Der Feldpöstler – er verteilt ein Stück Heimat im Einsatz
Es gibt im Einsatzraum kaum ein schöneres Gefühl, als die Nachricht zu erhalten, dass die Post da ist. In diesem Moment öffnet sich ein kleines Fenster nach Hause. Manchmal ist es ein liebevoller Gruss, manchmal der direkte Dopamin-Boost, wenn eine Bestellung eintrifft. So oder so: Die Emotionen schiessen hoch. Und dafür gibt es einen Mann, dem das SWISSCOY-Kontingent 53 all diese Momente verdankt: der Feldpöstler, Obwm Tanyel. Besonders in der Adventszeit wächst seine Popularität noch einmal spürbar an.

Text: Fachof Fiona Lehmann, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 53
Fotos: Fachof Katrin Locher, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 53
Die Reise beginnt an einem grauen Dienstagmorgen mit der Fahrt zum APOD in Slatina. Dort landet pünktlich der Versorgungsflug aus der Schweiz. Die eintreffende Post wird entgegengenommen, während die Postsäcke aus dem Einsatzraum für den Rücktransport in die Schweiz verladen werden. Innerhalb von nur wenigen Minuten sind das Gepäck und die Post aus der Schweiz ausgeladen, und die Sendungen aus dem Einsatzraum sind von der Handling Crew bereits sorgfältig in der Maschine verstaut. Die Crew der Transportkompanie arbeitet dabei wie ein eingespieltes Uhrwerk. Der Chef Feldpost des Kontingents trägt die Verantwortung dafür, die gesamte Logistik des Verladens mit dem Piloten abzustimmen und sicherzustellen, dass die Fracht im richtigen Teil des Flugzeugs untergebracht wird.
Das Gepäck und die Postsäcke werden anschliessend verladen und vom Flugfeld zum Parkplatz gebracht, wo die Post von einem Hund mit seinem Hundeführer überprüft wird. Sobald die Schnüffelprobe erfolgreich bestanden wurde, wird die Post freigegeben und der Verlad beginnt. Anschliessend gelangt die gesamte Post per Lastwagen ins Camp Novo Selo, wo sie sorgfältig sortiert und für den Weitertransport an die verschiedenen Standorte vorbereitet wird. Obwm Tanyel, Chef Feldpost der SWISSCOY, nimmt jedes einzelne Paket in die Hand und ordnet es den jeweiligen Destinationen zu.
Ich kenne inzwischen fast neunundneunzig Prozent der Leute im Kontingent und ihren genauen Standort auswendig. Ich weiss also genau wo die Post hin muss.
In der Rotation, die die PIO begleitet haben, waren es fünfzehn Postsäcke – in der ersten Woche des Kontingents sogar sechsundzwanzig. Ein solcher Postsack wiegt jeweils zwischen 15 und 20kg. Es wird also eine beachtliche Menge an Cargo bewegt.
Am Mittwoch und Samstag werden jeweils die Pakete ausgetragen. Die Postroute wird dabei nach Bedarf angepasst. Die Camps Bondsteel und das Villaggio Italia werden jeweils nur am Mittwoch bedient. Der Grund dafür ist, dass die Postfracht, die am Freitag mit dem Versorgungsflug eintrifft, zentral im CFC abgeholt werden kann – von Vertretern der Aussenstandorte, die am Montag jeweils für die Rapporte vor Ort sind.
Im Gespräch mit Obwm Tanyel merkt man, dass er mit seiner Funktion als Feldpöstler sehr glücklich ist. Seiner Aussage nach ist es die beste Funktion im ganzen Kontingent – man bringe jedes Mal ein Stück Freude mit, wenn man vorbeikommt. Die Feldpost bleibt schliesslich die direkte Verbindung in die Heimat. Im Einsatz vermitteln Briefe und Päckli ein Gefühl von Normalität und Wertschätzung, besonders jetzt, da diese Jahreszeit begonnen hat.