Schweizer Engagement wird in Kenia weiter ausgebaut
Im Rahmen des Kapazitätsaufbaus engagiert sich die Schweizer Armee auch am International Peace Support Training Centre in Kenia mit qualifiziertem Personal und unterstützt damit die Vermittlung von Fachwissen. Seit Februar 2025 übt erstmals ein Schweizer Offizier die Funktion des stellvertretenden Direktors des Ausbildungszentrums aus. Oberst Markus Schefer berichtet aus Nairobi, Kenia.

Text und Fotos Oberst Markus Schefer, Colonel Plans and Programmes International / stellvertretender Direktor, International Peace Support Training Centre (IPSTC) in Nairobi, Kenia
Meine Entsendung an das International Peace Support Training Centre (IPSTC) per 1. Februar 2025 stellt für mich den Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluss einer langen Karriere in der militärischen Friedensförderung dar. Ich leistete während mehreren Jahren Auslandeinsätze in Jemen, Eritrea, Südsudan sowie Mosambik. Bereits 2012 durfte ich als damaliger Chef Regionale Militärische Kooperation der Internationalen Beziehungen Verteidigung im Armeestab die Evaluation des IPSTC durchführen und seither den Aufbau der Schweizer Unterstützung für dieses Zentrum massgeblich mitgestalten. 2014 wurde mit der Entsendung des ersten Schweizer Offiziers ein wichtiger Grundstein für das Engagement unseres Landes gelegt und 2021 ermöglichte ein bilaterales Ausbildungsabkommen zwischen der Schweiz und Kenia den Ausbau auf aktuell vier Schweizer Offiziere.
Wichtige Ausbildungsstätte in der Friedensförderung
Am IPSTC zeigt sich eindrücklich, was internationale Zusammenarbeit in der Friedensförderung bewirken kann und dank wertvollem Know-how-Transfer zum Kapazitätsaufbau auf dem afrikanischen Kontinent beiträgt. Das Zentrum gehört weltweit zu den führenden Ausbildungsstätten im Bereich Friedensförderung: In seiner 24-jährigen Geschichte haben 50 000 Militärangehörige, Polizistinnen und Polizisten sowie zivile Fachpersonen ihre Ausbildung in unterschiedlichen Bereichen absolviert. Jährlich werden über 150 Kurse mit rund 4000 Teilnehmenden angeboten. Der Personalbestand umfasst derzeit etwa 440 Mitarbeitende.
Vielseitige Aufgaben und Verantwortlichkeiten
Als Colonel Plans and Programmes International bin ich der einzige internationale Militärangehörige im Rang eines Obersts und dem Direktor des IPSTC direkt unterstellt. Somit trägt die Schweiz auf der strategischen Führungsebene Verantwortung und unterstützt den Direktor in zentralen Fragen. Dazu gehören die internationalen Schnittstellen, die Pflege bestehender Partnerschaften, das Gewinnen neuer Kursangebote sowie die Zusammenarbeit mit weiteren Partnerstaaten. Durch die Präsenz an Kurseröffnungen, VIP-Besuchen oder diplomatischen Veranstaltungen wird das Zentrum regelmässig nach aussen vertreten und seine Bedeutung im internationalen Kontext gestärkt.
Ein aktueller Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Monitoring der Umsetzung der Strategie 2024–2027 des IPSTC und deren Weiterentwicklung. Der Blick in die nächste Geländekammer ist in der heutigen Zeit für ein Ausbildungszentrum in der Friedensförderung existentiell. Wie kann sich das IPSTC in einem veränderten Umfeld behaupten – geprägt durch die Schliessung von UNO-Missionen, knapper werdende Budgets und eine stärkere Priorisierung der Verteidigung vieler Staaten? Im Zentrum stehen Fragen wie: Welche Ausbildungsangebote werden künftig noch von der UNO und den Partnernationen nachgefragt? Und wie kann das IPSTC in fünf Jahren weiterhin eine relevante Rolle spielen? Bei dieser Analyse fliessen sowohl Rückmeldungen von internationalen Partnern als auch wissenschaftliche Expertise, unter anderem von der ETH Zürich, ein.
Gewährleistung des Wissenstransfers
Eine besondere Herausforderung stellen die häufigen Rotationen kenianischer Offiziere am IPSTC dar. Diese erfolgen meist kurzfristig, manchmal innert Tagen, und ohne geordnete Übergabe, was zu spürbarem Wissensverlust führt. Die Gründe liegen in neuen Verwendungen (beispielsweise Auslandeinsätze) oder in militärischen Beförderungen. Hier leisten die zivilen Mitarbeitenden einen wichtigen Beitrag zur Kontinuität. Für mich persönlich bedeutet dies zudem, dass ich das für die Arbeit zentrale Vertrauensverhältnis bei jeder Rotation erneut aufbauen muss – eine wiederkehrende, aber prägende Herausforderung meiner Funktion. Mit meiner Entsendung, gestützt auf die Anfrage ad personam der damaligen Direktorin IPSTC, soll auf militärischer Seite der Wissenstransfer und eine gewisse Konstanz auf Führungsebene geschaffen werden. Das IPSTC ist ebenfalls regelmässig Gastgeber hochrangiger Delegationen. Besuche des niederländischen Königspaares, des britischen Verteidigungsministers, von Parlamentariern, Armeechefs oder Botschafterinnen unterstreichen die internationale Bedeutung des Zentrums.
Schweizer Armee profitiert von diesem Engagement
Neben der fachlichen Arbeit spielt auch die Kameradschaft eine grosse Rolle. Wir Schweizer Offiziere vor Ort pflegen den Austausch untereinander und mit internationalen Kolleginnen und Kollegen – zum Beispiel bei Raclette- und Fondue-Abenden, die bereits Kultstatus erreicht haben. Meine Freizeit nutze ich zudem regelmässig, um in entspannter Atmosphäre mit kenianischen Kollegen über wichtige Projekte zu sprechen. Dabei entstehen Kontakte und Ideen, die nicht selten den Weg für neue Kooperationen ebnen.
Durch meine Arbeit erhält die Schweizer Armee vertieften Einblick in die Herausforderungen und zukünftigen Entwicklungen in den regionalen Ausbildungszentren im Bereich Friedensförderung sowie in die aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklungen in Ostafrika. Zudem trage ich zur Visibilität des Schweizer Engagements bei.
