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MitteilungVeröffentlicht am 14. April 2025

Schweizer Beitrag zur Stabilisierung des Südsudans

Interethnische Konflikte, humanitäre Katastrophen und Nachbarländer im Bürgerkrieg – die Herausforderungen des Südsudans sind immens und die Sicherheitslage ist angespannt und volatil. Das Risiko, dass ein Gewaltausbruch das ganze Land erfasst, stellt dabei die Hauptherausforderung der UNO-Mission UNMISS dar. Zugunsten dieser Mission beteiligen sich auch drei Angehörige der Schweizer Armee, die vor Ort wertvolle Einsatzerfahrung gewinnen.

Auch drei Schweizer Armeeangehörige leisten aktuell einen friedensfördernden Einsatz im Südsudan. Sie stehen als Stabsoffizier im Bereich der Lageanalyse und -beurteilung im Einsatz sowie als Logistik- und als Datenbankspezialisten der UNMAS im Bereich der humanitären Minenräumung.

Text Daniel Seckler, Kommunikation SWISSINT

Trotz des Friedensabkommens von 2018 und dem Ende des Bürgerkrieges auf nationaler Ebene kommt es im Südsudan regelmässig zu Ausbrüchen von Gewalt. Verschiedene Faktoren tragen dazu bei, dass die Sicherheitslage im weltweit jüngsten Staat, welcher 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan erlangte, prekär und äusserst volatil ist. So kommt es immer wieder zu bewaffneten Zusammenstössen zwischen verschiedensten Gruppierungen, die oftmals aus ethnischen Differenzen, territorialen Streitigkeiten oder der Ernährungsunsicherheit entstehen. Zudem führen eine schwache wirtschaftliche Lage und politische Spannungen zu Unruhen und Gewalt. Gleichzeitig durchlebt der Südsudan eine schwere humanitäre Krise. Insgesamt sind über drei Viertel der südsudanesischen Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen – es besteht eine grosse Nahrungsmittelknappheit, allein 1,65 Millionen Kinder sind unterernährt, und die Bevölkerung leidet unter dem sehr begrenzten Zugang zu medizinischer Versorgung. Fluten führen jährlich zu massiven Überschwemmungen und damit einhergehend zu Vertreibungen sowie den Kampf um Ressourcen. Ebenso bewirken sie Ausbrüche von Choleraepidemien, schneiden den Zugang zu ländlichen Provinzen ab und verschärfen damit die ohnehin schon grosse Hungersnot, was wiederum interethnische Auseinandersetzungen zur Folge hat. Eine Kumulation all dieser Herausforderungen begünstigt das Risiko eines landesweiten Konfliktausbruchs sowie beispielsweise eine Ausdehnung ins Nachbarland Sudan, wo bereits ein Bürgerkrieg tobt.

Schweizer Beteiligung zur Auftragserfüllung der UNMISS

Der Südsudan ist ein äusserst anspruchsvolles Einsatzgebiet. Das robuste Mandat der UNO-Mission UNMISS umfasst wesentliche Elemente, welche den genannten Herausforderungen entgegenwirken und vor allem die Sicherheit und Stabilität stärken sollen. So umfassen die Aufgaben der UNMISS den Schutz der Zivilbevölkerung, die logistische Unterstützung der humanitären Hilfe, die Unterstützung der Umsetzung des Friedensabkommens, die Förderung des humanitären Völkerrechts und die Stärkung der Menschenrechte. Als stabilisierender Faktor wird die UNMISS so auch von der lokalen Bevölkerung wahrgenommen.

Die UNMISS verfügt aktuell über eine Truppenstärke von rund 17'000 Soldatinnen und Soldaten sowie Polizistinnen und Polizisten (UNPOL) auf einer Fläche, die 16-mal die Schweiz umfasst. Auch drei Schweizer Armeeangehörige leisten aktuell einen friedensfördernden Einsatz im Südsudan. Sie stehen als Stabsoffizier im Bereich der Lageanalyse und -beurteilung im Einsatz sowie als Logistik- und als Datenbankspezialisten der UNMAS im Bereich der humanitären Minenräumung. Auch wenn der personelle Umfang der Schweizer Beteiligung an der UNMISS damit eher klein ist, so sind dafür die Leistungen qualitativ hochwertig. Das robuste Mandat und das herausfordernde Umfeld der Mission erlauben den Schweizer Armeeangehörigen einen wertvollen Erfahrungsgewinn. Durch die direkte Einbettung in die multinational zusammengesetzte Truppe lernen sie standardisierte Einsatzverfahren kennen und profitieren vom militärischen und fachlichen Wissen der Angehörigen anderer Streitkräfte. Diese Erfahrungen im Bereich der internationalen Kooperation werden nach Einsatzende in die Schweizer Armee getragen und ermöglichen damit einen Beitrag zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit.

Grundlage für humanitäre Hilfe

Der Einsatz der UNMISS zeigt beispielhaft auf, wie sich die militärische und die zivile Friedensförderung gegenseitig ergänzen und nicht etwa konkurrieren. Zivile Hilfe und humanitäre Unterstützung können oft nur dann geleistet werden, wenn mit militärischen Mitteln ein Mindestmass an Sicherheit geschaffen werden konnte. Für den Südsudan bedeutet dies, dass beispielsweise die Nahrungsmittelversorgung von der Stärkung der Sicherheitslage abhängig ist, die durch die UNMISS geschaffen wird. Dies bestätigt auch Shaun Hughes, stellvertretender Landesdirektor des Welternährungsprogramms der UNO (World Food Programme, WFP) im Südsudan. Er betont die enge Partnerschaft mit der UNMISS bei der Gewährleistung eines sicheren Umfelds, das humanitäre Einsätze ermöglicht: «Die Präsenz und Rolle der UNMISS bei der Schaffung von Stabilität ist von entscheidender Bedeutung für die Kontinuität der Einsätze des WFP in den risikoreichsten Gebieten.

Wenn oder falls sich die Sicherheitslage verschlechtert, ist die Unterstützung beim Schutz humanitärer Güter – was im äussersten Fall auch die Eskortierung wichtiger Lebensmittellieferungen einschliessen kann – ebenfalls von entscheidender Bedeutung, um die verletzlichsten Familien Südsudans zu erreichen.» Im Gegenzug dazu führen diese Beiträge zugunsten der zivilen Friedenförderung respektive der humanitären Hilfe zu einem Rückgang der humanitären Not und damit nachgelagert zu einer Verbesserung der Sicherheitslage. Projekte des WFP oder des IKRK im Südsudan werden auch durch die Schweiz (DEZA) unterstützt. Damit schaffen die zivile wie die militärische Friedensförderung gemeinsam, einander unterstützend und ergänzend, die Grundlagen für Sicherheit und Stabilität.