Zum Hauptinhalt springen

MedienmitteilungVeröffentlicht am 30. Juli 2024

Internationale Kooperation im Rahmen eines Friedensförderungseinsatzes

Seit Oktober 1999 beteiligt sich die Schweizer Armee mit der SWISSCOY am friedensfördernden Einsatz der KFOR und trägt so zur Stabilität Europas bei. Schweizer Offiziere werden auch innerhalb der internationalen Stäbe der KFOR eingesetzt. Eine dieser Stabsfunktionen ist die des Chief Tactical Effects Centre im US-Brigadestab des Regional Command East.

Major i Gst Christian Hiltbrunner (zweiter von links) leistete im Rahmen der SWISSCOY einen sechs- monatigen Einsatz als Chief Tactical Effects Centre im US-Brigadestab der KFOR. Da es sich um eine texanische Brigade handelte, hält er zusammen mit seinen Teamkolleginnen und -kollegen die Flagge des texanischen Bundesstaates.

Text und Fotos: Major i Gst Christian Hiltbrunner, ehemaliger Chief TEC SWISSCOY 48

Der Chief Tactical Effects Centre (C TEC) ist für die Umsetzung des Effects Based Approach auf der Stufe Brigade verantwortlich. Somit stellt er mit seinem internationalen Team sicher, dass die operativen Ziele der KFOR, sogenannte Effekte, durch die Aktionen der Brigade unterstützt beziehungsweise erreicht werden. Die Arbeit mit der NATO-Doktrin des Effects Based Approach innerhalb einer amerikanischen Brigade und im Rahmen der multinational geführten KFOR-Mission gibt dem C TEC die Möglichkeit viel Erfahrung im Bereich der internationalen Kooperation zu gewinnen.

Aufbau eines Beziehungsnetzes ist elementar

Um als Schweizer Offizier innerhalb einer amerikanischen Brigade Erfolg zu haben, galt es für mich als C TEC in den ersten Wochen vor allem Beziehungen zu knüpfen sowie mich mit der Kultur und Regeln der US-Streitkräfte auseinanderzusetzen. Denn erst ein gutes Beziehungsnetz ermöglicht den Aufbau von Vertrauen und damit die Chance an Einfluss zu gewinnen. Um langfristig Erfolg zu haben, sind selbstverständlich auch die fachlichen Kenntnisse zentral. Der C TEC muss sich mit den NATO-Prozessen, beispielsweise dem Military Decision Making Process oder dem Effects Based Approach, auseinandersetzen. Zusätzlich werden direkt im TEC die Informationsoperationen (IO), Psychologischen Operationen (PSYOP), die zivilmilitärische Zusammenarbeit (CIMIC) sowie die Liaison and Monitoring Teams (LMT) als Sensoren geführt, so dass es auch in diesen Bereichen viel zu lernen gibt.

Breit abgestützte Ausbildung

Nebst dem SWISSCOY-Ausbildungskurs in Stans-Oberdorf hatte ich als erster Schweizer Offizier zusätzlich die Möglichkeit in die einsatzbezogene Ausbildung der US-Brigade in Deutschland integriert zu werden. Während drei Wochen wurden mein zukünftiges Team und ich von Spezialisten für den bevorstehenden Einsatz in Kosovo ausgebildet. Diese Integration ermöglichte es uns als TEC-Team schnell zusammenzuwachsen, die Prozesse zu etablieren sowie unser Wissen aufzubauen beziehungsweise zu vereinheitlichen. Die Vertiefung des erforderlichen Einsatzwissens geschieht dann nach dem Prinzip «learning by doing» im Einsatzraum, wobei der C TEC in den spezifischen Bereichen wie IO, PSYOP und CIMIC stark vom Knowhow der Amerikaner profitieren kann.

Interoperabilität ermöglicht effizientes Teamwork

Ist die Interoperabilität innerhalb des TEC-Teams einmal gewährleistet, können die Handlungen auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet sowie Erkenntnisse ausgetauscht und nutzbar gemacht werden. So konnte das TEC während meines Einsatzes einen nichtkinetischen Targeting Prozess etablieren, der nun in der ganzen KFOR übernommen und umgesetzt wird. Seit diesem Jahr wird der C TEC standardmässig in die einsatzbezogene Ausbildung der US-Brigade integriert und ein ehemaliger C TEC wird für die Ausbildung des Brigadestabes im Bereich des nichtkinetischen Targeting Prozesses eingesetzt.

Funktion C TEC bietet wertvollen Erfahrungsgewinn

Als Schweizer Offizier mein Wissen und meine Fähigkeiten im Rahmen eines internationalen Einsatzes unter Beweis stellen zu können, hätte bereits einen grossen Mehrwert dargestellt. Dies als Unterstabschef innerhalb einer erfahrenen US-Brigade und während einer volatilen und regional instabilen Lage in Kosovo zu tun, intensivierte den Erfahrungsgewinn um ein Vielfaches. Die Eskalation im Mai 2023 mit annähernd 100 verletzten KFOR-Soldaten, wie auch die erneute Eskalation im September 2023 machten es unumgänglich rasch als Team zusammenzuarbeiten und Prozesse effektiv umzusetzen. Aufgrund der Lageentwicklung wurden der US-Brigade zusätzlich die taktischen sowie operativen internationalen Reserveverbände in Bataillonsstärke zugewiesen. Es war sehr lehrreich im Einsatz zu erleben, welche Wichtigkeit Faktoren wie Logistik, Durchhaltefähigkeit aber auch Pragmatismus in einer solchen Lage sowohl innerhalb des Stabes, als auch bei den unterstellten Verbänden haben. Ebenfalls war beeindruckend, wieviel Verantwortung die Unteroffiziere der US-Armee über alle Hierarchiestufen wahrnehmen. Dies trägt wesentlich dazu bei, dass die Offiziere die Kapazitäten erhalten, die richtigen Entscheide treffen und somit günstige Voraussetzungen für den Erfolg schaff en zu können.

Friedensfördernde Einsätze wichtig für Erfahrungsaustausch

Funktionen wie die des C TEC bieten die Chance doktrinäres Knowhow zu erlangen, insbesondere in Bereichen, die in der Schweizer Armee weniger präsent sind wie dem Effects Based Approach, IO, PSYOP oder CIMIC. Weiter können nationale wie auch internationale Prozesse in einem Einsatzumfeld angewendet und verglichen werden. Friedensfördernde Einsätze erhöhen zudem das Verständnis gegenüber Kultur, Normen und Werten anderer Armeen und bieten die Möglichkeit die Stärken der Schweizer Armee im internationalen militärischen Umfeld einzubringen.

Die Führungsprozesse der Schweizer Armee, die Anpassungsfähigkeit eines Schweizer Offiziers sowie klassische Schweizer Tugenden wie Pünktlichkeit, Genauigkeit, Belastungsfähigkeit oder Verlässlichkeit halfen Major i Gst Christian Hiltbrunner in einem internationalen Umfeld effizient und effektiv zu arbeiten.