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«Ich werde in meinem Einsatz mit allem helfen, was ich zu bieten habe»

Am Anfang stand eine SMS, die Sportsoldat Iouri Podladtchikov aus den USA an Franz Fischer sandte, den Verantwortlichen Sport im Kompetenzzentrum Sport Armee in Magglingen: «Lieber Franz, ich komme nach Hause (aus New York) würde gerne helfen bei dieser Katastrophe.» Nun haben Oberstleutnant im Generalstab Hannes Urs Wiedmer, Kommandant Komp Zen Sport A, und der Halfpipe-Snowboard-Olympiasieger von Sotschi 2014 gemeinsam eine Lösung für den Hilfseinsatz gefunden: Der 31-jährige Snowboard-Profi rückt morgen in die Genieschule 73 in Brugg ein. Wir konnten ihm vorher via Telefon ein paar Fragen stellen.

01.04.2020 | Komp Zen Sport A, Kurt Henauer

Iouri, was waren deine Beweggründe, dass du dich spontan für die Hilfeleistung zum Bekämpfen dieser Corona-Pandemie gemeldet hast?

Iouri Podladtchikov: Ich sass in New York, die Schule (Fotographieschule, International Center of photography, Anmerkung der Red.) machte zu, aber wir durften noch in die Schule. Ein paar Stunden später war die Schule ganz geschlossen. Dann machte ich mir Gedanken, was ich tun könnte, wenn ich nicht studieren, nicht Sport treiben kann, als Sportler mit den Leuten nicht Freude und Motivation teilen kann; wie kann ich denn sonst am besten nützlich sein und für die Bevölkerung mit meinem sportlichen Ehrgeiz etwas machen? Ich bin gerne von Nutzen. Ich habe gesehen, wie die Armee schon an der Arbeit ist. Und für mich ist es logisch, dass ich helfen will, denn ich bin fit, sportlich und habe Ausdauer. Ich kann beispielsweise Ärzte und Pflegende, die Kinder haben, in Dingen unterstützen, die sie wegen ihres Dauereinsatzes in den Spitälern nicht mehr machen können. Mehr als helfen kann ich nicht, und wenn ich darf und kann will ich meiner Vorbildfunktion als Sportler gerade in so einer schwierigen Situation gerecht werden.

Wie hast du die ersten Tage hier zurück in der Schweiz erlebt, was hast du unternommen?

Es war überall eine gewisse Nervosität vorhanden, das Stresslevel war hoch, links und rechts suchten die Leute nach Antworten, wussten nicht, was kommt. Im Moment habe ich viel für die Schule zu tun. Vor meinem Abflug in New York habe ich Franz und auch verschiedenen Ärzten mitgeteilt, dass ich meine Kräfte für etwas einsetzen wolle, wo ich etwas bringen kann und habe auf eine Antwort gewartet. Zuhause musste ich zuerst wieder auftanken, ich war psychisch und physisch etwas angeschlagen. Ich schaute darauf, dass ich mich gut ernähre, genügend bewege und beschäftige, um wach und präsent zu bleiben. 

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Sportsoldaten rücken zu dieser Jahreszeit normalerweise in den Spitzensport-WK ans Bundesamt für Sport nach Magglingen zum Training ein, jetzt erwartet dich eine ganz andere Aufgabe. Was erwartest du davon?

Ich erwarte viele andere Leute, die dasselbe im Sinn haben wie ich, die helfen wollen. Neben der guten Kameradschaft erwarte ich Ordnung, ich bin sehr von Ordnung getrieben. Darum bin ich jetzt gerade am Aufräumen, Planen und Organisieren. Das Beschäftigen mit Ordnung schützt meine Nerven. In einem Notstand, nahe an der Panik, sind Disziplin und Ordnung etwas Beruhigendes. Ich will anpacken, habe Lust auf Resultate. Wir haben im Moment überall zu wenig Hände. Mir ist jede Arbeit recht, die mir aufgetragen wird.

Wirst du bei der Genieschule 73 auch Sportlektionen leiten?

Im Aufgebot steht, dass ich die Sportsachen mitnehmen müsse. Ich werde sicher mit viel Freude die anderen zum Sport animieren. Sporttreiben ist nicht nur zum physisch fit bleiben, sondern auch gut für die Psyche. Ich werde in meinem Einsatz mit allem helfen, was ich zu bieten habe.

Iouri, besten Dank für das Gespräch.

Interview: Kurt Henauer

Fakten zum Einsatz von Iouri Podladtchikov:

Er rückt vom 2. bis 12. April in die Genie Schule 73 in Brugg ein. Sein Einsatz ist freiwillig, anstelle eines Spitzensport-WK. Er wird Hilfsmittel herstellen, die der Truppe im Einsatz dienen. Zum Beispiel Holzrahmen, in die Schutzscheiben eingesetzt werden. Diese dienen dem Übertragungsschutz bei Schaltern, Wachhäusern usw., ähnlich wie bei den Kassen in Einkaufsläden. Ob er auch als Leiter für den Sport eingesetzt wird, ist offen. Sein Ziel ist es praktische Manpower einzubringen und mit den Händen zu arbeiten. Sein Fokus liegt nicht auf dem Sport.