«Polymechanikerinnen und Polymechaniker beeinflussen den Alltag von uns allen»
Im Gespräch mit Francis Emery, Lehrmeister für Polymechanikerinnen und Polymechaniker in der Lehrwerkstatt auf dem Flugplatz Sitten. Die Lehrwerkstatt wurde vor acht Jahrzehnten gegründet und hat Hunderten von jungen Walliserinnen und Wallisern ermöglicht, ihr EFZ zu erlangen.
Was macht eigentlich eine Polymechanikerin oder ein Polymechaniker?
Jedes Mal, wenn Sie unterwegs sind – mit dem Velo, Zug, Tram, der Seilbahn, dem Trottinett, Auto oder Flugzeug –, ist dies unter anderem dank einer Polymechanikerin oder eines Polymechanikers möglich. Polymechanikerinnen und Polymechaniker beeinflussen den Alltag von uns allen. Sie stellen Teile, Werkzeuge und Geräte aus Metall oder Kunststoff her und bauen Maschinen und Apparate zusammen. Zudem kümmern sie sich um die Wartung und Reparatur von Produktionsanlagen.
Können Sie uns die Polymechanik-Lehrwerkstatt auf dem Flugplatz Sitten kurz vorstellen?
Die Lehrwerkstatt wurde 1944 gegründet. Wir sind dem Flugplatzkommando Payerne angegliedert, das uns finanziell, administrativ und logistisch sehr unterstützt. In acht Jahrzehnten konnten 533 Jugendliche ihr EFZ als Polymechanikerin oder Polymechaniker erlangen. Momentan sind wir vier Lehrmeister für 32 Lernende und jedes Jahr beginnen bei uns acht neue Lernende ihr erstes Lehrjahr. Insgesamt bieten wir einen Viertel der Ausbildungsplätze für Polymechanikerinnen und Polymechaniker im französischsprachigen Wallis an, was unsere Lehrwerkstatt zu einem der wichtigsten Akteure für die Ausbildung im Kanton macht.
Weshalb soll man denFlugplatz Sitten anderen Ausbildungsbetrieben vorziehen?
Für die Ausbildung stehen bei uns 1'100 m² zur Verfügung sowie ein sehr moderner Gerätepark mit etwa 50 Maschinen. In den Park wird Jahr für Jahr investiert. Wir verfügen über die ganze Palette an Systemen und Maschinen, die man in den Privatunternehmen vorfindet. Die Jugendlichen, die bei uns ausgebildet werden, profitieren so von einer umfassenden Lehre, die sie auf dem Arbeitsmarkt sehr vielseitig und attraktiv macht.
Welcher Anteil der Lernenden schafft nach Abschluss der Ausbildung den Berufseinstieg?
Die Einstiegsquote junger Berufsleute, die ihr EFZ in unserer Lehrwerkstatt erlangen, beläuft sich auf 100%. Sie erhalten sogar schon vor Ende ihrer Ausbildung Stellenangebote. In den nächsten 20 Jahren werden in der Schweiz 20'000 Arbeitskräfte in technischen Berufen fehlen. Jugendliche, die sich in diesem Bereich ausbilden lassen, haben nach dem Erlangen des EFZ eine Arbeitsstelle auf sicher. In diesem Beruf sind auch Zusatzausbildungen möglich. Ein grosser Teil unserer Lernenden absolviert während oder nach Abschluss ihrer Lehre eine Berufsmaturität. Von uns ausgebildete Jugendliche passen sich sehr leicht an die Arbeitswelt an.
Welche Ratschläge würden Sie Jugendlichen geben, die eine Lehre als Polymechanikerin oder Polymechaniker beginnen wollen?
Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich und bietet viel kreativen Freiraum. Genauigkeit sowie Durchhaltevermögen sind gefragt und im Gegenzug erhält man dauerhafte Karriere- sowie Entwicklungsmöglichkeiten. Von unseren ehemaligen Lernenden haben einige an der EPFL studiert, ihr eigenes Unternehmen gegründet, Führungspositionen im Privatsektor übernommen oder sogar als Piloten oder in Berufsschulen gearbeitet. Mit einem EFZ als Polymechanikerin oder Polymechaniker in der Tasche öffnen sich zahlreiche Türen.
Für wen sind die Teile, die von den Lernenden der Lehrwerkstatt hergestellt werden?
Das Hauptziel der Lehrwerkstatt ist die Ausbildung. Wir haben keine Produktions- oder Leistungsvorgaben. Wir stehen jedoch allen Departementen und Organisationseinheiten des Bundes zur Verfügung, die uns mit Reparaturen oder der Herstellung von mechanischen Teilen beauftragen möchten. Unsere Leistungen in diesen Bereichen richten sich nicht nur an die Luftwaffe (LW), sondern auch an die Militärpolizei (MP), die Logistikbasis der Armee (LBA) und das Kommando Cyber (Kdo Cy). Wir nehmen auch sehr gerne Anfragen von anderen Departementen des Bundes entgegen.
Welche Eigenschaften muss eine Lehrmeisterin oder ein Lehrmeister mitbringen?
Man muss von seiner Arbeit fasziniert sein und den eigenen Beruf mit Leidenschaft ausüben. Auch Freude am Weitergeben von Wissen und Geduld machen einen Lehrmeister aus. Wir haben hier das Glück, dass wir unseren Beruf unter besten Bedingungen vermitteln können. Ohne Produktionsvorgaben können wir den Lernenden viel Zeit widmen, so ist es fast wie eine Fachausbildung.
Porträt
Francis Emery absolvierte 1991 bis 1995 eine Lehre als Polymechaniker in der Lehrwerkstatt in Sitten. Danach war er während 5 Jahren in der Wartung von Seilbahnen in Crans-Montana tätig. Dann arbeitete er 13 Jahre lang in einem Unternehmen für mechanische Auftragsbearbeitung, wovon er 8 Jahre Werkstattleiter war. 2003 erlangte er sein eidgenössisches Meisterdiplom. Seit 2013 ist er Berufsbildner in der Lehrwerkstatt der Polymechanikerinnen und Polymechaniker auf dem Flugplatz Sitten .
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