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MitteilungVeröffentlicht am 12. August 2025

Engagement an UNO-Standorten wird ausgebaut

Am 21. Mai 2025 entschied der Bundesrat seine militärische Unterstützung zugunsten des UNO-Hauptquartiers in New York und weiteren UNO-Standorten im Rahmen der Friedensförderung zu erhöhen. Neu dürfen bis zu 25 Offiziere an die UNO entsendet werden. Damit soll vor allem das Engagement in den Bereichen Sicherheitssektor-Reform (SSR) und Entwaffnungs-, Demobilisierungs- und Reintegrationsprozess (DDR) verstärkt werden, wodurch die Schweiz wertvolle Erfah­rungen sammeln und diese wichtigen Pfeiler der Friedensförde­rung mitgestalten kann.

Auch am UNO-Hauptquartier in New York setzen sich Angehörige der Schweizer Armee für Frieden und internationale Zusammenarbeit ein. Neu können bis zu 25 Offiziere an unter¬schiedlichen UNO-Standorten weltweit eingesetzt werden.

Text Sandra Stewart, Kommunikation SWISSINT

Angesichts der globalen sicherheitspolitischen Veränderungen in den vergangenen Jahren verfolgt die UNO das Ziel sich vermehrt in den Berei­chen Sicherheitssektor-Reform (SSR) und Entwaffnungs-, Demobilisie­rungs- und Reintegrationsprozess (DDR) in der Prävention und Nachsorge von Konflikten zu engagieren. Hierfür sind sowohl zivile wie auch militä­rische Expertinnen und Experten erforderlich. SSR und DDR werden oft in Ländern und Regionen unterstützt, in denen die UNO nicht mit einer Friedensmission, sondern mit zivilen und militärischen Expertengruppen präsent ist. Die UNO baut nun in Brindisi (Italien) eine sogenannte Stan­ding Capacity auf, um rascher und flexibler reagieren zu können. Dabei handelt es sich um ein Bereitschaftselement von Expertinnen und Exper­ten in den Bereichen SSR, DDR, Polizei und Justiz. Die Schweizer Armee erhielt 2023 den Auftrag die Expertise für SSR und DDR auszubauen sowie die Standing Capacity in Brindisi mit Armeeangehörigen zu unterstützen.

Bedarf der UNO an weiteren Schweizer Offizieren

Die UNO hat die Schweiz bereits informell um die zusätzliche Entsendung von sechs Offizieren angefragt und weitere Anfragen angekündigt. Die Abklärungen der Schweizer Armee haben gezeigt, dass kurzfristig insge­samt bis zu 14 Armeeangehörige an das UNO-Hauptquartier in New York für Aufgaben im Bereich der militärischen Friedensförderung entsendet werden könnten sowie bis zu vier Armeeangehörige für die Standing Capa­city in Brindisi. Eine weitere Einsatzmöglichkeit könnte am International Peace Support Training Centre in Nairobi (Kenia) bestehen. Je nach Anforderungsprofil können diese Offiziere aus dem Berufskader oder der Miliz für die Einsatzdauer von normalerweise zwei bis drei Jahren rekrutiert werden.

Seit 2021 war die Schweizer Armee ermächtigt bis zu neun Armeeange­hörige an das UNO-Hauptquartier zu schicken, um im Rahmen der Frie­densförderung einen unbewaffneten Einsatz zu leisten. Aktuell sind fünf Offiziere für UNOPS tätig und drei weitere Schweizer engagieren sich je zugunsten von UN Mine Action Service (UNMAS), Department of Operational Support (DOS) und Office of the High Commissioner of Human Rights (OHCHR). Somit war die festgelegte Obergrenze von neun Perso­nen fast ausgeschöpft. Um auf bestehende Anfragen eingehen zu können und die nötige Flexibilität für zukünftige Bedürfnisse sicherzustellen, ent­schied sich der Bundesrat für eine Erhöhung auf 25 Personen. Offiziere ans UNO-Hauptquartier und an weitere Standorte wie zum Bei­spiel Brindisi zu entsenden, liegt im Interesse der Schweiz. Es steht im Ein­klang mit den Bestrebungen des Bundesrates die militärische Friedensför­derung zu stärken gemäss des Sicherheitspolitischen Berichts 2021 und des Berichts des VBS von 2020 über die Weiterentwicklung der militäri­schen Friedensförderung.

Breitgefächertes Know-how

Die aktuell acht Offiziere am UNO-Hauptquartier engagieren sich in ver­schiedenen Abteilungen der UNO. Welche Aufgaben die Offiziere zuguns­ten von UNOPS erfüllen, ist im SPS E-Magazin 2/2025 zu erfahren. Für UNMAS steht ein technischer Experte im Einsatz, der sein Fachwissen im Bera­tungsteam zur Bekämpfung der Bedrohung durch improvisierte Sprengsätze (EOD/IED) einbringt. Dieses Beratungsteam stellt Fachwissen zu Techniken und operativen Konzepten bereit, um die strategische Planung und Politikentwicklung zu unterstützen. Es entwickelt und verwaltet stan­dardisierte Schulungsprogramme zur Eindämmung der Bedrohung durch IED für Länder, die Truppen für Friedensmissionen stellen, für humanitäre Missionen und für den Aufbau nationaler Kapazitäten. Das Team beob­achtet und verfolgt auch neue Trends im Bereich IED sowie die Techni­ken und Technologien zu ihrer Eindämmung. Dadurch sind UNMAS und das UNO-System in der Lage, die Auswirkungen improvisierter Spreng­körper in allen Einsatzgebieten durch einen kohärenten und koordinier­ten Ansatz in den Bereichen Strategie, Politik, Ausbildung und Techno­logie zu antizipieren und zu mindern.

Ein weiterer technischer Experte arbeitet für das DOS im Bereich Militärlogistik und unterstützt Projekte und Initiativen, die über die Routineauf­gaben der diversen UNO-Abteilungen hinausgehen. In dieser Funktion trägt er zur Prozessverbesserung, Ressourceneffizienz, Optimierung der Kundeninteraktion und -zufriedenheit sowie zum Kapazitätsaufbau bei. Als Military Expert für OHCHR steht ebenfalls ein Schweizer im Einsatz und kann dort sein ziviles Fachwissen als Jurist anwenden.

Die zusätzlichen Offiziere zugunsten der UNO sollen hauptsächlich in den Bereichen SSR und DDR eingesetzt werden. Im Rahmen des DDR-Programms der UNO-Mission im Südsudan beispielsweise tauschten 32 ehemalige Kindersoldaten ihre Waffen gegen einen mit dem Nötigsten gefüllten Rucksack und konnten mit ihren Familien vereint werden.