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Der wertvolle Rekrut

Tausende Armeeangehörige erbringen derzeit subsidiäre Leistungen im Gesundheitswesen und im Sicherheitsbereich. Leistungen, die diese Tage dringlicher sind denn je. Auch Rekrutenschulen im normalen Dienstbetrieb führen ihre Ausbildung fort. Damit erfüllt die Armee nicht nur ihren verfassungsmässigen Auftrag, sondern trägt überdies den Bedrohungen von morgen Rechnung.

28.03.2020 | Kommunikation Verteidigung, Christoph R. Schelhammer

Parkdienst in Zeiten von Corona – damit die Armee einsatzbereit bleibt. Bild: VBS/DDPS

Alleine sind die Herkulesaufgaben für das belastete zivile Gesundheitswesen in der Coronakrise nicht zu stemmen. Es benötigt wirksamen und schnellen Support, womit der Bundesrat die Armee Mitte März beauftragt hat. Heute stehen schweizweit deren Formationen im Assistenzdienst für das Gesundheitswesen und im Sicherheitsbereich Hand in Hand mit zivilen Kräften im Einsatz gegen die Pandemie und ihre Folgen. Die Armee nimmt damit explizit ihren verfassungsmässigen Auftrag und gleichzeitig ihre Schutzverantwortung gegenüber ihren Armeeangehörigen wahr. Um die Hilfe für die Bevölkerung auch morgen und übermorgen sicherstellen zu können, ist es aber unabdingbar, dass die Rekrutenschulen wenn immer möglich weitergeführt werden. Das ist eine grosse Aufgabe für die Armee, aber auch ein Lackmustest für die gesellschaftliche Solidarität.

Leistungserbringung über den Horizont hinaus

Die Leistungen, die die Soldaten tagtäglich über sieben Tage die Woche hinweg erbringen, sind ein evidenter Bestandteil im Rennen gegen die Zeit und die Pandemie, von der heute nicht mit Bestimmtheit gesagt werden kann, wann sie ihr Ende findet. Sämtliche Rekrutenschulen haben letzte Woche eine entsprechende einsatzbezogene Ausbildung abgeschlossen, um dieses Rennen mit langem Atem zu gewinnen.

Die Unterstützungsleistungen, die von den Kantonen gefordert werden, sind nämlich gross. Sie beinhalten primär solche im Gesundheitswesen mit sanitätsdienstlichen Leistungen bei der allgemeinen Grund- und Behandlungspflege, der Patientenüberwachung, bei sanitätsdienstlichen Transporten oder in der Spitallogistik. Darüber hinaus sollen bei Bedarf logistische Aufgaben wie Transporte und Mithilfe beim Aufbau von improvisierter Infrastruktur übernommen werden. Zudem werden im Sicherheitsbereich die kantonalen Polizeikorps entlastet, zum Beispiel durch die Unterstützung des Grenzwachtkorps an den Landesgrenzen. In all diesen zentralen Bereichen leisten Armeeangehörige wertvolle Dienste, auf die die Schweiz momentan und wahrscheinlich noch für längere Zeit nicht verzichten kann.

Mit Ausbildung von HELPING HANDS in den Rekrutenschulen schafft die Armee einen weiteren Pool an Hilfskräften, mit dem die Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens der Schweiz in der Bewältigung der COVID-19 Pandemie massgeblich unterstützt werden können.

Oberfeldarzt Divisionär Andreas Stettbacher

Oberfeldarzt Stettbacher stellt fest, dass die Einsatzbezogene Ausbildung (EBA) HELPING HANDS mit grosser Motivation absolviert werde. Er sei überzeugt, dass die Armee in diesem Bereich einen wichtigen Beitrag in der Bewältigung von COVID-19 zugunsten von Land und Leuten bieten werde.

Umso wichtiger ist es, dass die Hilfeleistungen auch noch in einer Woche, in einem Monat, in einem halben Jahr mit der gleichen Effizienz zur Verfügung stehen. Das bedingt, dass die Rekrutenschulen wenn immer möglich weitergeführt werden und die Rekruten im Dienst bleiben, damit die Ausbildung ohne Aufschub weitergeht. So bestätigt Hauptmann Elia Fassora, Einheitsinstruktor der Sanitätsschulen 42, dass «wir auch dank der Urlaubssperre die Ausbildung beschleunigen» konnten. Was Oberfeldarzt Stettbachers Beobachtung unterstreicht, sind die zahlreichen Wortmeldungen aus Airolo, wonach den motivierten Rekruten die Sinnhaftigkeit ihres Tuns diese Tage sehr bewusst ist.

Strikte Umsetzung der Hygienevorgaben

Der Militärdienst soll aber auch schützen. Aus diesem Grund ist es von zentraler Bedeutung, dass nicht nur die mobilisierten Formationen, sondern auch die Rekrutenschulen im normalen Dienstbetrieb gesund und damit einsatzfähig bleiben. Im militärischen Betrieb haben Durchsetzung und Einhaltung von Hygieneregeln und Verhaltensmassnahmen (https://bag-coronavirus.ch) für den Eigenschutz und den Fremdschutz oberste Priorität. Dabei werden Mannschaft wie Kader in der Umsetzung der Massnahmen durch Fachpersonen der Armee unterstützt.

Der Militärärztliche Dienst stellt gemeinsam mit dem Pflegedienst der Armee die medizinische Versorgung der Angehörigen in der Armee nach zivilen Standards rund um die Uhr an allen Tagen in der Woche in der ganzen Schweiz sicher. Es werden bezüglich Abklärung und Behandlung von COVID-19 alle Vorgaben des BAG umgesetzt.

Oberfeldarzt Divisionär Andreas Stettbacher

Die getroffenen Hygienemassnahmen werden im militärischen Alltag konsequent durchgesetzt und regelmässigen Kontrollen unterzogen – wo nötig, wird korrigierend eingegriffen: Die erforderlichen Abstände untereinander sind in der Ausbildung, beim Schlafen und in der Freizeit, beim Essen und beim Parkdienst rigoros einzuhalten, Schutzmasken und Handschuhe werden wo immer nötig getragen, und der Körperhygiene ein hoher Stellenwert eingeräumt. Jeder Angehörige der Armee hat zudem bei Bedarf rasch Zugang zu einer Krankenvisite bei einem Militärarzt. Die Einsatzbereitschaft soll jederzeit hochgehalten werden.

Gegenseitiger Schutz von Truppe und Bevölkerung

Da ein gegenseitiges Ansteckungsrisiko zwischen den sich im Einsatz befindlichen Armeeangehörigen und ihrer nächsten Umgebung zu Hause besteht, ist es ein Gebot der Stunde, den militärischen vom privaten Bereich strikt zu trennen. So leisten die Rekruten für das Wohl der Allgemeinheit ihren Dienst seit drei Wochen ohne Urlaub und Ausgang.

Die harte und einschränkende Massnahme dient allein dem Schutz vor einer Ansteckung. Sie schützt die gesamte Truppe und ist ein wichtiger Faktor zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft für die HELPING HANDS, die der gesamten Bevölkerung zugutekommt. Gleichzeitig wird auch die Infektionsgefahr für die Gesamtbevölkerung verringert, wenn die Armeeangehörigen am Wochenende unter sich bleiben.

Für das Wohl aller

Die Ausbildung der Rekruten geht unter Berücksichtigung sämtlicher Vorsichtsmassnahmen weiter, damit die Truppe auch morgen und übermorgen bereit ist für ihren verfassungsmässigen Auftrag und für den ihr vom Bundesrat überantworteten Einsatz im Assistenzdienst gegen das Coronavirus. Auch wenn eine solche Anordnung in einer freiheitlichen Gesellschaft wie jener in der Schweiz schwerfallen mag, so ist sie für das Wohl aller in dieser besonderen Lage notwendig. In dieser Notsituation muss die Armee für das Gesamtwohl einsatzfähig bleiben.

Das gemeinsame Ziel ist es, dass wir zusammen der Pandemie Herr werden, um baldmöglichst wieder in unser gewohntes gesellschaftliches Leben zurückkehren zu können, das wir kennen und schätzen. Die Schweizer Armee ist stolz auf das Engagement ihrer Einsatzkräfte und zollt ihnen dafür höchsten Respekt.

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Dokumente

  • Schutzkonzept Kommando Ausbildung
    Alle in diesem Schutzkonzept erwähnten Punkte stützen sich auf gültige Befehle des Oberfeldarztes sowie entsprechende Arbeitshilfen und Merkblätter und auf die Empfehlungen zu Verhaltens- und Hygienemassnahmen des BAG ab.
    07.07.2020 | PDF, 16 Seite[n], 136 KB