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MitteilungVeröffentlicht am 18. Februar 2026

Das Ausbildungszentrum SWISSINT

Für die Schweiz stehen aktuell weltweit rund 400 Soldatinnen und Solda­ten sowie zivile Expertinnen und Experten für die militärische und zivile Friedensförderung im Einsatz. Das Gros dieser Personen wird seit 2004 am Ausbildungszentrum (AZ) SWISSINT in Oberdorf bei Stans ausgebil­det. Damit leistet das vormals als Ausbildungszentrum Friedenserhal­tende Operationen (AZFO) bezeichnete Kommando als Teil des heutigen Kompetenzzentrums SWISSINT seit 1996 einen substanziellen Beitrag zur internationalen Friedensförderung der Schweizer Armee.

Das Beherrschen der persönlichen Waffe zum Selbstschutz sowie der Einsatzregeln (Rules of Engagement) für deren Anwendung gehören für die Angehörigen der KFOR SWISSCOY und EUFOR ALTHEA ebenso zum Ausbildungsprogramm wie Stressmanagement, Brandbekämpfung und Selbst- und Kameradenhilfe.

Text Oberst im Generalstab Adrian Staub, Kommandant Ausbildungszentrum SWISSINT

Der zentrale Auftrag des AZ SWISSINT besteht in der einsatzbezogenen Ausbildung für die beiden Schweizer Kontingente in der KFOR in Kosovo und der EUFOR ALTHEA in Bosnien und Herzegowina sowie für indi­viduell eingesetztes Personal primär in UNO- und OSZE-Missionen. Es bereitet Angehörige der Armee, zivile Fachkräfte und internationale Teil­nehmende auf die vielfältigen Herausforderungen in Konflikt- und Kri­senregionen vor. Die Ausbildung orientiert sich dabei konsequent an den realen Bedingungen im Einsatzraum, an aktuellen Risiken, Bedrohungen sowie am jeweiligen Mandat respektive Auftrag.

Die Kurse des AZ SWISSINT vermitteln praxisnahe Kompetenzen in Berei­chen wie erweiterter Selbst- und Kameradenhilfe, Waffenhandhabung, Konfliktverständnis, interkultureller Kommunikation, Umgang mit Stress oder bedarfsgerechter Risikomitigierung. Neben taktisch-technischen Inhalten stehen Neutralität und Unparteilichkeit im Vordergrund – Grund­pfeiler der Schweizer Friedenspolitik. Ziel ist es einsatzfähige und ver­antwortungsbewusste Expertinnen und Experten hervorzubringen, die in multinationalen Missionen effektiv wirken können. Ob UNO-Beobach­terin, OSZE-Verbindungsoffizier oder Logistiker in Kosovo, um nur einige Funktionen zu nennen, die Frauen und Männer erwerben in den Kursen Fachwissen, Teamgeist sowie interkulturelle Sensibilität und lernen vor­handene und neue Fähigkeiten gezielt zu kombinieren.

Lernen aus gelebter Praxis

Ein besonderer Mehrwert des AZ SWISSINT liegt in der Qualität seines Ausbildungspersonals. Ob Berufsmilitär, Milizangehöriger oder interna­tionale Gastinstruktorin – alle verfügen über spezifisches Fachwissen und Einsatzerfahrung. Damit bringen sie ein tiefes Verständnis für die Realitäten vor Ort mit. Diese Erfahrung fliesst unmittelbar in den Unter­richt ein: Theoretische Grundlagen werden durch konkrete Fallbeispiele, Rollenspiele und realitätsnahe Szenarien ergänzt. So wird Wissen nicht nur vermittelt, sondern erlebt. Kritisches Denken, reflektierte Entschei­dungsfindung und die Fähigkeit in komplexen und kulturell heterogenen Umgebungen zu handeln werden dadurch gefördert. Dies sind wichtige Voraussetzungen, die für erfolgreiche Friedensförderung unverzichtbar sind. Punktuell leisten zudem Formationen aus allen Teilen der Schweizer Armee Ausbildungsunterstützung.

Internationale Kooperation als Erfolgsfaktor

Peacekeeping ist immer multinational und die Ausbildung am AZ SWISSINT spiegelt diese Realität wider. Man arbeitet eng mit Partnern aus dem Aus­land zusammen und ist in mehrere internationale Ausbildungsnetzwerke eingebunden. Besonders hervorzuheben ist die aktive Beteiligung am Framework 4-PCE (Fo(u)r Peace Central Europe) mit Deutschland, Öster­reich und den Niederlanden. Dieses Format ermöglicht die gemeinsame Entwicklung von Lehrinhalten, gegenseitiges Benchmarking, Kursaner­kennung und den Austausch von Fachpersonal. Weiter gehört das AZ SWISSINT der International Association of Peacekeeping Training Centres und der European Association for Peace Operations Training Centres an und ist Teil des Partnership Training and Education Centre-Netzwerks der NATO – ein deutliches Zeichen für die internationale Verankerung der Schweizer Friedensförderung.

Herausforderungen der Zukunft

Die Anforderungen an Peacekeeping verändern sich rasant. Neue Kon­fliktformen, hybride Bedrohungen, Cyberrisiken und Desinformation fordern ebenso neue Ansätze wie der Schutz besonders verletzlicher Bevölkerungsgruppen. Das AZ SWISSINT reagiert darauf mit der konti­nuierlichen Weiterentwicklung seiner Ausbildungsprogramme. Digitale Lernmethoden, Simulationen, modulare Wissensvermittlung und ein rascher Lessons-Learned-Zyklus sind zentrale Pfeiler dieses Ansatzes. Das Ziel bleibt unverändert: Eine bestmögliche und auf komplexe Ein­satzrealitäten ausgerichtete Ausbildung, in der militärische, politische und humanitäre Dimensionen eng miteinander verflochten sind. Damit leistet das AZ SWISSINT einen unverzichtbaren Beitrag zum internatio­nalen Frieden und damit zur Verteidigung der Schweiz – ganz im Sinne «Sicherheit durch Kooperation».

Das Framework 4-PCE steht für gelebte Kooperation. Auf dem Bild sind die Kommandanten der vier Trainingszentren zu sehen zusammen mit dem Kommandeur der Ausbildungskommandos des Heeres der Bundeswehr, Generalmajor Rhode, und dem ehemaligen niederländischen Force Commander der UNO-Mission MINUSMA in Mali, Generalleutnant Matthijssen (3. und 4. von links).