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MitteilungVeröffentlicht am 14. Januar 2026

Austausch von Fachwissen stärkt die Einsatzkompetenz

Ein kenianischer Offizier, der als Instruktor im Bereich der Kampf­mittelbeseitigung am International Peace Support Training Centre in Kenia tätig ist, begleitete während drei Wochen die Spezialisten des Kommandos KAMIR. Durch den gegenseitigen Austausch von Einsatzerfahrungen und den Einblick in Einsatzverfahren und Aus­bildung wurde die internationale Vernetzung der Schweizer Armee im Bereich der Friedensförderung weiter ausgebaut und zugleich die eigene Verteidigungs- und Einsatzfähigkeit gestärkt.

Die Kampfmittelbeseitiger der Schweizer Armee und Major Ali Abdulkadir, ausgebildeter Kampfmittelbeseitiger der kenianischen Armee und seit 2023 als Instruktor am IPSTC tätig, tauschten ihr Know-how aus und profitierten gegenseitig von den unterschiedlichen Stärken.

Text und Fotos Kommunikation SWISSINT

Das Kommando KAMIR des Kompetenzzentrum ABC-KAMIR in Spiez ist für die Ausbildung und Weiterbildung im Bereich Kampfmittelbeseiti­gung und Minenräumung verantwortlich und verfügt über ein Team von rund 40 ausgebildeten Spezialisten. Diese betreiben die Nationale Blind­gänger-Meldezentrale mit über 1000 Meldungen jährlich, beseitigen mili­tärische Kampfmittel im Inland und leisten weltweit Einsätze zugunsten von friedensfördernden Missionen. Zu ihren Aufgaben zählt das Erken­nen, Entschärfen und Beseitigen von explosiven Kampfmitteln wie Gra­naten, Bomben, Minen oder Sprengfallen.

Interessante Erfahrung für beide Seiten

Auf Einladung des Kompetenzzentrums SWISSINT und in enger Abspra­che mit dem Kommando KAMIR konnte sich ein kenianischer Offizier, der am International Peace Support Training Centre (IPSTC) als Instruk­tor für Kampfmittelbeseitigung tätig ist, mit seinen Schweizer Berufs­kollegen austauschen. Dies war für beide Seiten eine interessante und lehrreiche Erfahrung. Major Ali Abdulkadir erhielt einen Einblick in die Ausbildung, begleitete die Schweizer Kampfmittelbeseitiger bei Einsätzen als Beobachter und sammelte zwei Tage lang Eindrücke vom Kurs Hostile Environment Awareness Training (HEAT), der vom Ausbildungszentrum SWISSINT durchgeführt wird. Beim HEAT handelt es sich um einen inter­nationalen Grundkurs für spezifische sicherheitsrelevante Belange in Kri­sengebieten, der sich an Zivilpersonen und Militärangehörige richtet und diese auf geplante Aufenthalte in Krisengebieten vorbereitet. Unter den Teilnehmenden befanden sich auch zwei Kampfmittelbeseitiger des Kom­mandos KAMIR, die für ihre Auslandeinsätze im Rahmen der militäri­schen Friedensförderung ausgebildet wurden.

Focus auf improvisierten Sprengvorrichtungen

Major Ali Abdulkadir zeigte sich vor allem von der Dauer und Tiefe der Aus­bildung im Bereich Kampfmittelbeseitigung beeindruckt: In der Schweizer Armee dauert diese ein Jahr im Vergleich zu sechs Monaten in Kenia, macht die Auszubildenden mit einem breiteren Spektrum von Munition vertraut und vermittelt fundiertere Erste-Hilfe-Kenntnisse. «Wir konzen­trieren uns bei der Ausbildung zum Kampfmittelbeseitiger vor allem auf improvisierte Sprengvorrichtungen, sogenannte IEDs. Diese stellen für uns die grösste Gefahr dar», erklärte der kenianische Offizier. IEDs sind selbst gebaute Sprengsätze, die oft aus handelsüblichen Materialien her­gestellt und häufig in asymmetrischen Konflikten oder von Terrorgruppen eingesetzt werden. Sie sind unvorhersehbar, da sie in allen erdenklichen Formen, auch als Alltagsgegenstände, vorkommen können und ein gros­ses Risiko für militärische und zivile Kräfte darstellen.

Wie gross diese Gefahr sein kann, erlebte Major Ali Abdulkadir während seinen beiden Einsätzen in Somalia. Als Kommandant des kenianischen Kampfmittelbeseitiger-Teams war er für die Räumung jener Strassen ver­antwortlich, über die sowohl Patrouillen als auch die Versorgung der kenianischen Truppen erfolgte. Da nach jeder Räumung oft neue IEDs platziert wurden, mussten die Routen immer wieder von neuem überprüft und geräumt werden. Von dieser grossen Erfahrung konnten wiederum die Schweizer Kampfmittelbeseitiger profitieren: «Seit sich die kenianische Armee zugunsten der Mission der Afrikanischen Union in Somalia enga­giert, haben sich die IEDs von einfachen Schaltern zu komplexeren Vor­richtungen entwickelt. Anhand konkreter Beispiele konnte ich über diese Entwicklung informieren», führte der kenianische Offizier aus.

Dialog erhöht die Sicherheit

«Es war ein Privileg Major Ali Abdulkadir während drei Wochen in unse­rem Kommando willkommen zu heissen. Sein Aufenthalt bot eine aus­gezeichnete Gelegenheit zum fachlichen Austausch und gegenseitigen Lernen. Die Kampfmittelbeseitiger sind weltweit mit unterschiedlichen Umgebungen und Bedrohungen konfrontiert. Der Dialog unter Spezialis­ten ist daher entscheidend, um unser Wissen zu vertiefen und die beson­deren Beziehungen innerhalb der EOD Community zu stärken», sagt Major Ekim Saraçlar, stellvertretender Kommandant KAMIR und Chef Operationen.

Dieser Austausch ist Teil der regionalen militärischen Kooperation, wo einerseits Schweizer Offiziere Ausbildungszentren der Friedensförderung unterstützen, andererseits aber die Schweizer Armee auch direkt von der Einsatzerfahrung der dort ausbildenden und auszubildenden Truppen lernen kann.