print preview Zurück zur Übersicht Logistikbasis der Armee

Eine junge Frau in der LKW-Fahrerkabine: Das weckt Aufmerksamkeit

Unter den Lehrberufen der Armee ist auch derjenige der Fachleute Strassentransport – der LKW-Chauffeure. Das Besondere: Die Lernenden beginnen die Ausbildung erst mit 16 Jahren, weil sie dafür die Theorieprüfung für das Lenken von Fahrzeugen haben müssen. Michelle Lombardi hat diesen Lehrberuf gewählt – als erste Frau im ALC Monteceneri und als einzige unter den angehenden Chauffeuren und Mechanikern im Tessin.

19.07.2019 | Kommunikation Verteidigung, Giorgio Krüsi

Michelle Lombardi darf in der Fahrerkabine des Lastwagens zwar Kontrollen durchführen, ihn aber noch nicht fahren.
Michelle Lombardi darf in der Fahrerkabine des Lastwagens zwar Kontrollen durchführen, ihn aber noch nicht fahren. (Fotos: VBS/DDPS)

Michelle Lombardi wird wohl die erste Frau sein, welche im Armeelogistikcenter Monteceneri (ALC-M) die Fähigkeit erwirbt, als Beruf schwere Lastwagen zu fahren. Die heute 17-jährige aus der Leventina, die natürlich noch keinen Fahrausweis besitzt, schliesst aktuell ihr erstes Lehrjahr in der Ausbildung zur Strassentransport-Fachfrau ab. Noch kann sie sich nur mit der Theorie beschäftigen und lernen, wie man die Fahrzeuge technisch bedient.

Der Lehrlingsbetreuer und Logistikspezialist Damiano Cattani ist stolz, mit einer 16-jährigen jungen Frau arbeiten zu können. Der Regelfall in diesem Lehrberuf sind etwas ältere Lernende, die schon einen anderen Lehrabschluss aufweisen. Michelle Lombardi allerdings musste nach der obligatorischen Schulzeit ein Übergangsjahr machen, um die Ausbildung beginnen zu können.

Denn erst mit ihrem 16. Geburtstag erhalten Jugendliche die Möglichkeit, die Theorieprüfung zu machen, welche auch für den Erwarb des Fahrausweises der Kategorie B, also für Personenwagen, zählt. Deshalb erhält Lombardi in einer ersten Phase ihrer Ausbildung Einblick in die verschiedenen Bereiche der Logistik wie den Warenversand, den Transport von gefährlichen Gütern und die Bedienung von Gabelstaplern. Hinzu kommen Schulungen in der Mechanik und im Umgang mit Motoren. Schliesslich verbrachte sie ein einmonatiges Praktikum in der Fahrzeugwerkstatt der Armee in Bellinzona.

Die Herausforderung der Integration

Michelle Lombardi hat bewusst einen typisch männlichen Lehrberuf gewählt; einen Beruf, der mit dem Transport schwerer Waren auch sehr anstrengend sein kann. Aber sie fürchtet sich nicht davor: «Ich weiss, dass ich selbstständig sein und ständig an mir arbeiten muss – ich kenne das auch vom Sport.» Sie stellt allerdings klar, dass sie vom Logistik-Team der Armee immer mit offenen Armen empfangen wurde: «Ich weiss, dass ich hier eine bessere Ausgangslage habe als in der Privatwirtschaft, wo sich die Betreuer weniger Zeit für die Lehrlinge nehmen und die Frauen unterschätzt werden.» Michelles offene Art und ihre Motivation vereinfachten ihr den Anschluss. Selbstverständlich war dies allerdings nicht: «In der Schule war ich die einzige Frau unter den Chauffeur- und Mechaniker-Lehrlingen.

Eine Leidenschaft mit Vergangenheit

Als sie klein war, spielte sie weniger mit Puppen als vielmehr mit Spielzeugautos. Einen Einfluss auf ihre spätere Berufswahl hatte auch die Arbeit ihres Vaters in der Logistik und im Transportbereich der Armee. Michelle Lombardi konnte es kaum erwarten, endlich einmal in der Fahrerkabine eines Lastwagens zu sitzen. Sie muss jedoch erst die praktische Autoprüfung abwarten, bevor sie anschliessend die Fahrschule für Lastwagen beginnen kann. «Natürlich fühlst du dich als Frau ab und zu besonders beobachtet. Aber du gewöhnst dich daran. Du musst dir einfach eine dicke Haut zulegen.»

Michelle Lombardi denkt schon freudig an ihren 18. Geburtstag. Denn dann wird sie zum Informationstag für den Militärdienst aufgeboten: «Ja, ich werde mich gerne freiwillig für den Dienst in der Armee melden.» Sie kann sich gut vorstellen, auch im Dienst Lastwagen zu fahren.

Es scheint, als ob Michelle Lombardi die Herausforderungen nicht ausgehen – sei es in den Hallen des ALC, in der Schule oder in der Fahrerkabine. Darin unterscheidet sie sich allerdings nicht von ihren männlichen Kollegen.

Fotos