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Das WEF – beste Werbung für Davos

Das WEF nimmt die gesamte Davoser Hotellerie in Beschlag – Feriengäste und Tagesausflügler bleiben praktisch aus. Trotzdem ist der Kongress ein Segen für den Tourismus.

15.01.2020 | CUMINAIVEL | sf

Tourismus Davos


Unter fröhlichem Geschnatter und mit augenscheinlich müden Beinen zottelt eine Gruppe Jugendlicher von der Talstation der Parsennbahn zur Bushaltestelle, die Skier auf der Schulter, die Stöcke in der Hand. Bald wird dieser Anblick zur Seltenheit. In gut einer Woche werden ernst dreinblickende Anzugsträger und telefonierende Frauen in schicken Kostümen, die strammen Schrittes zum nächsten Business-Meeting eilen, das Stadtbild prägen.

Während des WEF ergiesst sich eine wahre Flut an Geschäftsfrauen und Regierungsvertretern über Davos – und nicht nur da: «Immer mehr Delegationen suchen ihre Unterkunft mittlerweile in Klosters und weiter unten im Prättigau», sagt Jean-Pierre Galey, Abteilungsleiter Gästeberatung vom Tourismusverband Davos Klosters. «Die 2- bis 5-Sternehotels in Davos sind komplett ausgebucht.»

Und auch eine Ferienwohnung findet nur, wer entweder grosses Glück oder ein noch grösseres Portemonnaie hat. Ein Blick auf die Unterkunft-Vermittlungsplattform Airbnb zeigt: Wer während des WEF ein Zimmer sucht, zahlt gut und gerne 1500.– Franken – pro Nacht. Das Glück, Kost und Logis an bester Lage zu geniessen, wie es einigen AdA zuteilwird – und erst noch gratis –, ist leider nicht allen beschieden.

Das führt dazu, dass die schneesportbegeisterten Touristen während des WEF grösstenteils ausbleiben. Auch die gute Kontrollarbeit von Armee und Polizei, die die Region rund um die Alpenstadt sichern, trägt dazu bei, dass der Tagestourismus in dieser Zeit praktisch ausbleibt – und die Pisten leer. «Dabei ist Skifahren während des WEF eigentlich ein Geheimtipp», lächelt Galey.

Grund zur Freude hat die Davoser Tourismus-Branche allemal. Auch wenn die klassischen Winterferiengäste ausbleiben: Die weltweite Medienpräsenz, die der Mega-Event der Stadt jährlich verschafft, ist unbezahlbar. «Fernsehstationen auf der ganzen Welt zeigen in ihren Beiträgen die schöne Davoser Bergwelt», sagt Galey. Das verschafft der Stadt internationale Strahlkraft, schon seit Jahren: «Als ich mir in den 90er-Jahren den Tourismus-Markt in Russland anschaute, kannte man die Schweiz vor allem wegen des WEF in Davos», erzählt Galey.

Natürlich zahlt sich der Wirtschaftskongress auch monetär aus: Die Eliten aus Politik und Wirtschaft sorgten 2017 für einen Gesamtumsatz von 60 Mio. Franken, alleine in Davos. Eine stolze Summe für vier Tage Networking.

Dann ziehen die CEOs, Ministerinnen und Opinionleader bereits wieder ab. Und Davoser Bergwelt ist fest in der Hand der Feriengäste.