Das Ausbildungszentrum SWISSINT
Für die Schweiz stehen aktuell weltweit rund 400 Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Expertinnen und Experten für die militärische und zivile Friedensförderung im Einsatz. Das Gros dieser Personen wird seit 2004 am Ausbildungszentrum (AZ) SWISSINT in Oberdorf bei Stans ausgebildet. Damit leistet das vormals als Ausbildungszentrum Friedenserhaltende Operationen (AZFO) bezeichnete Kommando als Teil des heutigen Kompetenzzentrums SWISSINT seit 1996 einen substanziellen Beitrag zur internationalen Friedensförderung der Schweizer Armee.

Text Oberst im Generalstab Adrian Staub, Kommandant Ausbildungszentrum SWISSINT
Der zentrale Auftrag des AZ SWISSINT besteht in der einsatzbezogenen Ausbildung für die beiden Schweizer Kontingente in der KFOR in Kosovo und der EUFOR ALTHEA in Bosnien und Herzegowina sowie für individuell eingesetztes Personal primär in UNO- und OSZE-Missionen. Es bereitet Angehörige der Armee, zivile Fachkräfte und internationale Teilnehmende auf die vielfältigen Herausforderungen in Konflikt- und Krisenregionen vor. Die Ausbildung orientiert sich dabei konsequent an den realen Bedingungen im Einsatzraum, an aktuellen Risiken, Bedrohungen sowie am jeweiligen Mandat respektive Auftrag.
Die Kurse des AZ SWISSINT vermitteln praxisnahe Kompetenzen in Bereichen wie erweiterter Selbst- und Kameradenhilfe, Waffenhandhabung, Konfliktverständnis, interkultureller Kommunikation, Umgang mit Stress oder bedarfsgerechter Risikomitigierung. Neben taktisch-technischen Inhalten stehen Neutralität und Unparteilichkeit im Vordergrund – Grundpfeiler der Schweizer Friedenspolitik. Ziel ist es einsatzfähige und verantwortungsbewusste Expertinnen und Experten hervorzubringen, die in multinationalen Missionen effektiv wirken können. Ob UNO-Beobachterin, OSZE-Verbindungsoffizier oder Logistiker in Kosovo, um nur einige Funktionen zu nennen, die Frauen und Männer erwerben in den Kursen Fachwissen, Teamgeist sowie interkulturelle Sensibilität und lernen vorhandene und neue Fähigkeiten gezielt zu kombinieren.
Lernen aus gelebter Praxis
Ein besonderer Mehrwert des AZ SWISSINT liegt in der Qualität seines Ausbildungspersonals. Ob Berufsmilitär, Milizangehöriger oder internationale Gastinstruktorin – alle verfügen über spezifisches Fachwissen und Einsatzerfahrung. Damit bringen sie ein tiefes Verständnis für die Realitäten vor Ort mit. Diese Erfahrung fliesst unmittelbar in den Unterricht ein: Theoretische Grundlagen werden durch konkrete Fallbeispiele, Rollenspiele und realitätsnahe Szenarien ergänzt. So wird Wissen nicht nur vermittelt, sondern erlebt. Kritisches Denken, reflektierte Entscheidungsfindung und die Fähigkeit in komplexen und kulturell heterogenen Umgebungen zu handeln werden dadurch gefördert. Dies sind wichtige Voraussetzungen, die für erfolgreiche Friedensförderung unverzichtbar sind. Punktuell leisten zudem Formationen aus allen Teilen der Schweizer Armee Ausbildungsunterstützung.
Internationale Kooperation als Erfolgsfaktor
Peacekeeping ist immer multinational und die Ausbildung am AZ SWISSINT spiegelt diese Realität wider. Man arbeitet eng mit Partnern aus dem Ausland zusammen und ist in mehrere internationale Ausbildungsnetzwerke eingebunden. Besonders hervorzuheben ist die aktive Beteiligung am Framework 4-PCE (Fo(u)r Peace Central Europe) mit Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Dieses Format ermöglicht die gemeinsame Entwicklung von Lehrinhalten, gegenseitiges Benchmarking, Kursanerkennung und den Austausch von Fachpersonal. Weiter gehört das AZ SWISSINT der International Association of Peacekeeping Training Centres und der European Association for Peace Operations Training Centres an und ist Teil des Partnership Training and Education Centre-Netzwerks der NATO – ein deutliches Zeichen für die internationale Verankerung der Schweizer Friedensförderung.
Herausforderungen der Zukunft
Die Anforderungen an Peacekeeping verändern sich rasant. Neue Konfliktformen, hybride Bedrohungen, Cyberrisiken und Desinformation fordern ebenso neue Ansätze wie der Schutz besonders verletzlicher Bevölkerungsgruppen. Das AZ SWISSINT reagiert darauf mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung seiner Ausbildungsprogramme. Digitale Lernmethoden, Simulationen, modulare Wissensvermittlung und ein rascher Lessons-Learned-Zyklus sind zentrale Pfeiler dieses Ansatzes. Das Ziel bleibt unverändert: Eine bestmögliche und auf komplexe Einsatzrealitäten ausgerichtete Ausbildung, in der militärische, politische und humanitäre Dimensionen eng miteinander verflochten sind. Damit leistet das AZ SWISSINT einen unverzichtbaren Beitrag zum internationalen Frieden und damit zur Verteidigung der Schweiz – ganz im Sinne «Sicherheit durch Kooperation».
