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MitteilungVeröffentlicht am 14. Juli 2025

Präsenz von Offizieren am UNO-Hauptquartier ist wichtig

Die Vertretung der Schweizer Interessen im UNO-Hauptquar­tier obliegt dem EDA, das zu die­sem Zweck eine diplomatische Mission in New York unterhält. Viele Dossiers haben jedoch eine militärische Dimension, weshalb ein Militärberater aus dem Bereich Internationale Beziehungen Verteidigung (IB V) in der Mission eingesetzt ist, wo er sich hauptsächlich mit den Themen Friedensförderung und Abrüstung befasst.

Die Schweizer Armee erhöhte in den vergangenen Jahren schrittweise ihr personelles Engagement am UNO-Hauptquartier in New York. Aktuell sind acht Offiziere zugunsten der militärischen Friedensförderung vor Ort.

Text Oberst Marc Alain Stritt, ehemaliger Senior Militärberater in der ständigen Mission der Schweiz bei der UNO in New York

Am 9. Juni 2022 wurde die Schweiz zum nichtständigen Mitglied des Sicherheitsrats für die Jahre 2023/2024 gewählt. Dieses Gremium besteht aus 15 Mitgliedstaaten, dar­unter fünf ständige Mitglieder (China, Frankreich, Russland, USA, Grossbritannien) und zehn Staaten, die für eine Dauer von zwei Jahren gewählt werden. Der Sicherheits­rat trägt die Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicher­heit und seine Beschlüsse sind für alle UNO-Mitgliedstaaten rechts­verbindlich. Im Hinblick auf den Schweizer Sitz hatte das VBS auf Antrag des EDA die Zahl seiner Mili­tärberater in New York für diese Zeit­periode von einem auf drei erhöht. Zudem hatte es in Bern ein Team für die «Koordination der Sicherheits­ratsangelegenheiten» eingerichtet, das die Positionen des VBS festlegt und mit dem EDA koordiniert, sowie ein Team «Mandate», das die frie­densfördernden Missionen und ihre Mandate analysiert sowie die Ver­bindung zu den Nachrichtendiens­ten sicherstellt.

Enge Zusammenarbeit zwischen VBS und EDA

Jede UNO-Mission wird vom Sicher­heitsrat genehmigt, der ihre Man­date jährlich überprüft. Die Haupt­aufgabe der Militärberater besteht darin die Leistung der friedensför­dernden Missionen zu analysieren und gegebenenfalls Anpassungen der Mandate bei den Verlängerungs­verhandlungen vorzuschlagen. Für jede dieser Missionen wurde ein Tandem aus einer Diplomatin/ einem Diplomaten und einem Mili­tärberater gebildet, um die diplo­matischen und politischen Ent­wicklungen einerseits sowie die militärischen und sicherheitspoliti­schen Entwicklungen andererseits zu analysieren. Diese gemeinsame Analyse hat sehr gut funktioniert und die Zusammenarbeit zwischen dem EDA und dem VBS war in den vergangenen zwei Jahren so inten­siv und eng wie noch nie.

Kontakt zu Militärvertretern der ständigen Sicherheitsratsmitglieder

Der Militärstabsausschuss (Mili­tary Staff Committee=MSC) ist ein Nebenorgan des Sicherheitsrats. Er ist in der Charta (Art. 47) erwähnt und wurde im Januar 1946 durch die allererste Resolution des Sicherheitsrats formell eingerich­tet. Ursprünglich setzte sich der MSC aus den Stabschefs der Streit­kräfte der fünf ständigen Mitglieder zusammen. Heute bildet er ein her­vorragendes Forum für den Infor­mationsaustausch über die Wah­rung des Friedens und die weltweite Sicherheits- und Militärlage. Vor allem ermöglicht er einen direkten und regelmässigen Zugang zu den Militärvertretern der ständigen Mit­glieder, die für die Ausarbeitung der Resolutionen zur Verlängerung der Missionen zuständig sind.

Zusätzliche Tätigkeitsbereiche der Militärberater

Eine weitere wichtige Aufgabe der Militärberater ist die administra­tive Betreuung – in enger Zusam­menarbeit mit SWISSINT und dem UNO-Sekretariat – der rund 25 Mili­tärbeobachterinnen und -beobach­ter sowie Experten, die die Schweiz derzeit in fünf der elf friedensför­dernden UNO-Missionen einsetzt. Dazu zählt auch einen Beitrag zur konzeptionellen Weiterentwick­lung dieses Instruments zu leisten und die militärischen Interessen der Schweiz in den entsprechen­den Verhandlungsgremien zu ver­treten und zu verteidigen. Das wich­tigste dieser Gremien ist das Special Committee on Peacekeeping Opera­tions, in dem alle Staaten vertreten sind, die Personal für UNO-Missio­nen stellen. Das Komitee tagt jedes Jahr während fünf Wochen im Feb­ruar/März und hat zum Ziel zuhan­den des Sekretariats Empfehlungen der Mitgliedstaaten zur Zukunft der Friedensförderung zu formulieren. Die aktuellen politischen Spannun­gen erschwerten die Verabschie­dung eines Berichts, da dieser im Konsens gefasst wird. In diesem Jahr hat der Ausschuss seine Arbei­ten abgeschlossen, ohne sich auf einen endgültigen Text einigen zu können.

Besserer Zugang zu Informationen dank Engagement

Neben den Militärberatern der Ständigen Mission engagiert sich das VBS auch mit Offizieren im UNO-Hauptquartier. Diese Präsenz entspricht den Bedürfnissen der UNO und wurde in den vergangenen zehn Jahren auf acht Offiziere in ver­schiedenen Funktionen ausgebaut. Das damit zur Verfügung gestellte Fachwissen ist ein weiterer, weniger bekannter, aber von der UNO sehr geschätzter Beitrag der Schweiz zur Friedensförderung. Im Gegenzug erhält das VBS einen deutlich bes­seren Zugang zu Informationen und kann seinen Einfluss stärker geltend machen.

Abschliessend sei noch auf einen weiteren wichtigen Schritt für den Ausbau der Schweizer Friedensför­derungskapazitäten hingewiesen. Zum ersten Mal hat die Schweizer Armee drei ihrer Kompanien einer Bewertung durch UNO-Militärexperten unterzogen. Dieser Assess­ment and Advisory Visit (AAV) fand im November 2024 in der Region Stans statt. Dabei ging es darum den Experten zu zeigen, dass die Schwei­zer Truppen gemäss den UNO-Standards ausgebildet, ausgerüstet und geführt werden. Die sehr guten Ergebnisse haben gezeigt, dass ein Schweizer Kontingent problemlos in eine laufende Friedensoperation integriert werden könnte, sollte die politische Ebene dies beschliessen.