print preview Zurück zur Übersicht Logistikbasis der Armee

Eine gelungene Mischung aus technischen Vorgaben und architektonischer Schönheit

Es ist noch nicht einmal 50-jährig – und doch gilt das riesige Werkstattgebäude des Armeelogistikcenters Grolley heute als baugeschichtliches Kleinod. Der markante Rundbau mit der stützenfreien Halle wurde für die Reparatur von Pneu- und Raupenfahrzeugen gebaut und kürzlich saniert. Das Gebäude ist Thema des ersten Teils einer kleinen Serie über historische Militärhochbauten.

15.08.2019 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

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Das Sichtbetongebäude steht im Inventar der schützenswerten Bauten von nationaler Bedeutung.

Säule 3, Säule 2, Säule 1, Säule 48 und so weiter. Im Kellergeschoss des Werkstattgebäudes des Armeelogistikcenters (ALC) Grolley erkennt der Besucher, dass er im Kreis geht. Verantwortlich dafür war das Architekturbüro Robert Benteli und die Zürcher Baufirma Züblin, die zwischen 1968 und 1971 den eindrucksvollen Rundbau erstellt haben. Das Sichtbetongebäude ist im Inventar der schützenswerten Bauten von nationaler Bedeutung, und seine Masse sind eindrücklich: Der innere Ring hat einen Durchmesser von 60 Metern, zusammen mit zwei äusseren Anbauten kommt die Struktur auf eine maximale Breite von bis zu 90 Metern. Der gänzlich stützenfreie Innenraum – selbst für europäische Verhältnisse in dieser Grösse eine Besonderheit – hat eine Fläche von 2800 Quadratmetern und eine maximale Höhe von 12,5 Metern.

Was weniger deutlich ist: Die Decke ist fast konisch nach unten gewölbt. Der Mittelring mit einem Durchmesser von rund 8 Metern liegt rund 5 Meter tiefer als der Rand. Aussergewöhnlich war neben der immensen Kubatur des Gebäudes auch das Vorgehen: Die Arbeiter zogen unzählige Drähte auf, an denen der zentrale Ring aufgehängt und auf welche der Beton für die Decke gespritzt wurde. «Die besondere Schönheit dieser Architektur ist vor allem auf strukturelle und architektonische Zwänge zurückzuführen», sagt François Esseiva vom Büro Page aus Freiburg, der das Gebäude kürzlich umfassend saniert hat. Die aussergewöhnliche Decke ist laut Esseiva übrigens nicht auf praktische Überlegungen zurückzuführen, sondern die Folge der Grösse der Struktur: «Die Statik hat diese Form vorgegeben.» Ein kreisrunder Bau weist eine optimale Statik auf. Die Decke mit einem Eigengewicht von 700 Tonnen muss ein Gewicht von 500 Tonnen tragen.

Die Parzelle gab die Form vor

Das ALC, der frühere Armeefuhrpark AMP, wurde zwischen 1966 und 1971 auf einem länglichen Areal im Dorf Grolley gebaut. Die Gestalt der Parzelle und die drei langgezogenen rechteckigen Einstellhallen der Anlage und die Topografie liessen eine andere Form als den Rundbau nicht zu, sagt Architekt Esseiva. Entscheidend waren die Anforderungen des Nutzers, der Schweizer Armee. Denn im Gegensatz zu heute fuhren in den ersten Betriebsjahren vor allem Panzer in die Halle, um repariert und fit gemacht zu werden. Das zeigt sich auch an den drei übereinander angeordneten Zirkelkränen über dem Zentrum der Arbeitsfläche, die zum einen an Schienen am Rand und zum anderen am Mittelring hängen. Sie können Gewichte von 3 und zweimal 7,5 Tonnen heben – zu Beginn vor allem Panzermotoren, aber – zusammengehängt – auch die schweren Panzertürme.

Heute sind die Panzer in Romont untergebracht, in Grolley werden die Kleinfahrzeuge instand gehalten. Schliesslich erlaubte der kreisrunde Grundriss auch den raschen Zugang von der Reparaturhalle zu allen Ateliers, Büros und Materiallagern rund herum – «im Gegensatz zu den Rechteckbauten ist hier alles nahe beieinander», sagt Alexandre Dubey, zuständig für die Gebäude im ALC Grolley, nicht ohne Stolz. «Das kommt uns natürlich heute noch entgegen.» Zudem hat die Administration vom Büroanbau aus einen guten Ausblick in die Halle. Und im Stockwerk unter der Haupthalle sind Lageräume und technischen Installationen untergebracht.

48 Pfeiler stützen das Gebilde. Zwischen den Pfeilern 1 bis 14 sind die zweistöckigen Büroräume eingebaut, die restlichen Flächen schliessen nacheinander an. Die Konfiguration des Innenraums habe sich seit der Eröffnung kaum geändert, sagt Dubey, nur die reparierten Fahrzeuge seien kleiner geworden. Entsprechend können natürlich auch mehr Duro und G-Klasse-Mercedes gleichzeitig bearbeitet werden.

Das Vorbild steht im Baselbiet

Ende letzten Jahres habe armasuisse das Gebäude sanieren lassen, der Denkmalschutz sei in die Arbeiten involviert gewesen, sagt Esseiva. Und: «Es war uns wichtig, dass der Bau weiterhin in seiner ursprünglichen Funktion als Werkstatt genutzt wird.» Dies im Gegensatz zum Vorbildgebäude, dem sogenannten Pantheon in Muttenz (BL), das die Firma Züblin als Werkhof aufgegeben hat und das heute als Automuseum dient. Saniert wurden unter anderem die aus Fertigelementen hergestellte grosse Glasfront an der Fassade, die dem Bau einen luftigen Charakter geben und innen viel Licht ermöglichen. Im Sommer sei es drinnen angenehm kühl und übrigens für eine Werkstatt aussergewöhnlich leise, sagt Dubey.

 

Aussergewöhnlich und ausgezeichnet: Das «Gebäude AB»

Die Direktion für öffentliche Bauten des Bundes beschloss 1962 den Bau des Armeefahrzeugparks Grolley, bestehend aus einem Werkstattgebäude, drei Abstellhallen, Lagerhäusern und einer Kaserne. Nach der Abstimmung in den eidgenössischen Räten 1966 wurde 1968 und 1969 der Rohbau erstellt. Er kam damals auf rund 500'000 Franken zu stehen. 1971 wurde die gesamte Anlage in Betrieb genommen. Zwischen 2015 und 2018 wurden die Gebäude des ALC Grolley im Hinblick auf die WEA für total 60 Millionen Franken saniert.