024–2027 des IPSTC und deren Weiterentwick­lung. Der Blick in die nächste Geländekammer ist in der heutigen Zeit für ein Ausbildungszentrum in der Friedensförderung existentiell. Wie kann sich das IPSTC in einem veränderten Umfeld behaupten – geprägt durch die Schliessung von UNO-Missionen, knapper werdende Budgets und eine stärkere Priorisierung der Verteidigung vieler Staaten? Im Zentrum ste­hen Fragen wie: Welche Ausbildungsangebote werden künftig noch von der UNO und den Partnernationen nachgefragt? Und wie kann das IPSTC in fünf Jahren weiterhin eine relevante Rolle spielen? Bei dieser Analyse fliessen sowohl Rückmeldungen von internationalen Partnern als auch wissenschaftliche Expertise, unter anderem von der ETH Zürich, ein.

Gewährleistung des Wissenstransfers

Eine besondere Herausforderung stellen die häufigen Rotationen keniani­scher Offiziere am IPSTC dar. Diese erfolgen meist kurzfristig, manchmal innert Tagen, und ohne geordnete Übergabe, was zu spürbarem Wissens­verlust führt. Die Gründe liegen in neuen Verwendungen (beispielsweise Auslandeinsätze) oder in militärischen Beförderungen. Hier leisten die zivilen Mitarbeitenden einen wichtigen Beitrag zur Kontinuität. Für mich persönlich bedeutet dies zudem, dass ich das für die Arbeit zentrale Ver­trauensverhältnis bei jeder Rotation erneut aufbauen muss – eine wiederkehrende, aber prägende Herausforderung meiner Funktion. Mit meiner Entsendung, gestützt auf die Anfrage ad personam der damaligen Direkto­rin IPSTC, soll auf militärischer Seite der Wissenstransfer und eine gewisse Konstanz auf Führungsebene geschaffen werden. Das IPSTC ist ebenfalls regelmässig Gastgeber hochrangiger Delegationen. Besuche des nieder­ländischen Königspaares, des britischen Verteidigungsministers, von Par­lamentariern, Armeechefs oder Botschafterinnen unterstreichen die inter­nationale Bedeutung des Zentrums.

Schweizer Armee profitiert von diesem Engagement

Neben der fachlichen Arbeit spielt auch die Kameradschaft eine grosse Rolle. Wir Schweizer Offiziere vor Ort pflegen den Austausch unterein­ander und mit internationalen Kolleginnen und Kollegen – zum Beispiel bei Raclette- und Fondue-Abenden, die bereits Kultstatus erreicht haben. Meine Freizeit nutze ich zudem regelmässig, um in entspannter Atmo­sphäre mit kenianischen Kollegen über wichtige Projekte zu sprechen. Dabei entstehen Kontakte und Ideen, die nicht selten den Weg für neue Kooperationen ebnen.

Durch meine Arbeit erhält die Schweizer Armee vertieften Einblick in die Herausforderungen und zukünftigen Entwicklungen in den regionalen Ausbildungszentren im Bereich Friedensförderung sowie in die aktuel­len sicherheitspolitischen Entwicklungen in Ostafrika. Zudem trage ich zur Visibilität des Schweizer Engagements bei.

Oberst Markus Schefer vertritt als stellvertretender Direktor das IPSTC und dessen internationales Team nach aussen. Im Bild überreicht ihm die kenianische Verteidigungsministerin, Soipan Tuya, ihren persönlichen Coin.